Frank Beyer - Foto: Günter Linke
Frank Beyer - Foto: Günter Linke

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Worte von Armin Mueller-Stahl

Mein lieber Frank,
vor knappen fünfzig Jahren sagte ich dir während der Arbeiten an Fünf Patronenhülsen, Du, Frank, wirst uns alle überleben. Ich sehe dich vor mir, sagte ich, hundertjährig, zwar faltig und kleiner geworden, aber mit unstillbarer Lebenslust immer noch auf der Suche nach neuen Filmstoffen, nach Arbeit, die dir wichtiger als alles andere war. Der Tod wird dich nicht holen können, du wirst ihn mit deinem dramaturgischen Wissen, mit deiner gelegentlich spröden Sachlichkeit, niemals Hintergedanken im Schlepptau, überlisten können. Das wirst du schaffen. Nun hast du uns aber, jünger als ich, für immer verlassen, bist lustlos geworden, keine Arbeit in Sicht, die dir das Leben zurück hätte geben können. Deine Krankheit eine Folge davon und von den vielen, meist sinnlosen Auseinandersetzungen, mit Parteifunktionären, Geld- und QuotenzähIenden Produzenten, die dir das Leben vermiesten, Dein großes Talent in Fragestellten. Du fehlst uns Frank!

Warst unter meinen Freunden der Anständigste, Fairste, Verlässlichste und Uneitelste. Gelegentlich auch der Lauteste. Wenn man dir leise etwas anvertraute, antwortetest du laut. Dir waren Heimlichkeiten unangenehm. Als wir neunundsiebzig nach Westberlin übersiedelten, packtest du mit Gabi, ich drehte meinen ersten Film, unsere Sachen in einen Laster, den Rest in dein Auto und fuhrst Gabi in den Westen. Ach, Frank wärst du doch vielleicht wären wir noch weiter gezogen, über den Ozean. Ja aber, ja aber...

Denke ich zurück, war unser gemeinsames Leben mit Arbeit verbunden. Ich sehe dich vor mir, Papierfetzen in den Fingern, zu kleinen Röllchen drehend, aus dem Fenster blickend und über die nächste Arbeit sprechen. Du warst mit Abstand mein bester und wichtigster Freund. Deinen Tod will ich nicht zur Kenntnis nehmen.