Die Nibelungen 1.Teil: Siegfried

Mit seinem zweiteiligen Werk versuchte Fritz Lang einen neuen Blick auf die ur-germanische Nibelungen-Sage zu werfen. Im ersten Teil, in Siegfried , kommt es Lang weniger darauf an, diese erneut zu erzählen. Es geht ihm vielmehr darum, sie plastisch darzustellen! Auf dem Ufa-Gelände entsteht eine Kulisse, die Gemälde und Buchillustrationen zitiert und deren Anleihen von der Gotik bis zum Jugendstil reichen. So entsteht ein bis heute beeindruckender visueller Stil, in dem sich der strotzende Körper Paul Richters nur als weiteres kunstvolles Ornament ausnimmt.
Als im April 1924 der zweite Teil, Kriemhilds Rache, Premiere feierte, wurde in Berlin zeitgleich Jürgen Fehlings sechsstündige Theaterinszenierung von Hebbels »Die Nibelungen« aufgeführt. Über letzteres Werk urteilte der zeitgenössische Kritiker Joseph Roth: »Es war, als zeigte man von einem universalen Weltbrand nur die ragenden Stichflammen und die donnernden Explosionen.« Gleiches lässt sich über Langs Film sagen, der weniger der Entwicklung der Rache Kriemhilds an Hagen nachgeht, als vielmehr das grausamste und bedeutendste Gemetzel des Weimarer Kinos ins Bild setzt.
An der Welte-Kinoorgel: Peer Kleinschmidt

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Die Nibelungen. Mythos, Alltag und Moderne

Fritz Langs bei der Ufa 1922 bis 1924 entstandener Zweiteiler griff einen Stoffkomplex auf, der im 19. Jahrhundert in Deutschland, insbesondere durch Richard Wagners Ring-Tetralogie, als Nationalmythos schlechthin galt. Die darin enthaltene Phantastik kreierte einen aufs Universelle zielenden Kosmos geschichtsbestimmender Kräfte, der bis in die aktuelle Film-Fantasy erkennbar bleibt, etwa in Peter Jacksons Hobbit-Trilogie.