Lenz. Ich aber werde dunkel sein

Der junge Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz trifft 1771 in Straßburg auf die »Sturm-und-Drang«-Poeten Klinger, Herder und Goethe. Lenz, kindlich-naiv, genial und ungestüm, schreibt, »um zu gefallen«, vor allem dem von ihm bewunderten Goethe. Im März 1776 folgt er Goethe nach Weimar, schon im Dezember lässt ihn der Geheimrat ausweisen. Lenz findet keine Ruhe, reist. Sein psychischer Zustand verschlechtert sich, am 4. Juni 1792 stirbt er in Moskau. »Der stilistische Reiz dieses Films könnte darin bestehen, dass er vorwiegend in Großaufnahmen von Gesichtern zu fotografieren wäre.« Dieses, von Günther im Drehbuch notierte ästhetische Programm wird in erster Linie in den Begegnungen zwischen Goethe und Lenz genial umgesetzt.
Zu Gast: Jörg Schüttauf (angefragt)

Termine

14 Oktober 2017 | 20:00

Junger Werther, neuer Werther... Weimarer Klassik im Film

Das Kulturkonzept der DDR zielte u.a. auf die Ausbildung eines sozialistischen Nationalbewusstseins. Seit ihrer Gründung wurde die Weimarer Klassik instrumentalisiert, um nationale Identität zu stiften. Bürgerlichen Humanismus und antifaschistischen Impetus galt es zu verknüpfen. Später weitete sich der Erbe-Begriff. Ein individualisierter, auf die Gegenwart bezogener Umgang mit den literarischen Überlieferungen der Weimarer Klassik wurde möglich.Die Reihe versammelt schwerpunktmäßig Dokumentar- und Spielfilme aus den 1970er und 1980er Jahren, die neue Sichten vornehmen. Sie mäandern zwischen dem kanonisierten Klassikbild und der Begeisterung für Gegenklassiker, zwischen affirmativer Auftragsproduktion und Erwartungsentzug durch widerständige Sujetwahl.Gewidmet ist die Reihe dem am 31. August 2017 in Potsdam verstorbenen 90-jährigen Regisseur und Schriftsteller Egon Günther, der mit seiner Innovationskraft nicht nur das Genre der Literaturverfilmungen erneuert hat. Die Filmauswahl würdigt zudem die künstlerischen Leistungen der Drehbuchautorin Helga Schütz und des Kameramanns Peter Brand, die 2017 runde Geburtstage feiern.
Mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung