Erwin Geschonneck in "Asta, mein Engelchen" - Foto: DEFA-Jaeger
Erwin Geschonneck in "Asta, mein Engelchen" - Foto: DEFA-Jaeger

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Erwin Geschonneck

Biographie



27. Dezember 1906

Geboren in Bartenstein (ehemals Ostpreußen, heute Polen)

Vater: Flickschuster und Nachtwächter Otto Geschonneck

1907

Die Familie zieht nach dem Tod der Mutter nach Berlin.

1920

Geschonneck beginnt als Bürobote für ein Bankhaus und in der Börse zu arbeiten. Er schlägt sich als Hilfsarbeiter und Hausdiener durch und ist zeitweise arbeitslos. Geschonneck schließt sich der Arbeitersportbewegung Fichte an und wird Leiter des Arbeiter-Athletenbundes.

1929

Er wird Mitglied der KPD. Er schließt sich einer Agitprop-Gruppe an, nimmt Sprechunterricht, tritt im "Roten Kabarett" von Kurt Tucholsky auf und arbeitet als Fotomodell.

1930

Geschonneck agiert als einer von 4.000 Arbeitersportlern in Kuhle Wampe (R: Slatan Dudow) sowie als Komparse bei Erwin Piscator an der "Jungen Volksbühne". Er arbeitet als Souffleur, Beleuchter und Darsteller in einer Truppe jüdischer Schauspieler.

Ende 1933

Mit der jüdischen Schauspielgruppe geht er nach Polen, wo er wegen Passvergehen verhaftet und in die Tschechoslowakei abgeschoben wird. In Prag dient er dem linken Grafiker John Heartfield als Modell für eine seiner Fotomontagen.

Ende 1934

Er reist nach Moskau und tritt im von Gustav von Wangenheim mit emigrierten Schauspielern gegründeten Deutschen Theater ("Kolonne links") auf.

Er geht nach Odessa zum "Deutschen Kollektivistentheater" und wird dort Gewerkschaftsvorsitzender.

1938

Geschonneck wird von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD ins Deutsche Reich ausgewiesen. Durch den Einsatz von Freunden darf er nach Prag fahren, wo er sich der Freien Deutschen Spielgemeinschaft anschließt und eine Agitprop-Show inszeniert.

Beim Einmarsch der deutschen Truppen taucht er unter.

März 1939

Er wird verraten und verhaftet, als er nach London fliehen möchte. Es folgen Verhöre durch die Gestapo. Bei Kriegsausbruch wird er ins KZ Sachsenhausen gebracht. Danach kommt er ins KZ Dachau, wo er den Widerstand mitorganisiert und mit kulturellen Aktivitäten die Moral der Mithäftlinge zu stärken versucht, u. a. inszeniert und spielt er Theater.

1944

Er wird ins KZ Neuengamme bei Hamburg verlegt. Bei der Evakuierung des Lagers kommt er auf das "Cap Arcona".

Mai 1945

Das Schiff mit 4.000 Häftlingen wird von den Bomben britischer Jagdflieger getroffen und sinkt in der Lübecker Bucht. Geschonneck gehört zu den 350 Überlebenden.

Nach seiner Entlassung durch die Briten geht er nach Hamburg, arbeitet im Komitee ehemaliger politischer Häftlinge und in einer Kommission zur Entnazifizierung von Künstlern mit.

1946

Der Autodidakt hat sein Theaterdebüt an den Hamburger Kammerspielen unter Käutner und spielt u. a. in der Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür". Außerdem arbeitet er beim Radio in Hörspielen und im Schulfunk.

1946/1947

Kinodebüt in Helmut Käutners erstem Nachkriegsfilm In jenen Tagen.

1949

Er geht ans Deutsche Theater in Berlin und wird von Helene Weigel an das gerade entstehende Berliner Ensemble engagiert. Dort spielt er den Knecht Matti in Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" unter der Regie Erich Engels. Er wird mit einem Schlag berühmt und erhält weitere wichtige Rollen.

Bei seinem ersten Kontakt mit der DEFA spielt er in der Hauptmann-Verfilmung Der Biberpelz (R: Erich Engel).

1951

Geschonneck spielt seine erste Hauptrolle als der kleinbürgerlicher Schlächter und Aushilfshenker Teetjen in der Arnold-Zweig-Verfilmung Das Beil von Wandsbek (R: Falk Harnack). Der Film wird nach heftigen Diskussionen aus dem Vertrieb genommen und kommt nach Jahren gekürzt sowie zu seinem 75.Geburtstag in der Urfassung heraus.

1954

Er wendet sich, abgesehen von Gastspielen, vom Theater ab, und dem Film zu.

1963

Er spielt den KZ-Häftling Krämer in Nackt unter Wölfen (R: Frank Beyer). Im gleichen Jahr mimt er den gewitzten Arbeiter Kalle in Karbid und Sauerampfer (R: Frank Beyer).

1967

Präsident des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR

1974

Ein Höhepunkt in seinem Schaffens ist die Rolle als Ghetto-Friseur Moische Kowalski in Jakob der Lügner (R: Frank Beyer). Der Film wird für einen "Oscar" nominiert. Regisseur Frank Beyer und er besuchen Hollywood.

1993

Gast am Berliner Ensemble. Auszeichnung mit dem Bundesfilmpreis für sein Lebenswerk

1995

Geschonneck ist neben Fred Delmare einer der beiden Titelhelden des Fernsehfilms Matulla und Busch (R: Matti Geschonneck).

Er ist fünfmal verheiratet; sein Sohn Matti arbeitet als Regisseur und sein Sohn Sascha betätigt sich zeitweise als Schauspieler.

12.03.2008

Erwin Geschonneck stirbt im Alter von 101 Jahren in seiner Berliner Wohnung.



Mehr zu Erwin Geschonneck
Ehrende Worte des Gedenkens von Roland Gräf am 2. Mai 2008 im Filmmuseum unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=41f5088f9158155838010001a0a0a5c1
Film- und Theaterrollen unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=38a587be9158155820100001a0a0a5c1
Anekdote unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=3701bc3f9158155840240001a0a0a5c1
Galerie unter www.filmmuseum-potsdam.de/index.php?id=42bcd91f9158155882700001a0a0a5c1

Zusammenstellung Peter Warnecke