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Verbotene Spiele

Die fünfjährige Paulette, deren Eltern 1940 bei einem Tieffliegerangriff der Deutschen umkommen, wird von einer Bauernfamilie aufgenommen. Sie freundet sich mit dem elfjährigen Sohn Michel an. Am liebsten spielen sie »Krieg und Friedhof«, sammeln tote Tiere und bestatten sie in aufwendigen Gräbern. Als Paulette ins Waisenhaus gebracht werden soll, werden die Kinder gegen ihren Willen auseinandergerissen.
Schonungslos thematisiert Verbotene Spiele die Grausamkeit des Krieges und erinnert in den morbiden Ritualen der Kinder und in den Seitenhieben auf die Kirche an Filme von Louis Buñuel. Basierend auf einem Drehbuch des eingespielten Teams Jean Aurenche/Pierre Bost erhielt die erschütternde Adaption des gleichnamigen Romans von François Boyer zahlreiche Auszeichnungen.

Zur Filmreihe:
Die Zentralisierung der französischen Filmindustrie während der deutschen Besatzung weicht nach Kriegsende einer Liberalisierung des Marktes. Neben den drei großen Produktionsfirmen Pathé, Gaumont und UGC gibt es bald auch zahlreiche kleinere. Import-Auflagen werden aufgehoben, und wie in anderen europäischen Ländern auch, dominieren Hollywood-Filme die Kinos. Um die einheimische Filmproduktion zu fördern und zu regulieren, wird Ende 1946 das Centre National de la Cinématographie gegründet.
Während der italienische Neorealismus eine wichtige Stilrichtung im europäischen Nachkriegskino wird, bildet sich in Frankreich die »Tradition de la Qualité« heraus, die dem Kino der 1930er und 1940er verbunden bleibt. Jüngere Regisseure treten auf den Plan, aber auch erfahrene Filmemacher und Remigranten wie Max Ophüls schaffen üppig ausgestattete Studioproduktionen - häufig Literaturverfilmungen und romantische Dramen - mit großen Stars. Die Drehbuchautoren gewinnen einen den Regisseuren gleichwertigen Status.


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