DDR-Fernsehfilme über Weimar

In DDR-Fernsehfilmen der 1980er Jahre verschiebt sich die Perspektive auf das »klassische Weimar«. In Wieso ausgerechnet Weimar? Dichterfürsten und Regenten am Weimarer Hof klingt mit der These, dass aufgeklärte Dichter den Adel zu Reformen bewegt hätten, die Möglichkeit einer »Revolution von oben« an- im DDR-Geschichtsverständnis eigentlich eine Unmöglichkeit. Auf Distanz zum kanonisierten Umgang geht die frische Reportage Unterwegs nach Weimar- Reisenotizen in Sachen Goethe und Schiller. Produktive Erbeaneignung leisteten nicht zuletzt Studierende, zum Beispiel der Theaterhochschule Leipzig, die in Goethewerkstatt das Verhältnis von Bildung und Wissen untersuchen.
Einführung: Ralf Forster (Filmmuseum Potsdam)

Termine

12 Oktober 2017 | 20:00

Junger Werther, neuer Werther... Weimarer Klassik im Film

Das Kulturkonzept der DDR zielte u.a. auf die Ausbildung eines sozialistischen Nationalbewusstseins. Seit ihrer Gründung wurde die Weimarer Klassik instrumentalisiert, um nationale Identität zu stiften. Bürgerlichen Humanismus und antifaschistischen Impetus galt es zu verknüpfen. Später weitete sich der Erbe-Begriff. Ein individualisierter, auf die Gegenwart bezogener Umgang mit den literarischen Überlieferungen der Weimarer Klassik wurde möglich.Die Reihe versammelt schwerpunktmäßig Dokumentar- und Spielfilme aus den 1970er und 1980er Jahren, die neue Sichten vornehmen. Sie mäandern zwischen dem kanonisierten Klassikbild und der Begeisterung für Gegenklassiker, zwischen affirmativer Auftragsproduktion und Erwartungsentzug durch widerständige Sujetwahl.Gewidmet ist die Reihe dem am 31. August 2017 in Potsdam verstorbenen 90-jährigen Regisseur und Schriftsteller Egon Günther, der mit seiner Innovationskraft nicht nur das Genre der Literaturverfilmungen erneuert hat. Die Filmauswahl würdigt zudem die künstlerischen Leistungen der Drehbuchautorin Helga Schütz und des Kameramanns Peter Brand, die 2017 runde Geburtstage feiern.
Mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung