Winter adé

Eine Bahnreise quer durch die DDR im letzten Jahr ihres Bestehens verbindet Interviews mit sehr unterschiedlichen Frauen. Empathisch und behutsam nähert sich Helke Misselwitz ihren Gesprächspartnerinnen an und erfährt von ihrem Alltag, ihren Problemen und Sehnsüchten. Einige der Begegnungen sind verabredet, andere ergeben sich aus improvisierten Situationen. Während der Zug die vier Jahreszeiten durcheilt, bilden in strengem Schwarzweiß gefilmte Landschaften und Architekturen den Hintergrund. Mit Winter adé gelang Helke Misselwitz ein überaus authentischer und künstlerisch wichtiger Film. Von offizieller Seite abgelehnt, lief »Winter adé« dennoch 1988 im Wettbewerb des Dokfilmfestivals in Leipzig und wurde mit der Silbernen Taube ausgezeichnet.
Vorfilm: DEFA-Kinobox 39 »35 Fotos« (1985)
Zu Gast: Helke Misselwitz

Termine

Werkschau Helke Misselwitz zum 70. Geburtstag

In »Winter adé«, dem bekanntesten Film von Helke Misselwitz, sprechen Frauen aus der gesamten DDR unerwartet offen über sich und die Zustände im Land. Die kommenden Umbrüche ließ diese neue, ehrliche Art des Dokumentarfilmens vorausahnen. Die Retrospektive präsentiert auch seltener gezeigte »Expeditionen« von Helke Misselwitz und lädt zu einer Zusammenschau ihrer Filme ein, die in über 50 Jahren in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland entstanden: Spielfilme stehen neben kurzen und langen Dokumentarfilmen, Reportagen, Magazin-Beiträgen und experimentellen Arbeiten. Neugierig wendet sich die Regisseurin darin den Menschen zu, nimmt gerne Frauen in den Fokus und entlockt all ihren Protagonist/-innen aufschlussreiche Lebensdetails. Oft kreisen die Gespräche um Geschichte und Heimat.Viele ihrer Filme realiserte Helke Misselwitz mit dem Kameramann Thomas Plenert, der Schnittmeisterin Gudrun Steinbrück und der Fotografin Helga Paris.Helke Misselwitz studierte von 1978 bis 1982 an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg, von 1997 bis 2014 gab sie dort als Professorin für Regie ihren Erfahrungsschatz weiter, engagierte sich für unkonventionelle studentische Projekte. Wir gratulieren ihr herzlich zum 70. Geburtstag!