70mm-Arbeitskopie "Du bist min. Ein deutsches Tagebuch" (R: A.u.A. Thorndike); F: J. Leopold
70mm-Arbeitskopie "Du bist min. Ein deutsches Tagebuch" (R: A.u.A. Thorndike); F: J. Leopold

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70mm-Film

Ein 70mm-Film bringt die Augen vieler Filminteressierter zum Leuchten. Im Vergleich zum überwiegend eingesetzten 35mm-Film ist das Bildfeld hier dreimal größer, die Anzahl der Bildpunkte entsprechend höher und die Bildqualität somit deutlich besser. Die Königsklasse unter den Filmformaten ist aufgrund der wenigen noch existenten Theaterkopien, vor allem aber wegen fehlender Abspielmöglichkeiten nur noch selten zu sehen. Das Filmmuseum hat in seinem Bestand glücklicherweise einige Objekte und Materialien zum 70mm-Film, angefangen von Kameras und Projektoren über Klebeladen, Filmdosen und Filmkernen bis hin zu unbelichtetem Filmmaterial. Dazu zählen aber auch eine Rolle des tschechoslowakischen Dokumentarfilms "Gestern war Sonntag" von Jan Špáta und eine Rolle der Arbeitskopie zum Dokumentarfilm "Du bist min. Ein deutsches Tagebuch" (DDR 1968/69) von Annelie und Andrew Thorndike zum 20. Jahrestag der DDR-Gründung. Für den Film wurden Reste der Aufnahmen ihres seit 1964 geplanten Großprojektes "Die Deutschen" verwendet. Der Film sollte ursprünglich die von Nikita Sergejewitsch Chruschtschow stammende Idee eines wiedervereinigten neutralen und blockfreien Deutschlands verbreiten, was jedoch durch die weitere Entwicklung in der Sowjetunion und der DDR obsolet geworden war. Gedreht wurde der Film mit sowjetischer Technik (zwei Atelier- und 3 Handkameras) und nicht mit der in den eigenen DEFA-Werkstätten entwickelten Synchronkamera DEFA 70, die sich auch im Bestand des Museums befindet. Der Einsatz der schweren, langsamen und aufwendigen 70mm-Technik im Dokumentarfilm, erschien bereits damals nicht mehr zeitgemäß, gingen doch die Vertreter des Cinéma vérité oder des Direct Cinema schon ganz andere Wege, um dem Leben nahe zu kommen.