Foto: Wolfgang Ebert / DEFA-Stiftung
Foto: Wolfgang Ebert / DEFA-Stiftung

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Die Besteigung des Chimborazo

Im Jahre 1802 bricht Alexander von Humboldt von der ecuadorianischen Hauptstadt Quito in Begleitung zweier Gefährten zur Besteigung des Chimborazo auf, der damals als höchster Berg der Welt galt. Die Reise bringt sie Land und Leuten näher, verhilft ihnen zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konfrontiert sie schließlich mit den eigenen physischen Grenzen. Dass sie am Ende den Gipfel nicht erreichen, bleibt angesichts der gewonnenen Erfahrungen zweitrangig.
Für Rainer Simon wird der Humboldt-Film die erste Begegnung mit Südamerika. Fortan lassen ihn der Kontinent und seine Menschen nicht mehr los. Seit dem Mauerfall fuhr er in jedem Jahr dorthin.
In Anwesenheit von Rainer Simon
Laudatio: Götz Schubert
(Empfang im Foyer)

Rainer Simon
Der am 11.1.1941 in Hainichen (Sachsen) geborene Rainer Simon beginnt als 20-Jähriger ein Regie-Studium an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg, wo er gemeinsam mit Kommiliton/-innen das »Kollektiv 63« gründet, das sich ausschließlich der Darstellung der DDR-Wirklichkeit verpflichtet. In diesem Zusammenhang entsteht Simons erster eigener (heute verschollener) Film »Überzeugungsmethode«. Als Assistent der Regisseure Konrad Wolf und Ralf Kirsten ist er an den Filmen »Ich war neunzehn« und »Der verlorene Engel« beteiligt. Im DEFA-Spielfilmstudio realisiert Simon ab 1968 eigene Filme. Sie alle zeichnen sich durch ihre eigenwilligen Bildwelten aus. Dem Gegenwartsfilm »Jadup und Boel« (1980), der von einem unangepassten Bürgermeister erzählt, wird lange Zeit die Zulassung verweigert, er hat erst 1988 Premiere. Das filmische Kammerspiel »Die Frau und der Fremde« erhält 1985 einen Goldenen Bären in West-Berlin. Für die Dreharbeiten der Humboldt-Biografie »Die Besteigung des Chimborazo« bereist Rainer Simon erstmals Südamerika. Die Aufnahmen der Menschen und Landschaften Ecuadors verleihen dem Spielfilm dokumentarische Züge. Rainer Simon bleibt dem Land und seiner indigenen Bevölkerung in der Folge sehr verbunden, unternimmt regelmäßig Reisen, organisiert Ausstellungen indianischer Künstler und realisiert nach dem Ende der DEFA mit ihnen eine Trilogie von vor Ort produzierten, dokumentarischen und halbdokumentarischen Filmen. Das Filmmuseum Potsdam widmete Rainer Simon in der Vergangenheit bereits zwei Ausstellungen. Mit der Wiederaufführung einer Auswahl seiner Filme im Kino gratuliert es dem Regisseur, Autor und engagierten Potsdamer zum 75. Geburtstag.


Rainer Simon zum 75. Geburtstag