Vortrag: "Die Königin in Ostpreußen. Erinnerungen an Luise im langen 19. Jahrhundert" + Film: Königin Luise

Einen besonderen Platz innerhalb des Luisenmythos nahm stets Luises Aufenthalt in Ostpreußen ein: Ihre Flucht vor der siegreichen französischen Armee in die entlegene Provinz wurde zur Passion stilisiert. Ihr Zusammentreffen mit Napoleon in Tilsit, bei dem sie vergebens um mildere Friedensbedingungen für Preußen bat, galt als Höhepunkt ihrer Leidensgeschichte. Aber auch ihre Zeit in Memel und Königsberg, den preußischen Residenzstädten, bis zur Rückkehr des Königspaares nach Berlin war ein häufiger Topos
der Erinnerung.
Die Historikerin Maria Schultz geht in ihrem Vortrag den Verknüpfungen des nationalen Luisenkultes mit den Aufenthalten der Königin in Ostpreußen nach. Sie widmet sich dabei den verschiedenen Formen der medialen Inszenierung und politischen Instrumentalisierung im 19. Jahrhundert. Außerdem stellt sie heutige Erinnerungsorte auf dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußen vor.

Anschließend wird der Spielfilm Königin Luise (R: Wolfgang Liebeneiner, BRD 1957; Wiederholung am 30.4.) aufgeführt. Seinerzeit bäumten sich Freiwillige Selbstkontrolle und Presse angesichts des Filmes auf: Er sei "geeignet, monarchistische und nationalistische Gedanken bei der Jugend zu wecken, (... die Geschichte werde) zum Anlass einer verlogenen ‚Weisheit‘ genommen: Fange nach der Niederlage klein an (...) und alles wird wieder gut!" Entsprechend der Empörung über das Thema, hat die Presse für die Titelfigur oft nur höhnische Kommentare übrig: "Da hätten wir also wieder Frau Leuwerik, wie sie leibt und trappt." Aus heutiger Sicht ist "Königin Luise" vielmehr ein Film über das Jahr 1957 als über preußische Geschichte von 1802 bis 1810. Es ist ein Film über den Zeitgeist in der jungen Bundesrepublik und kaum verheilte, nationale Wunden - vielleicht der interessanteste in der Luise-Filmografie.

Termine

Zur Ausstellung "Luise. Königin der Herzen" 04/10