Der letzte Mann
Der letzte Mann

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Der letzte Mann

"Heute bist Du der Erste, geachtet von Allen, ein Minister, ein General, vielleicht sogar ein Fürst - Weißt Du, was Du morgen bist?" So fragt der Vorspann von Der letzte Mann.
Mit Der letze Mann liefert Friedrich Wilhlem Murnau eine so zeitlose wie eindrückliche Parabel über die Wechselhaftigkeit des Lebens. Der Film erzählt die Geschichte eines alternden Portiers. Stets begleitet von Marschmusik stolziert der Portier nach Dienstschluss in seiner prächtigen Livree nach Hause ins Arbeiterviertel, wo er von allen bewundert wird. Doch von einem Tag auf den anderen verliert er seine Position, die ihn doch mit so viel Stolz erfüllte. Der alte Portier wird zum Toilettenwächter degradiert; verlacht von den Nachbarn und verstoßen von seinen Verwandten, zieht sich der Alte, zum "letzten Mann" geworden, in den Keller zurück. Doch das Rad der Fortuna dreht sich weiter: Dank des von einem reichen Kunden hinterlassenen Vermögens wird der Toilettenmann ein umworbener Hotelgast. Emil Jannings, der wohl größte Schauspieler seiner Zeit, brilliert in der Darstellung dieses Mannes, der mit dem Verlust seiner Portiersuniform auch Ansehen und Würde verliert - den sozialen Abstieg von Millionen Menschen in der Wirtschaftskrise versinnbildlichend. Der märchenhafte Schluss soll dabei nicht als aufgesetztes Happy-End aufgefasst werden. Er führt vielmehr, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, die eingangs gestellte Frage fort: Wer heute der Letzte ist, kann morgen wieder der Erste sein. Unentwegt dreht das Schicksal sein Rad.
Bedeutung für die Filmgeschichte erlangte Der letzte Mann auch durch eine neue Kameratechnik, die bewegliche "entfesselte" Kamera, mit der Karl Freund - neben Carl Hoffmann einer der berühmtesten Kameraleute der UFA - hier erstmals arbeitete. "Der frei im Raum sich bewegende Aufnahmeapparat" (Murnau) wurde in einem Fahrkorb installiert, Karl Freund vor den Bauch geschnallt oder aufs Fahrrad gehievt. Der letzte Mann lässt Murnaus große Experimentierfreude, die Einstellung, sich nicht mit den vorhandenen Mitteln zu begnügen, sondern sie auf eigene Faust, ohne Rückendeckung einer ausgefeilten Technik zu überschreiten schnell erahnen.
Der letzte Mann wurde am 23. Dezember 1924 im Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt.

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