Degrees - Portraitfotos von Andy Gotts

Katalog zur Ausstellung (Ausschnitt); Gestaltung: h neun
Karte zur Ausstellung
3. November 2006 - 14. Januar 2007
Im Oktober 2005 präsentierte die Londoner Galerie «Getty Images» eine Ausstellung des Fotografen Andy Gotts mit Porträts berühmter Zeitgenossen. Der Titel seiner Schau, «Degrees», verwies auf ein Phänomen, dessen Ursprung in einem populären Internetspiel lag: «Six Degrees of Separation». Was bedeutet, dass auf unserer Erde jeder jeden kennt - um höchstens sechs Ecken. Nach ihrem großen Erfolg wurde die Ausstellung von Galerien und Museen in der ganzen Welt eingeladen und war noch vor ihrer USA-Tournee in Deutschland zu sehen: im Filmmuseum Potsdam.
Zur Ausstellung erschien ein Bildband mit über einhundert Fotografien, zu dem Sir Alan Bates das Vorwort schrieb. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Bilder und des Fotobandes gingen als Spende an die Diabetesforschung, denn "wenigstens einmal im Leben sollte jeder ein uneigennütziges Vorhaben verwirklichen, um anderen zu dienen, gut zu sein und um einen Fußabdruck auf der Erde zu hinterlassen ..." (Andy Gotts) Das Filmmuseum Potsdam gab zudem einen kleinen Katalog heraus.
Kuratoren: Getty Images (London), Bärbel Dalichow (FMP)
Gestaltung, Katalog, Plakat: h neun (Berlin)
Ausstellungsfotos folgen.

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Acht Jahre lang war Andy Gotts um die Welt gereist und hatte durch Empfehlungen mehr als einhundert namhafte Schauspieler und Schauspielerinnen vor die Kamera bekommen. Angefangen hatte alles mit Joss Ackland, der den Künstler nach einem Fototermin an seine Freundin Greta Scacchi weiterempfahl. Die ihrerseits schlug wie alle folgenden Stars einen
Freund oder verehrten Kollegen für ein Porträt vor ... Die so entstandenen Bilder erscheinen wie ein «Who Knows Who» Hollywoods.

Die Ausstellung präsentierte mehr als sechzig Porträts, darunter Bilder eines ausgelassenen George Clooney im Piratenlook, eines nachdenklichen Adrien Brody, einer kindlichen Gwyneth Paltrow. «Ich war erstaunt, wie das Projekt mit Hilfe der Stars ins Rollen kam. Es begann damit, dass ich Schauspieler bat, mir den nächsten «degree of separation» vorzuschlagen, und es gipfelte in Shootings mit Berühmtheiten wie Samuel L. Jackson, Kate Winslet und Christopher Walken, die alle dabei sein wollten.»

Kevin Bacon, der seinem Porträt entfliehen will; Orlando Bloom, der seine Boxershorts herzeigt; ein grimassierender Morgan Freeman - Andy Gotts hat eine Sammlung von Bildern geschaffen, die erstaunliche Wesenszüge der Porträtierten ans Licht bringen und dem Ausstellungsbesucher einen flüchtigen Blick auf den Menschen hinter der Ikone erlauben.

Ausstellungskatalog
Katalog: GOTTS - HOLLYWOODIKONEN
Die Broschüre stellt 65 der eindrucksvollsten Porträtaufnahmen des jungen Briten vor und vermittelt einen zwar kleinformatigen, aber nicht weniger eindrucksvollen Querschnitt der Ausstellung.









PRESSE
Filmstar in der Blumenvase
Andy Gotts Starfotos im Filmmuseum
Märkische Allgemeine Zeitung, Cornelia Schmieder, 2.11.2006
So haben Sie Hollywoodstars noch nie gesehen. Matt Damon steht bis zum Oberschenkel in einer Blumenvase und hält einen Blumentopf in der Hand. Dustin Hoffmann versucht, sich hinter seinem Hemdkragen zu verstecken. (...) Die Bilder wirken wie winzige Schnappschüsse von guten Freunden. Einer albert herum, der andere drückt auf den Auslöser. Nur dass der Mann am Auslöser in diesem Fall ein Profifotograf war. Andy Gotts Bilder sind ab heute im Filmmuseum zu sehen. Witzige und ernste, großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen, perfekt in Ausleuchtung und Schärfe - eben Kunst. Acht Jahre lang hat Andy Gotts über 100 der berühmtesten Hollywoodschauspieler porträtiert und sich damit auch einen persönlichen Traum erfüllt. "Ich bin ein großer Kinofan", gestand er gestern bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellung. (...) Von seinen Lieblingsbildern kann man sich einen Abzug bestellen oder einen Fotoband kaufen. Das Geld spendet Gotts der Diabetesstiftung. (...)

Gotts erzählt

Brad Pitt | Adrien Brody | Halle Berry | Christopher Walken | Heath Ledger | Michael Caine | Johnny Depp | Anthony Hopkins | Morgan Freeman | Helena Bohnham Carter | Sigourney Weaver | Saffron Burrows | Samuel L. Jackson | William H. Macy | Brenda Blethyn | Gwyneth Paltrow | John Cleese | Julia Roberts | Bob Hoskins | Kevin Spacey | Robin Williams | Ewan McGregor | Sir Derek Jacobi | Jude Law | Dame Judi Dench | Dustin Hoffman | Ed Harris | Kate Winslet | Keira Knightley | George Clooney | Rod Steiger | Minnie Driver | John Lithgow | Paul Newman | Susan Sarandon | Kirk Douglas | Christian Slater | Quentin Crisp | Herbert Lom | Steve Buscemi | John Hurt | Tom Hanks | Orlando Bloom | Christopher Lee | Matthew Perry | Malcolm McDowell | Patrick Stewart | Roger Moore | Aishwarya Rai | Kevin Kline | Sharon Stone | Kenneth Branagh | Matt Damon | Michael Gambon | Pierce Brosnan | Ian McKellen | Emma Thompson | Jeremy Irons | Kyle MacLachlan | Alan Cumming | Ralph Fiennes | Joss Ackland | Julie Christie | Cate Blanchett

Brad Pitt
Ich fotografierte Brad in den Shepperton Studios während der Dreharbeiten zu ‚Troja'. Das Publicity-Team des Films war hinsichtlich des Zeitrahmens, der für das Shooting zur Verfügung stand, sehr besorgt und informierte mich, dass wir für die Aufnahmen maximal zwölf Minuten zur Verfügung hätten. Am Vortag hatte ich gelesen, dass Brad mit einer Gefolgschaft von 14 Personen unterwegs war: Bodyguards, Hair- und Make-up-Stylisten etc. Ich freute ich mich nicht gerade darauf, vor einem großen Publikum zu arbeiten. Umso angenehmer war ich überrascht, als es an der Tür klopfte und er ganz alleine vor mir stand. Aus den veranschlagten zwölf Minuten wurden schließlich mehr als anderthalb Stunden. Wir hatten jede Menge Spaß und alberten herum, wie es Jungs eben so tun (und verglichen unsere persönlichen Listen heißer Schauspielerinnen ...). Nach dem Shooting umarmte er mich und sagte, er habe bei den Aufnahmen so viel Spaß gehabt wie schon lange nicht mehr.

Adrien Brody
Adrien fotografierte ich in Pennsylvania während der Dreharbeiten zu ,The Village'. Da die Dreharbeiten für diese Produktion mitten im Nirgendwo stattfanden, lebten alle Schauspieler zusammen auf einer Farm. Im Aufenthaltsraum hatte er eine ganze Reihe von Keyboards und Computern aufgebaut, mit denen er seine eigene Musik machte, eine Art Hardcore mit schweren Drumbeats und Noise-Elementen. Da es später Nachmittag geworden war, bis mein Taxifahrer die Farm gefunden hatte, waren die räumlichen Möglichkeiten und Lichtverhältnisse begrenzt, daher musste ich das Shooting so schnell wie möglich durchziehen. Adrien ließ sich jedoch sofort auf die Aufnahmen ein und alles lief gut. Danach drängte er mich, ihn in die Küche zu begleiten, weil er mir etwas zu essen machen wollte.

Halle Berry
Ich traf Halle in Los Angeles, kurz nachdem sie für ‚Monster's Ball' ihren Oscar als beste Schauspielerin gewonnen hatte. Gott und die Welt wollten Fotos von Halle machen, und ich hatte gehört, dass ihr Agent alle Anfragen abwies. Ich hatte bereits einen Trip nach LA gebucht und dachte, dass es nicht schaden könne, ihr ein paar Zeilen zu schreiben und zu fragen, ob sie an dem Projekt teilnehmen wolle. Erfreulicherweise erhielt ich eine positive Antwort und einen Termin. Sie erschien zu dem Shooting wie ein kleines Bündel Dynamit, war äußerst freundlich und dankte mir dafür, dass ich sie in das Projekt einbezogen hatte. Nach den Aufnahmen ließ sie mich wissen, dass sie selbst unter Diabetes leidet (was ich nicht gewusst hatte) und dankte mir nochmals für alles, was ich zu erreichen versuchte.

Christopher Walken
Christopher traf ich in New York während einer ‚Theater in the Park'-Produktion von ‚The Seagull'. Für die Aufnahmen wurde mir im Proberaum eine ziemlich kleine Ecke zugewiesen. Ich hatte gehört, Christopher sei mitunter ein wenig exzentrisch, und hatte mich dementsprechend vorbereitet. Als er auftauchte, war es, als spielte Christopher Walken die Rolle von Christopher Walken, ihn umgab eine etwas verunsichernde Aura. Ich wusste, dass ich eine Nahaufnahme seines Gesichts haben wollte, also benutzte ich ein Objektiv mit mittlerer Brennweite und ging wirklich nah an sein Gesicht heran, um das Objektiv vollständig auszufüllen. Als ich nur noch 25 cm entfernt war, lehnte er sich nach vorne und fragte: ‚Hey, bist du irgendwie vom anderen Ufer?', und zwinkerte mir dann zu. Das brachte mich zum Lachen, und ich brauchte ein paar Minuten, bis ich mich wieder eingekriegt hatte ... Ich konnte hören, wie er von einem der Theaterlaufburschen gerufen wurde, also verknipste ich noch schnell ein paar Filme. Und dann verschwand er - auf dieselbe mysteriöse Art, auf die er gekommen war.

Heath Ledger
Ich fotografierte Heath in Prag während der Dreharbeiten zu ‚Die Gebrüder Grimm'. Ich baute mein Equipment in einem freien Umkleideraum auf und wartete auf Heaths Ankunft. Er platzte in den Raum wie ein aufgeregter junger Hund, konnte kaum stillsitzen, zog Grimassen und war völlig aufgekratzt ... Die Lage verschlimmerte sich noch, als Matt Damon in den Raum kam, um zuzusehen. Zu sagen, dass sich die beiden wie zwei aufgeregte Vierjährige auf einer Hochzeit aufführten, wäre noch reichlich untertrieben ... Es war ein fantastisches Shooting und es machte Spaß, mit den beiden Jungs Zeit zu verbringen.

Michael Caine
Michael fotografierte ich in seinem Apartment in Chelsea Harbour. Ich hatte mich schon jahrelang um ein Shooting mit ihm bemüht, er aber hatte mehrere Angebote, an meinem Projekt teilzunehmen, abgewiesen, weil er immer beschäftigt war. Ich hatte bereits alles vorbereitet, denn ich wusste, dass wir nur wenige Minuten zur Verfügung haben würden. Während der Aufnahmen unterhielten wir uns über Filme und ich erwähnte, wie sehr ich ‚The Italian Job' mag. Michael erwähnte, dass nur wenige Leute davon wüssten, dass ursprünglich ein zweiter Teil geplant war, der kurz nach der Veröffentlichung des Originalfilms gedreht werden sollte. Dieser zweite Teil sollte auch erzählen, was mit dem Bus passiert, der am Ende des Originalfilms auf der Kante des Riffs hängen bleibt. Er gab mir eine Zusammenfassung des Plots und mutmaßte, was wohl geschehen wäre, wenn dieser Film tatsächlich gedreht worden wäre.

Johnny Depp
Ich fotografierte Johnny in den Shepperton Studios während der Dreharbeiten zu ‚Finding Neverland'. Das Shooting war für Sonntag, 18 Uhr angesetzt. Also plante ich, den Tag über zu faulenzen, um 17 Uhr im Studio zu sein und dann in Ruhe alles aufzubauen. Um 10.30 Uhr wurde mir telefonisch mitgeteilt, dass die Dreharbeiten frühzeitig beendet worden waren, ich könne also schon mittags anfangen. Ich raffte schnell mein Equipment zusammen, sauste runter zu den Studios und war genau um 12 Uhr bereit. Und da saß ich nun. 13 Uhr ... 14 Uhr ... 15 Uhr... Beim nächsten Anruf hieß es, dass sich die Dreharbeiten verzögerten, er sei aber bald da. 16 Uhr ... 17 Uhr ... Um 18 Uhr tauchte er schließlich auf und entschuldigte sich tausendmal. Doch wer könnte schon dem neuen Willy Wonka böse sein?

Anthony Hopkins
Anthony hatte während der letzten vier Jahre immer wieder vage Zusagen gemacht, letzten Endes war es aber sehr schwierig, ihn zu bekommen. Ich glaube, nach meinem letzten Brief erklärte er sich mit den Aufnahmen nur einverstanden, um mich loszuwerden. Anthony drehte gerade ‚Proof' in London, das Shooting war für einen Sonntagmorgen angesetzt. Ich hatte mein Equipment in einem Hotelzimmer aufgebaut, das auf der gleichen Etage wie sein Zimmer lag, was es ihm ermöglichte, ohne große Umstände vorbeizukommen. Er erschien zu den Aufnahmen mit einer massiven Grippe und sah wirklich schlecht aus. Er sagte, er habe nur für das Shooting sein Bett verlassen und würde nach getaner Arbeit direkt dorthin zurückgehen. Ich glaube, sein Zustand gab den Aufnahmen letztlich das gewisse Etwas: den wirklich intensiven Ausdruck in seinen Augen. Eigentlich ist da nichts wirklich Auffälliges oder Eigenartiges; dennoch gehört das Bild zu meinen Favoriten. Was es ausmacht, ist - wie es Henri Cartier-Bresson einmal ausgedrückt hat - ‚der entscheidende Moment'.

Morgan Freeman
Morgan traf ich in London während der Dreharbeiten zu ‚Batman Begins'. Ich war bereits startklar, wartete auf seine Ankunft und war alles andere als enttäuscht, als diese 1,93 Meter große Kinolegende den Raum betrat. Ich konnte es kaum glauben, wie sehr er Nelson Mandela ähnelte; ihn umgab eine geradezu königliche Aura. Ich erwähnte, dass er Mandela sehr ähnlich sähe, woraufhin sich herausstellte, dass Morgan gerade an einem Projekt namens ‚Long Work to Freedom' arbeitete: die Geschichte Nelson Mandelas. Er erzählte, dass bereits Gerüchte im Umlauf wären, er würde den Oscar als bester Schauspieler bekommen - obwohl das Drehbuch noch nicht einmal fertig sei.

Helena Bohnham Carter
Ich fotografierte Helena in ihrem Londoner Zuhause. Ich stand im Regen vor ihrem Haus, wartete auf sie und wurde klatschnass. Sie tauchte ungefähr 20 Minuten später auf, weil sie im Verkehr stecken geblieben war. Wir gingen hinein und ließen uns bei einer Tasse Kaffee trocknen. Ich machte zunächst ein paar Fotos mit weicher Beleuchtung, auf denen sie recht engelhaft aussah, merkte aber bald, dass ich vom Klischee der 'englischen Rose', das ihr anhaftet, wegwollte. Ich sah, dass sie in der Ecke des Raums eine ganze Sammlung von Hüten hatte - unter ihnen ein Hofnarrenkappe. Ich war schon immer der Ansicht, dass Hofnarren die gleichen schaurigen Qualitäten haben wie Clowns, und dachte, dass ein paar Fotos dieser Art wohl nicht schaden könnten. Sobald sie den Hut aufhatte, sah sie mit diesem durchdringenden Blick direkt in die Kamera - so entstand das Bild, das ich letztlich verwendete.

Sigourney Weaver
Diese Aufnahmen entstanden in einer kurzen Session. Ich hatte gerade Alan Rickman fotografiert und ihn gefragt, an wen er mich für das ‚Degrees'-Projekt weiterempfehlen könnte. Er sagte: ‚Wie wär's denn mit Sigourney?'. Ich dachte zunächst, er wolle sie in New York kontaktieren, um dort ein Shooting bei ihr zu Hause zu arrangieren. Alan sagte jedoch, dass sie momentan in London auf Pressetour sei und dass er sie anrufen würde, um herauszufinden, ob sie Zeit für mich hat. Die Antwort war positiv, also eilte ich zu der Presseveranstaltung, auf der man mir 10 Minuten zur Verfügung gestellt hatte. Ich baute meinen Fotohintergrund in einem der Veranstaltungsräume auf und wartete auf sie. Kurz darauf traf sie ein. Sie sah sehr groß und äußerst elegant aus, mit hohen Absatzschuhen, durch die ihre Erscheinung noch mehr an die einer Giraffe erinnerte. Ich ließ sie sich auf einen Stuhl knien, um eine gute Perspektive auf ihr Gesicht zu bekommen (ich bin nicht so groß wie sie) ... Mir war, als sei nur sehr wenig Zeit vergangen, als sie abrupt von der Produktionsfirma zurückgerufen wurde und genauso schnell entschwand, wie sie gekommen war.

Saffron Burrows
Ich fotografierte Saffron in ihrem Zuhause in London. Sie hatte am Telefon erwähnt, dass sie zwei erkennbar unterschiedliche Arten von Fotos haben wollte. Darum fotografierte ich sie zunächst in ihrer kleinen schwarzen Weste, in der sie sehr feminin und hübsch aussah, und mit unbändigen, lockigen Haaren. Danach machte ich ein paar Aufnahmen von ihr mit glatten, zurückgekämmten Haaren, Anzug und Krawatte. Während des Shootings lachten wir viel; Saf war - und ist - für mein Projekt eine große Unterstützung.

Samuel L. Jackson
Ich fotografierte Samuel in Los Angeles. Obwohl er zu dem Shooting mit Shorts, Kappe und einem orangefarbenen, glänzenden T-Shirt erschien, sah er immer noch durch und durch wie ein Filmstar aus. Ich benutze das Wort 'cool' nur relativ selten, aber wenn eine physische Verkörperung von ‚cool' existiert, dann ist es Samuel L. Jackson. Sam erzählte mir, er habe gerade Sidney Poitier bei einer Partie Golf abgezogen (und er habe auch schon Tiger Woods besiegt), hörte dann aber mitten im Satz auf, als er sich daran erinnerte, dass er der Frau seines Schneiders noch Blumen schicken musste, weil bald wieder eine Premiere anstand. Wir machten mit den Aufnahmen weiter und ich schoss ein paar gute Bilder von seinem Gesicht. Dann drehte er sich auf dem Stuhl um, wodurch ich ein perfekt symmetrisches Foto von seinem Hinterkopf bekam. Ich probierte noch einen schwarzen Hintergrund aus, aber dadurch sah er zu sehr nach dem mürrischen Sam L. Jackson aus, den wir kennen und lieben. Ich erinnerte mich, dass ich ihm von Halle Berry noch liebe Grüße ausrichten sollte. Als ich ihn fragte, wie er sie kennengelernt habe, erschien dieses breite, süffisante Grinsen auf seinem Gesicht. Mehr musste nicht gesagt werden.

William H. Macy
Ich fotografierte William in seinem Haus in Los Angeles. Die Umstände waren ein wenig seltsam, da das Shooting unser nettes Abendessen unterbrach. Seine Frau hatte selbstgemachte Pizza und kaltes Bier auf den Tisch gestellt und wir unterhielten uns über den Lebensstil in LA, bis ich dadurch abgelenkt wurde, dass eines seiner Kinder mein Stück Pizza klaute ... Wir begannen mit dem Shooting. William griff sich eine Gitarre und begann zu spielen, während ich mich vorbereitete. Mein Blitzlicht funktionierte nicht richtig, wodurch es etwas länger dauerte, bis ich ihn beleuchtet hatte. Ich sah ihn an, bemerkte diesen jungenhaften, gelangweilten Blick in Williams Gesicht und machte ein Foto. Es wurde zu meinem Lieblingsbild dieser Session.

Brenda Blethyn
Brenda fotografierte ich im Savoy Hotel. Sie war reizend - und das ist immer noch eine Untertreibung. Sie war wie die Tante, die jeder haben sollte; nichts war ihr zuviel. Wir machten zunächst die klassischen, schnörkellosen Aufnahmen und wollten dann zu den etwas ungewöhnlicheren übergehen. Sie trug einen Nadelstreifenanzug mit einem schneeweißen Hemd darunter. Sie fragte mich, ob das Hemd zu stark ablenke; bevor ich ‚ja' sagen konnte, hatte sie es bereits ausgezogen. Ich denke, das Bild funktioniert sehr gut, da ihre hell ausgeleuchteten, großen Augen im Fokus sind (obwohl ich darüber, dass sie sich ausgezogen hatte, immer noch kichern muss).

Gwyneth Paltrow
Ich fotografierte Gwyneth in den Shepperton Studios während der Dreharbeiten zu ‚Sylvia'. Zu Gwyneths Verteidigung muss gesagt werden, dass sie sich an diesem Tag wirklich schlecht fühlte und zudem den ganzen Tag gedreht hatte. Dass sie sich trotzdem zur Teilnahme an dem Projekt bereit erklärte, war toll. Es wäre jedoch untertrieben zu sagen, dass sie an diesem Tag nicht fotografiert werden wollte. Sie tauchte mit einer ganzen Gefolgschaft auf: Fahrer, Bodyguards, Personal für Haare und Make-up, leitende Studioangestellte etc. Und da saß sie, immer in derselben Pose, bewegungslos, Film für Film. Erst als ich wirklich unanständig wurde, zeigte sich ein Lächeln in ihrem Gesicht und sie begann zu lachen. So bekam ich zumindest zehn gute Bilder zusammen.

John Cleese
John fotografierte ich in einem Studio in London. Es war wieder eine kurze Session, weil er den ganzen Tag auf Pressetour gewesen war und nur noch zurück in sein Hotel wollte. Er war ein tolles Motiv. Sein Assistent hatte mich darum gebeten, zunächst ein paar Frontalaufnahmen zu machen, weil er neue Porträtfotos brauchte. Also wollte ich das zuerst erledigen - aber nein: Sobald John sich hingesetzt hatte, packte er eine ganze Batterie an Requisiten aus. Er schob sich einen Stift in die Nase, klemmte sich ein rundes Stück Pfefferminzschokolade wie einen Monokel in die Augenhöhle ... und war nicht zu einer Standardaufnahme zu bewegen, da er sie offensichtlich für langweilig hält. Ich mag dieses Bild, weil er auf ihm aussieht wie ein verrückter Hauptmann aus einem Monty-Python-Sketch.

Julia Roberts
Ich fotografierte Julia in den Elstree Studios während der Dreharbeiten zu ‚Closer'. Ich erinnere mich, dass ich beim ersten Gespräch mit Julias Agent Marcy die Auskunft erhielt, dass Julia nie an derartigen Projekten teilnimmt. Darum war ich ein wenig überrascht, als Marcy am nächsten Tag zurückrief, um mir mitzuteilen, dass Julia mitmachen wolle. Ursprünglich sollte das Shooting in New York stattfinden. Ihr Terminplan änderte sich jedoch und wir beschlossen, dass es besser war zu warten, bis sie nach London kam. Ich war nie zuvor in den Elstree Studios gewesen: ein merkwürdiger Ort. Blickt man in die eine Richtung, sieht man den Eastender's Albert Square, in der anderen Richtung das Big-Brother-Haus. Mir wurde mitgeteilt, dass Julia nicht viel Zeit für mich haben würde - ungefähr 10 bis 15 Minuten -, weil sie gerade mit Make-up-Tests für den Film beschäftigt sei. Also stellte ich zwei Hintergründe auf: einen weißen für Aufnahmen im Fashion-Stil, einen schwarzen für eher klassische Bilder. Julia kam herein und begann sofort, mich zu bemuttern ... Ob mir denn warm genug sei und ob ich nicht eine Tasse Tee oder irgendetwas anderes wolle? Sie war jedoch sehr freundlich und verhalf mir zu ein paar guten Aufnahmen - zum Beispiel dadurch, dass sie ihren Kopf herumwarf, um ihrem Haar etwas Bewegung zu verleihen. Leider hatte ich keine Windmaschine ...

Bob Hoskins
Ich traf Bob im Savoy Hotel. Er hasst es, fotografiert zu werden, also beschränkte ich mich auf das Wesentliche. Bob spielt tendenziell eher Schurken, aber er hat auch etwas von einem ungezogenen Schuljungen, das ich gerne einfangen wollte. Er ist wie dein Lieblingsonkel, der dir unanständige Witze erzählt und bei Familienfeiern ein Glas Wein zuschiebt.

Kevin Spacey
Kevin fotografierte ich in Los Angeles. Er weiß genau, was er tut - er schätzt seine Privatsphäre und lässt nichts an die Öffentlichkeit geraten. Kevin filmte gerade ‚K-Pax' in LA. Er erschien in einem merkwürdigen Hemd aus Jeans- und Tartanstoff, woraufhin ich ihn sich umziehen ließ. Wie die meisten Schauspieler hat auch er eine ganze Reihe von Gesichtern, die er für jeden Fotografen aufsetzen muss. Ich wollte etwas anderes. Also bat ich ihn, die Augen zu schließen, an die fürchterlichste Sache zu denken, die ihm widerfahren könnte, und sie dann mimisch umzusetzen. Wir schafften es mit nur einem Bild! Interessanterweise ist er der einzige Schauspieler in diesem Buch, der auf Hairstyling und Make-up bestand.

Robin Williams
Ich fotografierte Robin in New York am Volkstrauertag in der NBC-Cafeteria, wo er gerade Interviews zur Veröffentlichung seiner Live-DVD gegeben hatte. Er war sehr aufgeschlossen. Er hatte seine Familie und Freunde dabei, die alle aus San Francisco angereist waren, und er gab mir das Gefühl dazuzugehören. Es schien, als habe er eine Mischung aus Kaffee und Prozac zu sich genommen. Er konnte einfach nicht stillsitzen. Er sang, tanzte, imitierte Jimmy Carter und Richard Nixon. Er war voller Energie - und völlig verschwitzt.

Ewan McGregor
Ich fotografierte Ewan im Savoy Hotel. Er betrat die Lobby in seinem Kilt: Alle Frauen im Raum waren sofort völlig auf ihn fixiert. Eigentlich ist er recht affektiert - er läuft nicht, er tänzelt. Er brannte darauf, das Shooting zu machen. Normalerweise lässt er sich nicht für wohltätige Zwecke einspannen, aber hierauf hatte er wirklich Lust. Er brachte sogar sein eigenes Make-up und seine Eyeliner mit; er kennt all die verschiedenen Techniken, z.B. dass ihn eine Aufnahme von unten größer und maskuliner aussehen lässt. Er ist durch und durch Profi.

Sir Derek Jacobi
Ich fotografierte Derek bei sich zu Hause in London. Er wurde mir von Richard Briers empfohlen, der mir auch seine Telefonnummer gab. Ich rief bei ihm an und erwischte seinen Anrufbeantworter, woraufhin ich in Panik geriet und wieder auflegte, weil ich es hasse, auf Anrufbeantworter zu sprechen. Dann rief ich noch einmal an und beschloss, eine Nachricht zu hinterlassen. Ich erwähnte Richard Briers - und er nahm sofort den Hörer ab: ‚Andy!' Wir unterhielten uns wie alte Bekannte. Er ist der erste Ritter des Empires, den ich jemals fotografiert habe, und hier ist er als Mick Jagger - oder Mick Jagobi! Er war für alle Blödeleien zu haben. Und er half mir sehr dabei, das Interesse weiterer Schauspieler zu gewinnen.

Jude Law
Ich fotografierte Jude in den Old-Vic-Proberäumen. Es war sehr einfach, ihn zu fotografieren, denn er weiß immer, wo er hinsehen muss. Wenn man den Punkt etwas oberhalb der Kamera anvisiert, sieht es so aus, als blicke man direkt ins Objektiv. Er fing von selbst an, verrücktes Zeug auszuprobieren, was fantastisch war. Man kann nicht besonders viel tun, wenn man Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Kopf und Schultern macht, von daher ist es sehr erfrischend, wenn der Fotografierte selbst Ideen beisteuert. Jude hat seinen eigenen Kopf, er hat einen Plan, weiß genau, was ihn glücklich macht und wie er von der Öffentlichkeit gesehen werden möchte.

Dame Judi Dench
Ich fotografierte Judi in ihrem Zuhause in Surrey am Tag der Beerdigung der Queen Mother. Sie kannte die Queen Mother sehr gut, ebenso wie den Sprecher, der das Ereignis für das Fernsehen kommentierte. Sie begann in Erinnerungen an ihren verstorbenen Ehemann Michael Williams zu schwelgen. Sie wurde sehr emotional - ob es an der Queen Mother lag oder an Michael (der 2001 gestorben war), wusste ich nicht, jedoch sahen ihre Augen sogar auf den Fotos traurig aus, auf denen sie lachte. Sie kennt wirklich jeden im Schauspielgeschäft. Ich meine, woher in aller Welt kennt sie Christopher Walken? Es war eine recht düstere Session - es fällt schwer, die Stimmung in Worte zu fassen. Jedoch schien sie von innen zu glühen, da war ein Funkeln in ihren Augen. Und Traurigkeit.

Dustin Hoffman
Dustin traf ich in seinem Büro in Los Angeles. Er ist durch und durch Geschäftsmann, jemand, von dem jeder sagt, dass er entsetzlich nervt, weil er immer Recht hat, egal bei was. Während der gesamten Session diktierte er über seine Schulter hinweg seiner Tochter ein Drehbuch. Somit hatte ich Glück, überhaupt ein paar Aufnahmen von ihm zu bekommen, auf denen sein Mund geschlossen ist. In seinen alten Filmen, wie z.B. ‚The Graduate', hat er dieses koboldhafte, verrückte Grinsen, das ich einzufangen versuchte. Er wusste, was ich wollte, und gab es mir - ganz am Ende der Session.

Ed Harris
Der Schauplatz: Paul Newmans Apartment auf der Fifth Avenue. Ich kam, um Paul zu fotografieren, war etwas zu früh dran und bemerkte, dass Ed Harris gerade bei ihm war.
EH: ‚Hi, ich bin Ed ... Wollten Sie mich etwa fotografieren?'
AG: ‚Ich bin Andy. Nein, ich wusste nicht, dass Sie hier sind, aber ich würde mich freuen, wenn Sie mitmachen.'
EH: ‚Lieber nicht, ich bin etwas in Eile, weil ich gleich zum Flughafen muss.'
AG: ‚Ich verspreche, mich zu beeilen. Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.' (seufzt)
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Ich habe Marcia Gay Harden fotografiert, und sie hat gesagt, Sie seien ein wirklich netter Kerl.'
EH: ‚Oh, das ist wirklich nett von ihr, sie ist eine reizende Frau.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Äh ... nein!'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
(In einer Ecke kichert Paul Newman hysterisch.)
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Nein.'
AG: ‚Darf ich Sie fotografieren?'
EH: ‚Mann, Sie geben niemals auf, wie?'
AG: ‚Also darf ich Sie jetzt fotografieren?'
EH: ‚Ok, wenn Sie sich wirklich beeilen.'
AG: ‚Nee, ist schon in Ordnung, ich hab's mir anders überlegt.'
EH: ‚Jetzt machen Sie schon das sch..ß Foto, sie haben mich für drei Bilder.'

Kate Winslet
Ich fotografierte Kate in ihrem Haus in London. Ich kam an, parkte meinen Wagen in ihrer Einfahrt und klingelte; die Tür öffnete sich ein paar Zentimeter und ich stellte mich vor. Kate sagte: ‚Ich bin so froh, dass Sie es sind, ich bin den ganzen Tag von Paparazzi verfolgt worden.' Es stellte sich heraus, dass Gerüchte im Umlauf waren, Kate sei schwanger (was sie auch war, nämlich mit Joe, ihrem zweiten Kind). Sie war jedoch noch nicht bereit, dies vor den Medien zu bestätigen oder abzustreiten. Kurz bevor ich durch ihre Tür huschte, sagte sie: ‚Da drüben auf der anderen Straßenseite sitzen ein paar Paparazzi in ihrem Wagen ... winken Sie ihnen zu!' Und das tat ich auch. Ich baute mein Equipment auf, während Kate durchs Haus eilte und mit mütterlichen Aufgaben beschäftigt war. In der Schule waren gerade Halbjahresferien, und sie wollte mit ihrer Tochter Mia direkt nach dem Shooting schwimmen gehen. Als Kate schließlich vor meiner Kamera Platz nahm, wusste ich genau, was ich wollte. Mir war aufgefallen, dass Kate auf vielen Fotos, die ich von ihr gesehen hatte, sehr glamourös aussah, mit viel Make-up, gestylten Haaren und Designer-Kleidung. Also wusste ich, dass ich etwas Einfaches wollte, kein Make-up, nach hinten gekämmtes Haar und keine Details in der schwarzen Kleidung, die sie trug.

Keira Knightley
Keira fotografierte ich in London und war etwas schockiert, als sie zum Shooting auftauchte - was wohl am Gegensatz zwischen in den USA lebenden und in England lebenden Schauspielerinnen lag. Hätte ich die Aufnahmen mit einem neunzehnjährigen amerikanischen Filmsternchen gemacht, wären wohl mindestens ein oder zwei Anstandsdamen bei ihr gewesen, doch das war bei Keira nicht der Fall. Sie schlenderte ganz allein durch das Foyer des Savoy Hotels, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Das Shooting bekam dadurch etwas sehr Erfrischendes; anzumerken, dass Keira 'für ihr Alter sehr reif' ist, wäre glatte Untertreibung. Abgesehen davon ist sie die Jüngste, die ich für dieses Projekt fotografiert habe.

George Clooney
Ich fotografierte George in seinem wunderschönen Wohnsitz am Comer See. Als ich eintraf, wurde gerade das Frühstück auf der Veranda serviert; alles deutete eher auf ein Fünf-Sterne-Hotel als auf ein Privathaus hin. Nach dem Frühstück, bei dem mir George von seinem Motorrad erzählte (mit dem er einen Trip von Como nach Rom plante), begaben wir uns für das Shooting ins Haus. Ich manövrierte mein Equipment um drei übergewichtige Enten herum, die in den Gängen der Villa residierten, und wurde zu dem Raum gebracht, der für die Aufnahmen vorgesehen war. Während ich aufbaute, verschwand George in seinem Schlafgemach und erschien zwei Minuten später mit einem Piratenhut, den er in der vorangegangenen Nacht auf einer Dinner-Party getragen hatte.

Rod Steiger
Rod fotografierte ich in Malibu, bei sich zu Hause. Er ist ein ausgesprochen freundlicher Mann und ganz und gar nicht wie die von ihm gespielten Charaktere ‚Chief Bill Gillespie' oder ‚Victor Komarovsky', durch die er berühmt geworden ist. Da es an diesem Tag sehr heiß war, bot er mir zunächst ein Glas selbstgemachte Limonade an und gönnte mir eine Ruhepause, bevor ich mein Equipment aufbaute. Rod erzählte mir ein paar großartige Storys aus den Zeiten seiner frühen Filme. Zum Beispiel, wie Sidney Poitier während der Dreharbeiten zu ‚In the Heat of the Night' im tiefsten amerikanischen Süden ernsthaft Morddrohungen erhielt. Oder wie er für eine Kuss-Szene in ‚Doctor Zhivago' unvermittelt seine Zunge in Julie Christies Mund steckte, weil Regisseur David Lean einen etwas verblüffteren Gesichtsausdruck von Julie haben wollte. Kurz bevor ich Rod nach dem Shooting verließ, forderte er mich zum Armdrücken heraus; dieser Moment war ein klein wenig surreal ...

Minnie Driver
Minnie traf ich im Backstagebereich eines Londoner Theaters, an dem sie gerade spielte. Ich glaube, die Götter waren an diesem Tag gegen mich, denn eine ganze Reihe von Dingen ging schief. Ich hatte die Anreise zum Shooting im Vorfeld geplant, aber kurz bevor ich aufbrechen wollte, hörte ich, dass die U-Bahn nicht fuhr. Also setzte ich mich ins Auto. Dann fand ich keinen Parkplatz, wodurch ich zu spät zum Theater kam. Hier wurde mir für die Aufnahmen nur ein winzig kleiner Umkleideraum zur Verfügung gestellt, und als Minnie eintraf, funktionierte keines meiner beiden Blitzlichter. Zu allem Überfluss hing dann auch noch meine Kamera. Ich hatte eine Vorstellung von den Bildern, die ich haben wollte, also musste ich mit dem vorhandenen Licht improvisieren und schaffte es sogar, einen Film zu verknipsen, bevor die Kamera endgültig blockierte. Ich hatte jedoch Glück, denn das Bild von Minnie, das ich verwendete, war das erste, das ich aufnahm.

John Lithgow
Ich fotografierte John in den Shepperton Studios. Er war nur für drei Tage in England; von daher hatte ich wirklich Glück, einen Termin zu bekommen. Ich hatte John in einer ganzen Reihe von Rollen gesehen, von komischen bis hin zu wirklich fiesen Charakteren. Während meiner Recherchen hatte ich jedoch viele Fotos von ihm gefunden, auf denen er den Clown spielt, also wollte ich an einen etwas dunkleren Ausdruck. John kam herein und war in Eile, da er für einen Make-up-Test spät dran war. Er bat mich, gleich mit den Aufnahmen loszulegen. Ich schlug ihm vor, für das Foto eine recht ‚düstere' Miene aufzusetzen, woraufhin er witzelte: ‚Mein Lieber, wie bedrohlich kann man wohl aussehen, wenn man gepunktete Klamotten trägt?' Das brachte uns beide zum Lachen und meine Vorstellung der Bilder hatte sich erledigt.

Paul Newman
Ich traf Paul in seinem Apartment auf der Fifth Avenue in New York. Ich versuchte schon seit Jahren, einen Termin bei ihm zu bekommen, doch er hatte - verständlicherweise - aus beruflichen und anderen Gründen immer wieder abgelehnt. Ich war gerade aus New York zurückgekehrt, wo ich Mia Farrow und Susan Sarandon fotografiert hatte, als ich beim Sichten der Kontaktabzüge ihrer Fotos den erfreulichen Klang einer ankommenden E-Mail vernahm. Ich sah nach, von wem sie war, und staunte, als ich feststellte, dass sie von Pauls Büro kam: Paul würde sehr gerne mitmachen - ob ich wohl nächsten Donnerstag die Aufnahmen machen könnte? Ich dachte nicht einmal an die Flugkosten, als ich antwortete, dass ich sehr gerne kommen würde, und begann mit den Reiseplanungen. Mir war aufgefallen, dass er auf Fotos immer sehr ernst aussieht; zudem hatte ich gehört, dass er nicht gerne fotografiert wird. Umso angenehmer war ich überrascht, als das Shooting schließlich losging und er vollkommen anders war. Tatsächlich war es sogar schwer, ein normales Bild von ihm zu machen, weil er die ganze Zeit herumalberte und wahnsinnig komisch war.

Susan Sarandon
Ich fotografierte Susan im Soho House in New York. Der denkwürdigste Aspekt dieses Shootings war die Reise dorthin. Ich startete von Heathrow aus nach New York, erfuhr jedoch, dass an der amerikanischen Ostküste ein Schneesturm wütete und der JFK Airport geschlossen worden war (zum ersten Mal seit dem 11. September). Der Flug wurde nach Boston umgeleitet, und als wir landeten, lagen die Temperaturen bei -11 Grad. Offensichtlich wollte in dieser Nacht jeder Einwohner Bostons ein Taxi; ich bekam schließlich eins, fuhr zum Bahnhof und kaufte mir ein Ticket zur Grand Central Station. Wegen der gefrorenen Gleise dauerte die Reise jedoch sieben Stunden. Es muss kaum erwähnt werden, dass bei meiner Ankunft in New York um 4 Uhr morgens die Straßenverhältnisse für Autos äußerst riskant waren, doch über eine Stunde später konnte ich ein Taxi ergattern. Was das Shooting anbelangt: Sie kam, ich fotografierte sie, sie ging wieder.

Kirk Douglas
Kirk fotografierte ich in seinem Zuhause in West Hollywood. Es war wirklich eine Ehre, einen der letzten Schauspieler des Goldenen Zeitalters von Hollywood fotografieren zu dürfen - obwohl es beinahe nicht dazu kam. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade in Kalifornien und entschlossen, auf gut Glück in seinem Büro anzurufen. Ich erwartete, höflich abgewimmelt zu werden, war jedoch angenehm überrascht, als man mir versprach, Kirk anzurufen. Die nächsten paar Stunden erschienen mir wie eine Ewigkeit; dementsprechend begeistert war ich, als das Telefon klingelte und man mir sagte, dass Kirk fotografiert werden wolle. Ich kam bei ihm zuhause an, wurde von seinem Dienstmädchen Fifi in ein Gästehaus geführt und baute dort mein Equipment auf. Kirk betrat schleppend das Zimmer - er erholte sich immer noch von einem Schlaganfall - und sah tadellos aus, jedes einzelne weiße Haar war ordentlich zurechtgekämmt. Er trug dieses aufdringliche Tartan-Hemd, was für ein Foto nicht in Frage kam, also bat ich ihn, stattdessen einen schwarzen Rollkragenpullover anzuziehen. Er zog sich vor mir um, und als er mit freiem Oberkörper vor mir stand, witzelte ich, ich sei nicht hier, um Fotos für ‚Playgirl' zu machen. Er sah mich an und erwiderte mit einem kernigen Lächeln: ‚Das nimmt mich Wunder...'

Christian Slater
Ich fotografierte Christian im Savoy Hotel in London. Er war für seine Hauptrolle in der Bühnenversion von ‚Einer flog übers Kuckucksnest' bereits seit einer Weile in der Stadt. Während seines Aufenthalts besuchte er einen ‚Herrenclub', wollte allerdings nicht, dass ihn die Leute erkennen, also kam er auf die Idee, sich hinter einer Gummimaske von Richard Nixon zu verbergen. Als ihn das Sicherheitspersonal des Clubs darum bat, die Maske abzunehmen, weigerte er sich, woraufhin er aus dem Club geworfen wurde - genau vor die Kameras der wartenden Medienleute. Dementsprechend hatten wir viel Spaß, als er während unserer Fotosession die Maske hervorzog.

Quentin Crisp
Quentin traf ich im Copper Square Café, Lower East Side Manhattan. Mein Taxi hielt draußen vor dem Café, und als ich durch das Fenster spähte, sah ich die Umrisse einer kleinen Gestalt mit Cowboyhut und langem Mantel. Ich wusste, dass er es war. Ich stellte mich vor und Quentin erwiderte: ‚Ah, Mr. Gotts, mein Fotograf aus London.' Wir setzten uns und Quentin bestellte Eier mit Kartoffeln, dazu einen doppelten Whisky. Wir unterhielten uns, während er aß. Wir sprachen stundenlang über seine Zeit in London, seinen Umzug nach New York während der 70er Jahre, und er erwähnte, dass er niemals nach England zurückkehren werde. Ich fragte ihn, ob er sich genötigt fühle, sich auf eine gewisse Art und Weise zu geben, denn ohne Zweifel erwarten die Leute von Quentin, dass er stets als Exzentriker auftritt. Er antwortete: ‚Ich bin immer Quentin Crisp - und noch ein bisschen mehr!' Kurz nach meinem Shooting mit Quentin kehrte er überraschend doch nach England zurück, wo er traurigerweise starb. Meldungen zufolge trug der Stress während des Flugs zu seinem Tod bei.

Herbert Lom
Ich fotografierte Herbert bei sich zu Hause in Swiss Cottage, London. Herbert ist mein absoluter Lieblingsschauspieler und spielt in meinem Lieblingsfilm ‚The Ladykillers' mit. Er ist extrem vielseitig und sowohl dramatischen Rollen (wie Ben Yussuf in ‚El Cid') als auch komischen Slapstick-Rollen (wie Polizeikommissar Dreyfus in den Pink-Panther-Filmen) gewachsen. Herbert enttäuschte mich nicht, er war ganz genauso angenehm, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Als ich durch sein Haus ging, fiel mir diese Fotowand mit Schnappschüssen von diversen Filmsets auf. Es war faszinierend. Herbert lenkte meine Aufmerksamkeit auf ein Foto von Sophia Loren, die ihn am Set von ‚Gambit' besucht hatte, und seine Augen funkelten vor Stolz.

Steve Buscemi
Ich fotografierte Steve Buscemi im Theater der Pace University, Downtown New York, während er an dem Stück ‚The Resistible Rise of Arturo Uri' mitwirkte. Dieses Shooting war aus verschiedenen Gründen sehr merkwürdig - wobei mir sicherlich einige Leute bestätigen können, dass es ohnehin schon eine merkwürdige Erfahrung ist, Steve Buscemi zu treffen. Das Theater lag nur ein paar Blocks von Ground Zero entfernt, und wenn ich an das Shooting zurückdenke, wird mir die unterschwellige Kälte bewusst, die auf ihm lag. Was aber außerdem noch geschah, stellte alles andere in den Schatten. Ich sollte Steve um 17.12 Uhr im Theater treffen, was ich schon ein wenig überpräzise fand. Also fand ich mich dort um 15 Uhr ein und wartete ab, was wohl passieren würde. Mir wurde gesagt, Steve wolle warten, bis das Stück begonnen hatte, dann könne er meinen Termin schnell unterbringen. Mir wurde empfohlen, am Notausgang des Theaters alles vollständig vorzubereiten und Punkt 17:12 Uhr für den Beginn der Aufnahmen bereit zu sein. Steve ging auf die Bühne und spielte den 1. Akt, kam auf die Millisekunde genau um 17:12 Uhr zum Notausgang, ließ sich fotografieren und war zum 3. Akt wieder auf der Bühne. Wenn das nicht professionell ist, was ist es dann?

John Hurt
John traf ich im Londoner Brown's Hotel. Ich war schon seit Jahren hinter ihm her. Er war ständig mit Dreharbeiten oder anderen Dingen beschäftigt, was mich wirklich ärgerte, weil ich seine Arbeit schon seit so langer Zeit bewunderte. Er hat so viele Schlüsselrollen in der Geschichte des Kinos gespielt, dass es für mich unverzichtbar war, ihn dabeizuhaben. John war im Hotel mit einer Reihe von Presseveranstaltungen beschäftigt und ich war der Letzte, der an diesem Tag zu ihm durfte. Wir fingen sofort mit den Aufnahmen an und kamen auf Quentin Crisp zu sprechen, der ihm nach nur zwei Treffen vollständig verfallen war. Am Ende des Shootings umarmte mich John und dankte mir dafür, dass ich ihn am Projekt beteiligt hatte. Daran werde ich mich zweifellos für den Rest meines Lebens erinnern.

Tom Hanks
Ich fotografierte Tom im Dorchester Hotel in London. Tom trägt den Titel ‚Nettester Mensch Hollywoods'. Ich glaubte jedoch nicht daran, dass ich dies selbst noch einmal zu spüren bekäme, da er jedes Mal mit Dreharbeiten oder anderen Dingen beschäftigt war, wenn ich seinen Agenten kontaktierte. So hatte ich mich schon damit abgefunden, niemals die Möglichkeit zu bekommen, mir selbst ein Bild zu machen. Ich war daher sehr überrascht, als ich aus heiterem Himmel einen Anruf von seinem Assistenten bekam, der mir mitteilte, dass Tom für 9 Tage nach London kommen würde, um für einen neuen Film zu proben; er würde mich dann zu irgendeinem Zeitpunkt unterbringen können. Ich baute mein Equipment in einem riesigen Raum auf. Mir wurde gesagt, dass er irgendwann zwischen 12:30 Uhr und 17 Uhr da sein würde. Kurz vor 17 Uhr klopfte es an meiner Tür und Toms Leibwächter stand davor, der den Raum vor Toms Ankunft kurz überprüfen wollte. Kaum eine Minute später traf dann Tom ein. Er überflog einige meiner bisherigen Bilder und hielt bei Morgan Freemans Bild inne: ‚Oh, Sie sind ein Künstler, ein Genie!' Ich wusste nicht, ob er nur Witze machte, und bat ihn, nicht zu übertreiben. Dann fingen wir mit den Aufnahmen an.

Orlando Bloom
Orlando fotografierte ich im Savoy Hotel in London. Dieses Shooting war im Verlauf eines Jahres mehrmals angesetzt und wieder abgesagt worden - was aber vollkommen verständlich war, da er ohne Unterlass drehte und seine Zeit knapp bemessen war. Als ich Orlando meine Idee schilderte, ihn im schwarzen Anzug, mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte zu fotografieren, war er ein wenig besorgt, dass die Parallele zu David Baileys Portrait von Michael Caine ein wenig zu offensichtlich werden würde; er wollte Jude Law nicht auf die Füße treten, der gerade Michael Caines Rolle als ‚Alfie' neu interpretierte. Ich sagte ihm, er solle sich keine Sorgen machen, da mir eine großartige Abwandlung zu dem Foto eingefallen sei. Als Orlando zum Shooting erschien, erzählte ich ihm von meiner Idee, zu dem Anzug Boxershorts mit der englischen Flagge zu tragen. Er wirkte angesichts dieser Idee etwas verunsichert, bis ich ihm mitteilte, dass es sich dabei um eine Idee seiner Freundin Keira Knightley handelte, die die Boxershorts vorgeschlagen hatte. Das war eine kleine Notlüge, aber er zog sofort die Shorts an und wir begannen mit den Aufnahmen. Nachdem er die Polaroids gesehen hatte, erkannte Orlando, wie gut die Bilder aussahen, und begann zu experimentieren. Nach dem Shooting fragte er, ob er die Shorts behalten könne, was wirklich ein Jammer war, denn ich hatte gehofft, sie über Ebay verkaufen zu können!

Christopher Lee
Ich fotografierte Christopher im Savoy Hotel in London. Aus diversen Gründen hatte ich mich schon seit langem auf dieses Shooting gefreut; der Hauptgrund war, dass Christopher in mehr Filmen mitgespielt hat, als irgendjemand anders in der Geschichte des Films - über 220. Ich hatte bereits mehrmals am Telefon mit ihm gesprochen. Er hat eine sehr tiefe, monotone Stimme, wie ein Direktor, und ich konnte nicht umhin, mich wie ein Schuljunge zu fühlen und antwortete aus irgendeinem bescheuerten Grund auf jede Frage letztlich ‚Yes, Sir'. Ich hatte mein Equipment fertig aufgebaut, als Christopher vor der Kamera Platz nahm und anfing, eine große Zigarre zu paffen. Es war faszinierend zuzuhören, wie er Geschichten aus den alten Tagen des Films erzählte, auch von seinem Meisterwerk ‚The Wicker Man' - wobei sich hier sein Gesicht verzog, als er erwähnte, dass von diesem Film ein Remake geplant ist. Ich hätte gerne den ganzen Tag lang seinen Geschichten gelauscht, da ich jedoch die Wartezeit des Wagens bezahlte, der ihn nach Hause bringen sollte, tat ich es nicht. Als wir zusammen durch die Gänge des Savoy Hotels gingen, entdeckte er die Notenblätter zu ‚The Mikado'. Er sah mich mit einem jungenhaften Glitzern in den Augen an und erzählte mir, dass er jeden Tag singt ... und dann hallten die Gänge wider von seiner lautstarken Darbietung des bekannten Operettensongs: ‚Three little maids from school are we ... '

Matthew Perry
Ich fotografierte Matthew in London. Woran ich mich in Bezug auf das Shooting besonders erinnere, ist, wie ich versuchte, ihn von seiner Playstation loszukriegen, um ihn fotografieren zu können. Da er jedoch gerade im Begriff war, bei diesem Computerspiel ein Tennismatch zu gewinnen, brachte ich es nicht übers Herz, ihn zu hetzen.

Malcolm McDowell
Ich fotografierte Malcolm in seinem Haus in Santa Monica, Kalifornien. Als Saffron Burrows mir Malcolm als ihre ‚Verbindung' vorschlug, war ich hellauf begeistert. Ich glaube, meine Augen leuchteten auf, als sie mir mögliche Kontakte aufzählte und dabei seinen Namen nannte. Sie hatten gerade die Dreharbeiten zu ‚Gangster No. 1' beendet, als Saffron auf einem Flug nach LA Malcolm davon überzeugte, bei dem Projekt mitzumachen. Ich musste nur noch einen günstigen Termin für das Shooting finden. Malcolm kommt oft nach England, dennoch ist es für ihn schwer, Zeit für außerplanmäßige Aktivitäten zu erübrigen. So ergab es sich, dass die beste Möglichkeit, Malcolm zu erwischen, darin bestand, dass ich selbst für die Aufnahmen nach Kalifornien flog. Wir hatten das Shooting für einen Samstagnachmittag angesetzt. Ich kam am Freitag an und übernachtete in West Hollywood. Für die Fahrt nach Santa Monica hatte ich mir einen Wagen gemietet. Alles lief viel zu glatt. Bis das Telefon klingelte. Es war Malcolm: Er habe gerade festgestellt, dass er am Samstagmorgen nach New York fliegen und das Shooting darum wohl ausfallen müsse. Während ich mir auf die Zunge biss und ein paar Bemerkungen verkniff, bot ich an, direkt zu ihm zu fahren und das Shooting noch am selben Abend zu machen. Malcolm stimmte zu und ich machte mich auf den Weg. Ich war zuvor nie in Santa Monica gewesen. Es war wunderschön: Die Sonne ging unter und alles war in ein herbstliches Licht getaucht. Da die Zeit knapp war, verwendete ich für die Aufnahmen natürliches Licht. Er setzte sich und blickte direkt in mein Objektiv - und das war mein Bild.

Patrick Stewart
Ich fotografierte Patrick in seinem Haus in den Pacific Palisades, Kalifornien. Eigentlich hatten wir ein Shooting für die Zeit arrangiert, als Patrick in England arbeitete. Da seine Zeit jedoch knapp war, beschlossen wir, die Aufnahmen nach seiner Rückkehr in die USA zu machen. Aus meiner Sicht hatte bei der Wahl zwischen Sheffield und Kalifornien letzteres ohnehin einen geringfügigen Vorteil ... Patrick war in jeder Hinsicht der perfekte Gastgeber und führte mich zunächst kurz durch das Haus, bevor wir mit dem Shooting begannen - ein wunderschönes Anwesen. Als ich fragte, wie ein Veteran der ‚Royal Shakespeare Company' zu so einer prachtvollen Residenz kommt, lächelte er nur und sagte, das Haus sei von ‚Star Trek' gebaut worden ...

Roger Moore
Ich fotografierte Roger in Knightsbridge, London. Es war eine von den wenigen Sessions, bei denen ich genau wusste, was ich wollte. Ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind immer sonntagabends vor dem Schlafengehen ‚The Saint' gesehen hatte, normalerweise mit einem Toast und einem Becher heißer Schokolade. Ein Teil dieser Sendung, der sich in meinem Gedächtnis festgesetzt hat, war die Anfangssequenz, in der sich Rogers Augen von unten nach oben bewegten und ein animierter Heiligenschein erschien. Ich schilderte Roger meine Idee und er fand sie toll - obwohl noch ein wenig Überzeugungsarbeit notwendig war, bis er seine Brille abnahm. Er gab jedoch bald nach, als ich anmerkte, dass Simon Templar keine Brille trägt.

Aishwarya Rai
Ich fotografierte Ash im Crowne Plaza, London. Ich hatte schon seit einiger Zeit von Ash gehört, besonders im Zusammenhang mit ihrem Ruf als ‚schönste Frau der Welt'. Was ich nicht wusste, war, dass sie in Bollywood den Status eines Megastars hat. Sie ist die berühmteste Schauspielerin der Welt, in der westlichen Welt kennt sie jedoch kaum jemand, was ich merkwürdig fand. Sie schwebte geradezu in den Raum. Sie sah mich mit den größten, blauesten Augen auf Erden an und bat mich, sie dort zu positionieren, wo ich sie haben wollte. Nachdem mir aufgefallen war, dass mein Mund sperrangelweit offen stand, sammelte ich mich schnell wieder und begann mit den Aufnahmen. Bevor sie ging, umarmte sie mich und sagte mir, dass ich auf das, was ich erreicht habe, stolz sein könnte. Dann küsste ich sie auf die Wange. Nun habe ich eine ehemalige Miss World geküsst, was ein weiteres Häkchen auf meiner Liste darstellt.

Kevin Kline
Ich fotografierte Kevin im Proberaum des Public Theater in New York. Er war mir durch seine Telefonate, mit denen er bei seinen Schauspielkollegen in New York darum warb, sich für ein Shooting mit mir Zeit zu nehmen, wirklich eine große Hilfe. Er rief immer auf meinem Handy an, imitierte einen französischen Akzent und hielt mich auf dem Laufenden, welche Schauspieler gerade in der Stadt waren. Er war urkomisch. Kevin erzählte mir, dass er zum Thema Diabetes eine persönliche Verbindung habe und dass er alles tun wolle, um zu helfen. Er hielt sich an sein Wort.

Sharon Stone
Sharon fotografierte ich in den Pinewood Studios in England. Ich wurde gebeten, mein provisorisches Studio auf der Soundstage aufzubauen, wo Sharon gerade eine Szene drehte. Theoretisch konnte sie so zwischen den einzelnen Takes vom Set zu mir herüberkommen. Die ersten paar Versuche schlugen jedoch fehl, weil sie immer wieder zum Set zurückgerufen wurde, wenn wir gerade mit dem Shooting anfangen wollten. Nachdem ich ein paar Stunden gewartet hatte, konnte ich endlich mit den Aufnahmen beginnen. Sharon brauchte keine Anweisungen oder Anregungen, sie wusste genau, worauf sie hinauswollte, eine Mischung aus lustig und sexy ... Sie sah toll aus.

Kenneth Branagh
Ich fotografierte Kenneth in London. Ich schulde ihm einiges, da ich ohne seine harte Arbeit niemals Verbindungen nach Amerika bekommen hätte. Während des Shootings imitierte Ken einen Klempner, der gerade ein U-Rohr repariert, was mich natürlich sehr amüsierte. Ich hatte erwartet, dass er sich viel ernster geben würde, aber unter all meinen Bildern waren letztlich nur vier, auf denen er keine Grimassen schnitt. Nach dem Shooting beauftragte Ken seine US-Managerin Judy Hoflund und ihre Assistentin Laura Berwick damit, mir dabei zu helfen, ein paar amerikanische Gesichter für das Projekt zu bekommen. Damit begann eine Freundschaft, die jetzt schon seit sechs Jahren andauert.

Matt Damon
Matt fotografierte ich in Prag. Es gibt keine Worte um dieses Shooting zu beschreiben, also versuch ich's erst gar nicht!

Michael Gambon
Ich fotografierte Sir Michael im Savoy Hotel in London. Michael ist in der ganzen Welt dafür bekannt, einer der besten Schauspieler unserer Zeit zu sein, und dem stimme ich zu. Ich hatte ihn unlängst in seiner Titelrolle in ‚The Caretaker' gesehen; seine schauspielerische Leistung als ‚großartig' zu beschreiben wäre untertrieben. Ich wollte eine Porträt-Nahaufnahme seines Gesichts machen. Er fragte, ob ich auf etwas Besonderes aus wäre. Und noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, hatte er schon seine Haare verstrubbelt und seine Krawatte gelockert. Michael sagte, er und der späte Sir Alec Guinness hätten die größten Hände im ganzen Filmgeschäft, also schlug ich vor, seine Hände mit in das Foto einzubeziehen. Das Bild, das dabei herauskam, war vollständig Michaels Idee und absolut spontan.

Pierce Brosnan
Ich fotografierte Pierce in seiner Londoner Wohnung. Zufälligerweise fand das Shooting an meinem Geburtstag statt, wodurch ich ohnehin schon in einer beschwingten Stimmung war. Als ich eintraf, spielte Pierces Sohn gerade mit einem Modellflugzeug, während Pierce ihm eine Anzeige für die 'Fokker' erklärte. Hierüber amüsierte ich mich im Stillen, während ich mein Equipment aufbaute. Es war wirklich ein Vergnügen, mit Pierce zu arbeiten und ich war begeistert, als er für mein Buch einen Nachruf auf Sir Alan Bates verfasste.