Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)
Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)

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Der neunte Tag

Der luxemburgische Abbé Henri Kremer gehört zu 3000 Häftlingen aus West- und Osteuropa aus dem "Pfarrerblock" in Dachau, wo die Gefangenen gedemütigt und gefoltert werden. Ende Januar 1942 bekommt er "Urlaub auf Ehrenwort", um seinen Bischof zu überzeugen, der Kirchenpolitik des Dritten Reiches zuzustimmen. Die anderen Häftlinge bleiben als Geisel zurück. Der gebildete und karrieresüchtige Gestapo-Offizier Gebhardt versucht, Kremer zum Komplizen zu gewinnen: Er offenbart ihm, dass er, bevor er zur SS wechselte, vor der Priesterweihe stand und ihm somit geistig verwandt sei, beide seien doch ‚Menschenfänger? und ohne Judas gäbe es auch das Christentum nicht. Doch Kremer ist kein Judas, am neunten Tag kehrt er nach Dachau zurück. Sein Brief auf Gebhardts Frage nach seiner Kooperation enthält ein leeres Blatt. Ein virtuoses Drehbuch, großartige Darsteller und die unaufdringliche Kamera machen diesen Film zu einem Ausnahmefall. Schlöndorff gelang ein ebenso bildmächtiges wie spannendes Gewissensdrama über die Versuchungen des Bösen, die zeitlos sind.

Jean-Claude Carrière und Volker Schlöndorff (Dez)