Pierrot le fou

Ferdinand ist gelangweilt von seinem bürgerlichen Leben mit Frau und Kind. Gemeinsam mit seiner Ex-Freundin Marianne, die ihn hartnäckig Pierrot nennt, wird er in einen Mordfall verwickelt. Die beiden fliehen in den Süden und schlagen sich mit Diebstählen durch. Als Gangster hinter Marianne her sind, werden sie für einige Zeit getrennt... Die außergewöhnliche Schnitttechnik, Schauspieler/-innen, die direkt in die Kamera schauen, sowie die Nähe zur Pop Art und Cartoon-Ästhetik prägen den zwischen Komödie und Tragödie schwankenden, mit Zitaten gespickten Film.
Thorwald Proll - mit Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Horst Söhnlein im April 1968 einer der Kaufhaus-Brandstifter, die angaben, zu Filmaufnahmen in Frankfurt zu weilen - erzählte später: »Ich war auf jeden Fall romantisch. Ich war Pierrot le fou.« Andreas Baader selbst soll vor der Abreise nach Frankfurt zur Künstlerin Margita Haberland gesagt haben: »Pierrot le fou. Ha! Das machen wir selber.« Der Film war erst ab 18 Jahren freigegeben worden, da er als absurd, geschmacklos, anarchistisch gewertet wurde. Dennoch oder gerade deshalb wurde er zum Kultfilm und findet als solcher auch in Uwe Timms Studentenbewegungs-Roman »Heißer Sommer«Erwähnung.

Termine

17 Juni 2017 | 19:15

Moving History - Vorspiel

Vom 20. bis zum 24. September findet im Kino des Filmmuseums zum ersten Mal »Moving History«, das Festival des historischen Films statt. Aus Anlass der aktuellen Herausforderungen durch den Terrorismus, 50 Jahre nach dem Tod von Benno Ohnesorg und 40 Jahre nach dem »Deutschen Herbst« widmet sich eine Filmprogramm der RAF - ihren Entstehungsbedingungen, ihrer Geschichte, ihren Nachwirkungen. Als Vorspiel zum Festival zeigen wir daher drei Spielfilme, die den Zeitgeist der 1960er Jahre in sich aufnahmen und gleichzeitig mit prägten. Einen wichtigen Hintergrund bildeten die blutigen Unabhängigkeitsbewegungen in den ehemaligen europäischen Kolonien, die ebenso gewaltreiche schwarze Bürgerrechtsbewegung, die neue visuelle und musikalische Popkultur sowie das zunehmende Selbstbewusstsein der Jugend. Einfluss nahmen die Filme nicht unbedingt als Katalysator eines Gesinnungswandels oder als Auslöser konkreter Taten, sondern als Vorbilder für das Lebensgefühl und die Selbstinszenierung verschiedener männlicher und weiblicher Protagonisten der Studentenrevolte der späten 1960er und der Terrorismusszene der 1970er Jahre. Weitere Informationen:www.moving-history.de