Rolf Herricht, Manfed Krug und Manfred Ott in dem DEFA-Film "Auf der Sonnenseite" aus dem Jahr 1962 - Foto: DEFA-Schittko
Rolf Herricht, Manfed Krug und Manfred Ott in dem DEFA-Film "Auf der Sonnenseite" aus dem Jahr 1962 - Foto: DEFA-Schittko

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Rolf Herricht

Biographie und Erinnerung


Biographie



5. Oktober 1927

Geboren in Magdeburg

1945

Ausbildung am Schauspielstudio Magdeburg

1946

Theaterdebüt in Salzwedel; weitere Bühnenstationen: Stendal, Staßfurt, Güstrow, Frankfurt/Oder, Magdeburg
Zusammenarbeit mit dem Schauspieler, Autor und Regisseur Hans-Joachim Preil. Neben der Theaterarbeit entwickeln die beiden kurze Sketche und treten damit auf. Ein Fernsehauftritt bringt dem Duo großen Erfolg, es folgen zahllose weitere Sketche des Duos Preil / Herricht im Varieté und im Fernsehen.

1959

Rolf Herricht in seinem Filmdebüt \"Musterknaben\" - Foto: DEFA-Teschner
Filmdebüt neben Hartmut Reck im DEFA-Film Musterknaben (R: Johannes Knittel)



1963

Herricht wird Mitglied des Ost-Berliner "Metropol-Theaters", dem er bis zu seinem Tode angehört.

1961 und 1968

Er spielt den komischen Gegenpart zu Manfred Krug in Auf der Sonnenseite (R: Ralf Kirsten) und Hauptmann Florian von der Mühle (R: Werner W. Wallroth).

1964

Rolf Herricht in dem DEFA-Film \"Geliebte weiße Maus\" - Foto: DEFA-Kroiss
In den DEFA-Lustspielen Geliebte weiße Maus (R: Gottfried Kolditz) und in Der Reserveheld (R: Wolfgang Luderer) ist Herricht uniformierter Hauptdarsteller. Als schüchterner Volkspolizist und unbeholfener NVA-Reservist erreicht Herricht in den DDR-Kinos Millionen von Zuschauern.


1965

Unter den vom 11. Plenum des ZK der SED verbotenen Filmen befindet sich auch die Kriminalkomödie Hände hoch, oder ich schieße (R: Hans-Joachim Kasprzik), in der Herricht die Hauptrolle spielt. Der Film hat bis heute keine Aufführung gefunden.

1967

Das Komikerduo Preil und Herricht tritt gemeinsam zum ersten und einzigen Mal im Spielfilm auf: Meine Freundin Sybille (R: Wolfgang Luderer).

1972

Herricht hat überragenden Erfolg in der Komödie Der Mann, der nach der Oma kam (R: Roland Oehme). Er spielt einen berühmten Fernsehkomiker, der mit dem Zwiespalt zwischen alten bürgerlichen Zwängen und tapfer versuchter sozialistischer Lebensführung kämpft.

1979

Rolf Herricht in dem DEFA-Film \"Der Baulöwe\" - Foto: DEFA-Pathenheimer
Rolf Herricht steht zum letzten Mal vor der Kamera der DEFA in Der Baulöwe (R: Georgi Kissimow), wo er als Eigenheimbauer mit diversen Problemen zu kämpfen hat.



1982

In der 7-teiligen Fernsehserie Geschichten übern Gartenzaun (R: Horst Zaeske) ist Herricht zum letzten Mal im Fernsehen zu sehen.

23. August 1981

Herricht stirbt während einer Vorstellung im Ost-Berliner "Metropol-Theater" an Herzversagen.



Zusammenstellung Peter Warnecke


Erinnerung


Von milden Kalauern und kleineren Fettnäpfchen

Rolf Herricht
Straßenfeger waren sie, der Herr Herricht und der Herr Preil. Leer waren die Straßen am Sonnabendabend, denn Millionen saßen vorm Fernseher und warteten auf das legendäre Komikerduo. Und als Herricht 1981 endgültig abtrat, erwartete man, dass er gleich wieder durch irgendeine Schwingtür zurück ins Leben stolpern würde und für diesen dummen Irrtum um Verzeihung bäte. Die Tür blieb zu. "Wenn Rolf zugucken könnte, wie ich mich abquäle, etwas einigermaßen Vernünftiges über ihn zu schreiben, würde er sagen: "Bruder, laß den Quatsch. Spiel was Hübsches mit Deinen Kindern und kümmere Dich um Deine Frau. Oder umgekehrt."(1), schrieb ein Rezensent und so hätte Herricht wohl geredet: freundlich humoriger Wortwitz, Schalk in den Augen, mit Kalauern auf vertraut leichtem Fuß.
Öffentlich machte er wenig Aufheben um sich und seine Arbeit. "Können Sie lachen, wenn Sie Rolf Herricht auf der Leinwand sehen?" fragte ihn ein Kritiker. "Nein, eher kommen mir die Tränen. (...) Meistens denke ich: Warum hast du das dir und den anderen nicht erspart? Ich finde immer noch ein Haar in der Suppe." Oder: "Haben Sie schon mal daran gedacht, den Beruf zu wechseln?" "Vor jeder Premiere!"(2) Das Kokettieren von einem, der es sich leisten kann? "Machen wir es uns nicht ein bißchen zu leicht? (...) Wir schütten mit unserem Humor ein Problem zu, das viel tiefer liegt, statt seine Wurzeln freizulegen...".(3) Aber aller Zweifel war verflogen, wenn er sein Publikum zum Lachen brachte... "Die Menschen werden schöner, wenn sie lachen."(4), fand Herricht. Er schaute dem Volk aufs Maul und blieb genauso vorsichtig wie sein Publikum. Er wollte verstanden werden und gehörte dazu.
Blut- und Leberwürste oder Tütensuppen liebte er immer noch, als er sich schon Kaviar und Bouillabaisse hätte leisten können. Herbert Köfer schenkte ihm darum zum 50. Geburtstag eine Strippe mit aufgefädelten Suppentüten. Und manche Episode seiner Schauspielkarriere hätte sich Sketchautor und Partner Preil kaum besser ausdenken können: Als junger Schauspieler musste er unvorbereitet den "Theophil" in dem Theaterstück "Frau Luna" übernehmen. Mit flatternden Nerven stand er auf der Bühne, musste er sich doch völlig auf die Souffleuse verlassen. Sie flüsterte ihm zuverlässig die Worte zu, doch weil die Gute Schnupfen hatte, mischte sich hin und wieder ein Niesen in den Text. Herricht hielt das Niesen für maßgeblich und schloss sich an, nieste also, wie ihm souffliert wurde. Das Lachen hinter den Kulissen soll das aus dem Zuschauerraum angeblich übertönt haben. Darin war Herricht/Jedermann ganz groß: Er kämpfte tapfer mit den Tücken des Lebens und widerspenstigen Gegenständen und erwischte jedes kleinere Fettnäpfchen, das ihm nie zum Verhängnis wurde.

1) Wochenpost Berlin, 4.9.81
2) Filmspiegel 13/80
3) Filmspiegel 18/81
4) FF dabei, 25.6.86

Bärbel Dalichow