Das Kaninchen bin ich
Das Kaninchen bin ich

» Kino

Das Kaninchen bin ich

Maria Morzeck ist 19 Jahre alt und arbeitet als Kellnerin. Eigentlich wollte sie Slawistik studieren und Dolmetscherin werden. Doch da ihr Bruder Dieter wegen "staatsgefährlicher Hetze" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, bekommt sie keinen Studienplatz. Maria verliebt sich in den wesentlich älteren Paul Deister, der ihren Bruder in einem dubiosen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt hat. Maria will Liebe und Fall auseinander halten, möchte aber von Paul die ganze Wahrheit wissen. Doch merkt sie, dass er Gesetze wie Menschen nur für seine Karriere benutzt und verlässt ihn. Als ihr vorzeitig entlassener Bruder von Marias Verhältnis erfährt, schlägt er sie zusammen. Die politische Sprengkraft des Films liegt in der Figur des Richters, der feige und heuchlerisch Recht nach den wechselnden Anweisungen der Partei spricht. Gegen diese Figur werden schon im Prozess der Bucharbeit schwerwiegende Bedenken laut, die auf dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 eskalieren. Es wird von dem Sozialismus schädlichen Auffassungen gesprochen, von der Missachtung der Dialektik der Entwicklung. Der Film lag - mit einem kompletten Filmjahrgang der DEFA - auf Eis und lief erstmalig mit den anderen so genannten "Kaninchen-Filmen" 1990 auf der Berlinale.

Kurt Maetzig - Zum 100. Geburtstag 02/11