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Geraubte Küsse

Unehrenhaft aus der Armee entlassen, schlägt sich der junge Antoine Doinel als Nachtwächter, Privatdetektiv, Schuhverkäufer und Fernsehmechaniker durch. Als er sich in die Frau des Schuhladenbesitzers verliebt, verlässt er seine Jugendliebe Christine. Doch Christine will Antoine zurück.
François Truffaut, der die französische Filmtradition erneuern aber nicht zerschlagen wollte, gelingt mit dem dritten Teil des Antoine-Doinel-Zyklus eine Mischung aus verspielten, melancholischen und poetischen Episoden sowie aus Elementen traditioneller wie moderner französischer Filmkunst.

Zum Ende der 1950er Jahre sinkt die Zahl der Kinobesuche in Frankreich drastisch. Zeitgleich ändert das Centre National de la Cinématographie seine Förderstruktur. Bis 1961 entstehen so zahlreiche Debütfilme junger Regisseure. François Truffauts »Sie küssten und sie schlugen ihn« erhält 1959 bei den Filmfestspielen von Cannes den Regiepreis. Es ist einer der Filme, die für die Anfänge der Nouvelle Vague stehen - wie auch Jean-Luc Godards »Außer Atem«, der zweifelsohne innovativste frühe Film der Strömung. Godard und Truffaut werden die einflussreichsten Vertreter der neuen Welle, die der »Tradition de la Qualité« der Vorgänger mit ihrer Autorenpolitik entgegentritt. Damit setzten sie sich von den großzügig ausgestatteten, starbesetzten Literaturadaptionen aus den Vorjahren ab und forderten die Einheit von Autor und Regisseur ein. Regisseure sollten ihre Sicht der Welt im eigenen Drehbuch und durch ihre besonderen Stilmittel ausdrücken. Dementsprechend vielgestaltig sind die Filme dieser Zeit, in der auch Regisseure wie Claude Chabrol, Jacques Rivette und Éric Rohmer ihren ganz eigenen Stil ausbilden konnten.
Oft »on location« mit tragbarem Equipment, weniger bekannten Schauspielern, kleinen Crews und geringen Budgets gedreht, kamen die Filme der Nouvelle Vague den Bedürfnissen der Produzenten entgegen und spielten zunächst hohe Gewinne ein.


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