Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Togger

Renate Müllers letzter Film ist eine üble Hasstirade aus der Goebbelsküche gegen die Weimarer Republik, gegen Pressefreiheit und Demokratie. Die Geschichte um die drohende Übernahme einer deutschen Zeitung durch einen französischen Verlag findet über weite Strecken ohne weibliche Hauptfigur statt. Es ist unmöglich, den Film zu sehen, ohne die private Tragödie Renate Müllers mit zu denken. Ist sie im Bild, wirkt sie abwesend, müde. Befremdend sind einige Dialogpassagen, in denen sie von einer fremden Stimme synchronisiert ist, erschütternd die Szenen, in denen sie ganz und gar durch ein Double ersetzt werden musste - Momente in denen das filmische Konstrukt mit all seinen hohlen Propagandaphrasen zusammen bricht und den Blick frei gibt auf die grauenvolle Realität des Nationalsozialismus.
Renate Müller war privat mit einem emigrierten jüdischen Bankier liiert. NS-Behörden entzogen ihr den Pass, um weitere Treffen mit dem Freund in London zu unterbinden. Ihr ohnehin angegriffener Gesundheitszustand verschlechterte sich. Am 7. Oktober 1937 stürzte sie aus dem Fenster ihrer Villa. Die genauen Umstände ihres Todes wurden nie aufgeklärt.

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