Willy Fritsch und Lilian Harvey in "Der Kongreß tanzt"
Willy Fritsch und Lilian Harvey in "Der Kongreß tanzt"

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Über Lilian Harvey

Ein Glückskind schuftet für seine Karriere und hat Pech in der Liebe

"Hübsch kann jeder sein. Ich will groß werden!" Dafür brauchte es eiserne Disziplin. Workaholic war dieses schmächtige Mädchen, ein ehrgeiziger Typ, der seine "hübsche" Figur mit sportlichem Eifer und brutalen Hungerkuren zeitlebens auf 38 Kilo hielt. Das "süßeste Mädchen der Welt" wollte in den Tropen keine Hitze spüren und ließ sich beim Drehen am Polarkreis fast zur Eissäule frieren, bis es vom Schlitten getragen werden musste. Sie konnte singen, tanzen, sprechen und dies gleich in mehreren Sprachen - ganz anders als Willy Fritsch.
Ein erfolgloser Bewerber um ihre Gunst, Harry Liedtke, rächte sich an ihr mit dem Spitznamen "Frigidaire", kurz: "Friggi". Aber das schadete wenig, ihr Karriereziel erreichte sie trotzdem: Verehrer brachen sogar in Kinokassen ein, um Karten für ihre Filme zu ergattern. Egal, in welcher Stadt sie ankam: "Zwei Reihen Schutzleute müssen Lilian Harvey auf dem Weg zu ihrem Wagen hüten, sonst wird sie ein Opfer ihres Ruhmes."
Filmruhm brachte Geld und damit erwarb die Vielsprachige in Südfrankreich 1931 die "Villa Asmodée". Asmodi heißt "böser Geist" und bedeutet in der hebräischen Mythologie Eheteufel - ein Omen. Die zwei wundervollsten Wochen ihres Lebens teilte sie in dieser Villa mit Willi Fritsch und man schwor einander allerlei. Aber: Fritsch kam nie zurück. Der Wunsch des Publikums, das ideale Leinwandduo Fritsch/Harvey werde auch privat zum Traumpaar, blieb unerfüllt.
Harvey landete jedoch in den Armen eines anderen, als sich angeblich einmal eine Vorhersage des berühmten Hellsehers Erik Jan Hanussen erfüllte. Für einen Drehtag von Ein blonder Traum (1932) prophezeite Hanussen für Harveys Sternbild Glück in der Liebe und warnte vor Unfällen! Harvey berichtet: "Ich kletterte auf meine Leiter, unten stand Pierre Brasseur, um mich programmgemäß aufzufangen. Ich ließ los - da hakte mein Stöckelabsatz in einer Sprosse. Ich kippte nach vorne, warf mich mit Schwung zurück, schlug mit dem Rücken hart auf die Strebe, verlor jede Balance und fiel rückwärts ins Leere."(1) Ihr schwand das Bewusstsein und wochenlang lag sie mit angebrochenen Rückenwirbeln im Krankenhaus. Nicht Brasseur hatte sie aufgefangen, sondern Regisseur Paul Martin, der damit Schlimmeres verhinderte. Für diesen Film galt zwar noch Pommers Devise "Willy Fritsch muß am Ende Lilian Harvey kriegen!", doch im Leben bekam sie den geistesgegenwärtigen Martin. Sie protegierte ihn und versuchte immer wieder, Martin als Regisseur für ihre Filme durchzusetzen. Nach sieben glücklichen Jahren verließ er sie trotzdem und zog ihr die Schauspielerin Frauke Lauterbach vor.
Nachdem sie Deutschland 1939 endgültig den Rücken gekehrt hatte, lebte sie wieder in ihrer französischen Villa, die am Ende ihres Lebens - sie vermietete Bungalows auf ihrem Grundstück - sogar zu ihrem Unterhalt beitrug. Glück in der Liebe brachte "Asmodée" nicht. Auch ihre Ehe mit dem Theateragenten Hartvig Valeur-Larsen, 1953 geschlossen, hielt nur vier Jahre. 1968 starb sie, in Juan Les-Pins, Frankreich.

(1) Lilian Harvey in ihren unveröffentlichten Memoiren. Zit. nach: Uwe Klöckner-Draga: "Wirf weg, damit du nicht verlierst...". Berlin 1999, S. S. 142 f.

Aus der Ausstellung des Filmmuseums "Babelsberg - Gesichter einer Filmstadt" 2004

Biographie Lilian Harvey unter Biographie Lilian Harvey unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=54a17a3e9158155819760001a0a0a5c1
Filmographie Lilian Harvey unter Filmographie Lilian Harvey unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=562497209158155832450001a0a0a5c1
Aus der Sammlung Wieb Renkema unter Aus der Sammlung Wieb Renkema unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=57ce96929158155825370001a0a0a5c1