Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Die Kommissarin
Kommissar

Der Vater des Regisseurs, Kommissar im Bürgerkrieg, wurde 1937 beschuldigt, Spion zu sein und erschossen. Die Mutter kam ins Lager, ihr fünfjähriger Sohn Aleksandr wurde von jüdischen Freunden versteckt und vor dem Heim bewahrt.
Über diese Zeit drehte Askoldow einen monolithischen Film: Eine Kommissarin, fanatische Kämpferin für die Revolution - großartig gespielt von Nonna Mordjukowa - verändert sich durch Schwangerschaft, Geburt und Muttersein. Das einfühlsame Porträt der Kommissarin, die erst im Kontakt mit einer kinderreichen jüdischen Familie das eigentliche Leben kennenlernt wird zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit lebensspendenden und lebensvernichtenden Kräften - mit Alltag, Krieg und Tod.
Der Film erreicht eine Emotionalisierung, die frei vom Pathos des sowjetischen Revolutionsfilms und doch an dessen Bildsprache geschult ist. Das bildgewaltige Spielfilmdebüt wurde verboten, weil es an das heikle Thema der Judenpogrome in der frühen Sowjetunion rührt. Der Film kam erst 1988 in die Kinos; er blieb sein einziger.

Erinnerung an eine Utopie