Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Frühe Komödien von und mit Ernst Lubitsch

Bevor Ernst Lubitsch (1892-1947) zwischen 1919 und 1922 mit aufwendigen Historienfilmen und Ausstattungsspektakel weltberühmt wurde und als erster großer deutscher Regisseur nach Hollywood ging, machte er sich während des Ersten Weltkriegs einen Namen mit Ko-mödien, die sich durch frechen Witz und anarchischen Humor auszeichnen. Oft spielen sie im jüdischen Milieu Berlins, so auch "Schuhpalast Pinkus" von 1916. Lubitsch, dessen aus Russland eingewanderter Vater selbst ein Bekleidungsgeschäft besaß, führt uns hier einen besonders pfiffigen sozialen Aufsteiger vor Augen: Salomon Pinkus genannt Sally (Ernst Lubitsch) fliegt zwar aus der Schule, doch im Schuhsalon, in dem er als Lehrling anfängt, macht er schnell Karriere. Er flirtet mit der Tochter des Chefs, schmeichelt den Kundinnen und ist am Ende stolzer Besitzer einer eigenen Modefirma. Dass das Verhältnis zwischen Erotik und Ökonomie zu Lubitschs Lieblingsthemen zählte, zeigt sich auch schon 1913 in "Die ideale Gattin", wo er einen einfallsreichen Heiratsvermittler spielt, der alleinstehende Herren mit einer stets lächelnden Gattin beglückt - einer Puppe aus einem Dessous-Geschäft.

"Lubitsch ist eine Individualität. [...] Humor ist das Elixier, das alle seine Schöpfungen belebt, Humor in jeder Schattierung", schreibt 1916 der Kritiker Julius Urgiß (der 1933 aus Deutsch-land emigrieren musste). Und auf Urgiߒ Frage, wie er zu Filmen im jüdischen Milieu stehe, antwortet Lubitsch: "Es ist oft gesagt worden, daß an Filmen mit jüdischem Milieu Anstoß genommen wird. Das ist ja ein ganz unglaublicher Standpunkt. Wenn der Fall eintritt, daß solch ein Film Mißfallen erregt, dann liegt das einzig und allein an seiner Darstellung, der das Wesen des jüdischen Humors entweder nicht liegt, dann aber soll der Künstler seine Hand von dieser Aufgabe lassen, oder aber an jener maßlosen Übertreibung, die jede künstlerische Leistung beeinträchtigt und ihrer Wirkung schädlich ist. Der jüdische Humor ist, wo er auch erscheinen mag, sympathisch und künstlerisch, und er spielt allüberall eine so große Rolle, daß es lächerlich wäre, wollte man ihn im Kino entbehren." (Julius Urgiß: Künstlerprofil Ernst Lubitsch. In: Der Kinematograph, 30.8.1916).

Einführung: Prof. Dr. Frank Stern (MMZ Potsdam/ Universität Wien)
Am Klavier: Stephan Graf von Bothmer


 


Deutsch-jüdisches Filmschaffen in der Weimarer Republik