Eröffnung der Foyerausstellung: 1912 - Asta Nielsen in Babelsberg

Der Totentanz; F: FMP
In heimeliger Kaminatmosphäre spielt Bella (Asta Nielsen) auf ihrer Laute. Verliebt lauscht ihr Mann den Klängen, als das Telefon klingelt und der Ingenieur zur Lösung eines Problems in die Fabrik gerufen wird. Ein kurzer Knall - und Bellas Mann wird verletzt davongetragen. Damit nimmt das tragische Verhängnis seinen Lauf: Bella verdient nun den Lebensunterhalt der Familie mit Gesangsauftritten im Varieté. Sie verliebt sich in ihren Komponisten und der sich in sie. Dich ihr eheliches Gelübde führt zum Tod ihrer Liebe.
In der Zeitschrift "Bild und Film" echauffierte sich 1913 eine Dame über die skandalöse Darstellung - ein "Kinderverbot" sei zu wenig für diesen Film. Vor allem die aufreizende Tanznummer des "Totentanzes" zum Zwecke der Triebanimierung des Komponisten hatten es der Tugendwächterin angetan: "Sie tanzt eine Art Schlangentanz, einen Bauchtanz. Bewegungen wie die eines Panthers, darauf berechnet, die Sinnlichkeit aufzupeitschen; so tanzen die verkäuflichen Frauen in den orientalischen Städten … eine Frau, die tugendhaft bleiben will, die siegen will, weckt nicht erst alle sinnlichen Triebe des Mannes, um ihn nachher zu ermorden…". Das mag richtig sein und ist doch schön anzuschauen! Das Filmmuseum Potsdam freut sich, die anlässlich des 100. Jahrestages der Filmstadt Babelsberg rekonstruierte Fassung des Filmfragments "Der Totentanz", flankierend zur Foyerausstellung "1912 - Asta Nielsen in Babelsberg", zeigen zu können. Ein wiederentdecktes Album mit originalen Standbildern ermöglichte die Komplettierung verschollener Teile. So ist die bislang erhalten gebliebene Fassung des Münchener Filmmuseums mit Hilfe der Fotos und unter Einbeziehung des Drehbuches von Urban Gad und zeitgenössischer Rezensionen ergänzt worden.
Stefan Drößler, verantwortlich für die Rekonstruktion, wird eine Einführung halten, die Einblicke in ein Filmdokument ermöglicht, das am Beginn der Erfolgsgeschichte des Filmgeländes in Babelsberg stand und in dieser vervollständigten Form erstmals im Kinospielplan zu sehen ist. Der ebenfalls fragmentarisch überlieferte Asta-Nielsen-Film Die Filmprimadonna (R: Urban Gad, D 1913) ergänzt die Vorführung. Er erzählt von einer zeitgenössischen Filmproduktion und von den Einflussmöglichkeiten auf diese durch seinen Star.
Wir danken Stefan Drößler und Gerhard Ullmann vom Filmmuseum München herzlich für die unkomplizierte Zusammenarbeit und die Bereitstellung der Fotos für die Ausstellung.

Termine

Zur Foyerausstellung: 1912 - Asta Nielsen in Babelsberg 2/12