Sylvester Groth zu Gast

Der Aufenthalt; F: DEFA-Lück
Bereits als Kind übernimmt der 1958 in Jerichow, Sachsen-Anhalt, geborene Sylvester Groth Sprechrollen für ein Leipziger Hörspielensemble. Nach der Gesangs- und Schauspielausbildung an der Schauspielschule Berlin folgen Theaterengagements in Schwerin und Dresden. Groths Theaterkarriere führt ihn an die renommiertesten Bühnen: Münchner Kammerspiele, Berliner Schaubühne, Salzburger Festspiele, Wiener Burgtheater. Regisseur Frank Beyer engagiert ihn 1983 für die erste Langfilmrolle. Mit seiner Darstellung des Kriegsgefangenen Mark Niebuhr in Beyers "Der Aufenthalt" gelingt Sylvester Groth der Durchbruch in Babelsberg. Durch intensives, von Ernsthaftigkeit getragenes Spiel, vermag es Groth, die Komplexitäten des Innenlebens und den Ballast des Vergangenen seiner Figuren darzustellen. Für seine Rolle in "Der Aufenthalt" wird er 1984 mit dem Nationalpreis als Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet, als Stasi-Agent in Hermine Huntgeburths "Romeo" erhält er 2001 den Grimme-Preis. Sein Komödiendebüt gibt der Schauspieler erst 2007 in Dani Levys "Mein Führer", ausgerechnet in der Rolle als Joseph Goebbels, die ihm den Deutschen Kritikerpreis einbringt. Quentin Tarantino besetzt ihn 2009 in "Inglouriuos Basterds" erneut als NS-Propagandaministers. In den internationalen Großproduktionen des Babelsberger Studios steht Groth regelmäßig auf der Besetzungsliste. Wir freuen uns auf eine kleine Werkschau mit den Filmen des Schauspielers und seinen Besuch im Filmmuseum am 26. Januar.

Zum Film:
Wenige Monate nach Kriegsende trifft ein Gefangenentransport auf dem Warschauer Güterbahnhof ein. Unter den ehemaligen deutschen Soldaten glaubt eine Polin, den Mörder ihrer Tochter zu erkennen. Der junge Mark Niebuhr wird abgeführt und nach Monaten der Einzelhaft zu Arbeitseinsätzen in Warschau eingeteilt. Doch dann rettet er ein Kind und wird in eine Zelle mit deutschen Gefangenen verlegt, in der ehemalige Offiziere den Ton angeben. Allmählich beginnt Niebuhr über Schuld und Mitschuld nachzudenken.
Mit "Der Aufenthalt" gab Sylvester Groths sein preisgekröntes Kinodebüt: "Völlig zu Recht verdient er das Prädikat ‚Entdeckung‘. Äußerlich eher zerbrechlich ist dieses Gesicht, das nur ein einziges Mal Lächeln andeuten darf, in den Großaufnahmen gleichsam ein Spiegel. Welch ein Start für einen Debütanten." (Junge Welt, 1983)

Termine

Werkschau Sylvester Groth 1/12