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Unter den Brücken
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» Babelsberger Filmgeschichte

Potsdam 2011 – Stadt des Films

Filmschauplatz des Monats
Von Januar bis Dezember 2011 zeigten zwölf öffentliche Orte in Potsdam ihr Filmgesicht und wurden als „Filmschauplatz des Monats” ausgezeichnet. Alle Filme zu den Schauplätzen konnten jeweils am letzten Sonntag des Monats im Kino des Filmmuseums auf der Leinwand betrachtet werden.

Potsdamer Drehort:
Brandenburger Tor, Bezirkskrankenhaus Potsdam, Interhotel (heute: Hotel Mercure), ehemaliger Straßenbahnbetriebshof Holzmarktstraße
30. Januar, 18 Uhr
Polizeiruf 110: Fremde im Spiegel
R: Ed Herzog, D: Imogen Kogge, Horst Krause, Anja Franke, D 2010, 89’
Potsdamer Drehort: Stadthaus
30. Januar, 20 Uhr
Polizeiruf 110: Herbstzeit
R: Manfred Mosblech, D: Peter Borgelt, Sigrid Göhler, Erwin Geschonneck, DDR 1979, 69’
Im Januar richtet sich der Blick auf den Originalschauplatz für einen Film der Reihe „Polizeiruf 110“, der im Frühjahr 2010 unter anderem im Potsdamer Stadthaus gedreht wurde. In Fremde im Spiegel (R: Ed Herzog) hat zugleich Imogen Kogge ihren letzten Auftritt als Brandenburger Hauptkommissarin Johanna Herz. Ergänzt wird der Abend durch eine besondere Rarität: Der ursprünglich als Polizeiruf-110-Folge hergestellte Film Herbstzeit (R: Manfred Mosblech, DDR 1979) wurde im DDR-Fernsehen nur als Einzelfilm gesendet, da er, so der offizielle Grund, „zu wenig Polizeiarbeit“ beinhaltet. Erwin Geschonneck gibt darin einen älteren Mann, der mit einem tiefen Griff in die Kasse seines ehemaligen Betriebes versucht, den Hausbau des erwachsenen Sohnes voranzutreiben, um sich damit den gefürchteten Gang ins Altersheim zu ersparen. Gedreht wurde ebenfalls in Potsdam, am Brandenburger Tor, im Bezirkskrankenhaus Potsdam, am Interhotel (heute: Hotel Mercure) sowie am ehemaligen Straßenbahnbetriebshof Holzmarktstraße.

Potsdamer Drehort:
Park Sanssouci
27. Februar, 18 Uhr Stummfilm mit Livemusik:
Madame Dubarry
R: Ernst Lubitsch, D: Pola Negri, Emil Jannings, D 1919, 113’
Paris zur Zeit Ludwigs XV. Die hübsche Näherin Jeanne verlässt ihre große Liebe Armand, um durch die Heirat mit dem Grafen Dubarry den Adelstitel zu erwerben. Als Gräfin im französischen Hof eingeführt, wird sie schnell die Mätresse des Königs. Als sich das Volk gegen Ludwig XV erhebt und die Bastille stürmt, wird Armand Vorsitzender des Volksgerichts und muss seine ehemalige Geliebte zum Tode verurteilen. Sein heimlicher Versuch, sie aus dem Kerker zu befreien, endet für ihn tödlich. Madame Dubarry landet auf dem Schafott. „Madame Dubarry" überzeugt als imposanter Kostümfilm und beeindruckt vor allem durch Pola Negri und Emil Jannings in den Hauptrollen.
Von Januar bis Dezember 2011 zeigen zwölf öffentliche Orte in Potsdam ihr Filmgesicht und werden als „Filmschauplatz des Monats“ ausgezeichnet. Alle Filme zu den Schauplätzen können jeweils am letzten Sonntag des Monats im Kino des Filmmuseums auf der Leinwand betrachtet werden. Im Februar richtet sich der Blick auf den Schlosspark Sanssouci, wo Lubitsch die Versailler Szenerien für „Madame Dubarry“ unter anderem am Obeliskportal drehte.

Potsdamer Drehort:
Alter Markt
27. März, 18 Uhr
Die Welle
R: Dennis Gansel, D: Jürgen Vogel, Frederick Lau, Max Riemelt, D 2008, 107’
Der engagierte Gymnasiallehrer Rainer Wenger führt während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ ein pädagogisches Experiment durch, um den Schülern die Entstehung einer Diktatur begreifbar zu machen. Was zunächst harmlos mit Begriffen wie Disziplin und Gemeinschaft beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Tage zu einer richtigen Bewegung – der Name: „Die Welle“. Schon bald beginnen die Schüler Andersdenkende auszuschließen und zu unterdrücken. Tag für Tag werden neue, immer radikalere Maßnahmen beschlossen. Als Wenger merkt, dass sein Experiment außer Kontrolle gerät, will er abbrechen. Doch die Welle ist nicht mehr aufzuhalten.
Dem Film gelingt es, im Rahmen einer spannenden Geschichte die Eigendynamik von Gruppenprozessen aufzuzeigen und angepasstes Verhalten kritisch zu hinterfragen.
Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Potsdam am Alten Markt statt. Die sich seinerzeit noch im Prozess der Fassadensanierung befindliche Nikolaikirche wurde im Film zum Schauplatz einer riskanten Nacht-und-Nebel-Aktion: Ein wagemutiger Anhänger der Bewegung klettert das auf das Gerüst des Gebäudes, um auf der Verkleidung das Welle-Logo zu verewigen.

Potsdamer Drehort:
Holländisches Viertel
24. April, 16 Uhr
Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch
R: Stefan Ruzowitzky, D: Alina Freund, Pilar Bardem, Michael Mittermeier, D/A/E/I 2009, 89’
Nachdem der böse Zauberer Hieronymus mal wieder versucht hat, ihr Hexenbuch zu stehlen, wird der alten, gütigen Hexe Surulunda klar, dass sie dringend eine Nachfolgerin finden muss, die ihre magischen Geheimnisse beschützt. Auf der Suche nach einer talentierten Kandidatin schickt Surulunda den kleinen tollpatschigen Drachen Hektor zur kleinen Lilli. Die ist zwar hellauf begeistert, als sie das Hexenbuch sieht, doch ist es gar nicht so einfach, die Zaubersprüche richtig anzuwenden. Hektor hat also jede Menge zu tun, um aus Lilli eine Hexe zu machen, die es mit dem bösen Hieronymus aufnehmen kann.
Neben dem aufgeweckten Mädchen spielt im Film aber auch Potsdams Innenstadt eine große Rolle. So ist Junghexe Lilli mit ihrer Mutter in einem der beliebten roten Backsteingebäude des Holländischen Viertels zuhause. Darüber hinaus wurde in der Evangelischen Grundschule in der Großen Weinmeisterstraße, auf dem Spielplatz Ecke Hebbelstraße/ Leiblstraße und am Lustgarten gefilmt.

Potsdamer Drehort:
Neue Kammern
29. Mai, 18 Uhr
Ich war neunzehn
R: Konrad Wolf, D: Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, Jenny Gröllmann, DDR 1968, 120’
Der junge Deutsche Gregor Hecker, der zu Beginn der faschistischen Diktatur mit seinen Eltern nach Moskau emigrierte, kehrt in den letzten Kriegstagen als Leutnant der Roten Armee in sein Heimatland zurück. Täglich begegnet er Deutschen, die er so gern verstehen möchte - vom Mitläufer bis zum eingefleischten Faschisten. Doch langsam begreift er, dass es "die Deutschen" nicht gibt und dass es nicht reicht, nur von einer neuen, gerechteren Gesellschaft zu träumen. Als Fremder in der alten Heimat beschließt er, in Deutschland zu bleiben. Die Geschichte eines jungen Emigranten, der zwischen die Fronten gerät; ein eindringlich und psychologisch genau erzählter Film, ergreifend in seiner inneren Zerrissenheit und Selbstsuche. Das Drehbuch reflektiert Konrad Wolfs Erlebnisse bei seiner Annäherung an Deutschland, als er, selbst Emigrantensohn und Leutnant der Roten Armee, 1945 in sein Vaterland zurückkehrte. Es ist sein persönlichster Film. Realisiert wurde er unter anderem in den Neuen Kammern im Park Sanssouci, die die Kulisse für eine ausgelassene Feier sowjetischer Soldaten zum 1. Mai mit Pelmeni, Wodka und einer Feuerwehrkappelle.

Potsdamer Drehort:
Schloss und Schlosspark Marquardt
26. Juni, 18 Uhr
Effi Briest
R: Hermine Huntgeburth, D: Julia Jentsch, Sebastian Koch, Mišel Maticevíc, D 2009, 118’
Auf Wunsch ihrer Eltern heiratet die temperamentvolle 17-jährige Effi den fast 20 Jahre älteren Baron von Innstetten. Mit dieser Vernunftehe beginnt ein eintöniges Leben fernab der Heimat: Innstetten widmet sich ganz und gar seiner politischen Karriere und das verschlafene Ostseestädtchen Kessin bietet wenig Abwechslung. Als aber Major Crampas, ein Regimentskamerad Innstettens, auftaucht, beginnt Effi eine leidenschaftliche Affäre mit ihm und entdeckt so, was Liebe bedeutet. Jahre später erfährt der Baron von der längst vergangenen Liaison und fordert Crampas zum Duell, das für diesen tödlich endet. Anders als in Fontanes Romanvorlage zieht Effi im Film ihre Konsequenzen daraus und wagt den Schritt in ein neues Leben. Regisseurin Hermine Huntgeburth interpretiert den Klassiker aus heutiger Sicht: Sie verbindet den historischen Stoff mit dem Bewusstsein der Gegenwart und zeigt die junge Protagonistin in einer emanzipatorischen Entwicklung. Die Dreharbeiten für den Film fanden unter anderem im Potsdamer Schloss Marquardt statt, das die passende Kulisse für die schaurig-bedrückenden Kessiner Szenen bot.

Potsdamer Drehorte:
Historische Innenstadt, Großes Militärwaisenhaus
31. Juli, 18 Uhr
Mädchen in Uniform
R: Leontine Sagan, D: Hertha Thiele, Dorothea Wieck, Gertrud de Lalsky, D 1931, 88’
In einer Potsdamer Erziehungsanstalt leiden die Mädchen unter dem preußischen Drill der Erzieherinnen. Manuela, die nach dem Tod der Mutter in das Adelsinternat gebracht wird, sucht Trost vom unmenschlichen Zwang in der schwärmerischen Verehrung zu der freundlichen Lehrerin Frau von Bernburg. Als diese Zuneigung bei einer Schulfeier öffentlich wird, gibt es einen Skandal. Mit „Mädchen in Uniform“ schuf Regisseurin Leontine Sagan eine psychologisch einfühlsame Milieustudie, die sich kritisch mit preußischen Tugenden und Erziehungsidealen auseinandersetzt. Eindringlich werden die Mädchen mit ihren seelischen Nöten gezeigt und den frustrierten Erzieherinnen entgegengestellt. Eine Verfilmung des Bühnenstücks „Gestern und heute“ von Christa Winsloe, die damit ihre Jugendjahre im Potsdamer Kaiserin-Augusta-Stift aufarbeitete. Das Stift, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Internat für höhere Töchter, diente auch als Kulisse für die Verfilmung. Überdies wurden Teile auf dem Hof des Großen Militärwaisenhauses im Karree zwischen Breiter Straße und Spornstraße, Lindenstraße und Dortustraße gefilmt. Das Treppenhaus des Militärwaisenhauses wurde zum Schauplatz von Manuelas Selbstmordversuch.

Potsdamer Drehorte:
Stadtbad Park Babelsberg
28. August, 18 Uhr
Die Legende von Paul und Paula
R: Heiner Carow, D: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel, DDR 1973, 105’
Die alleinstehende Verkäuferin Paula, Mutter zweier Kinder, lernt den verheirateten Staatsbeamten Paul kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Während Paula bereit ist, für das gemeinsame Glück mit allen bürgerlichen Konventionen zu brechen, zögert Paul zunächst. Erst als Paula ihren Sohn durch einen Unfall verliert und sich daraufhin von Paul distanziert, erkennt er seine tiefen Gefühle und kämpft um sie. Nun aber ist es Paula, die sich gegen die Beziehung wehrt. Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die nicht zuletzt ein Plädoyer für Individualität und die Kraft der Träume ist. „Die Legende“ beeindruckte, erschütterte und ermutigte das Publikum. Der Film hat über die DDR und DEFA hinaus Bestand und versteht auch knapp 40 Jahre nach seiner Premiere die Menschen ebenso glücklich wie traurig zu machen. Das Stadtbad Park Babelsberg wurde zum Schauplatz einer Szene, die Paulas emotionalen Zwiespalt nach dem Tod ihres Sohnes besonders widerspiegelt.

Potsdamer Drehorte:
Glienicker Brücke
25. September, 18 Uhr
Unter den Brücken
R: Helmut Käutner, D: Hannelore Schroth, Carl Raddatz, Gustav Knuth, D 1945, 99’
Eines Abends beobachten die Binnenschiffer Hendrik und Willi ein Mädchen, das sich offenbar in den Fluss stürzen will. Beherzt greifen sie ein, bieten Hilfe an. Bei einer gemeinsamen Schifffahrt nach Berlin verlieben sich die beiden Männer in sie und schließen ein Abkommen. Wer das Mädchen gewinnt, verliert seinen Anteil am Kahn. Am Ende aber kommt alles anders. Ein Film aus der Schlussphase des Krieges, ein so genannter Überläufer. Poetisch und doch realistisch, atmosphärisch und voller Stimmungen. Ein Film über das ungezwungene Leben auf den Flüssen, über Liebe und Freundschaft und ein ganz privates Glück. Käutners Filmballade entstand in der Zeit von Mai bis Oktober 1944, als Berlins Straßen schon zu großen Teilen in Schutt und Asche lagen. Schauspieler Carl Raddatz erinnert sich an die absurden Bedingungen, unter denen der Film entstand: „Unsere Motive, Glienicker Brücke, die ganze Havel, Ketzin, Havelwerder, es war eine idyllische, fast romantische Drehzeit, in der über unseren Köpfen die Bomberströme nach Berlin zogen“ (zitiert nach „Das UFA-Buch“, hg. von Hans-Michael Bock und Michael Töteberg, 1992).

Potsdamer Drehorte:
Gregor-Mendel-Straße
30. Oktober, 18 Uhr
Die Bourne Verschwörung
R: Paul Greengrass, D: Matt Damon, Joan Allen, Franka Potente, USA/D/A 2004, 108’
Zwei Jahre sind vergangen, seit Jason Bourne, ein unter Amnesie leidender Ex-Agent der CIA, seine einstigen Auftraggeber abgeschüttelt hat und mit seiner großen Liebe Marie auf Goa untergetaucht ist. Doch seine Hoffnung auf ein normales Leben findet ein jähes Ende, als ihn ein russischer Bombenleger zum Tatverdächtigen in einer groß angelegten Spionageaktion des CIA in Berlin macht. Zwischen den Fronten der internationalen Geheimdienste und auf der Suche nach seiner wahren Identität bleibt ihm jedoch wenig Zeit herauszufinden, wer hinter der Verschwörung steckt. Hektische Kameraführung und schnelle Schnitte – auch der zweite Teil der „Bourne-Trilogie“ ist nichts für schwache Nerven. Ein Actionfilm mit genretypischen Effekten und einer rasant inszenierten Verfolgungsjagd durch Moskau. Als Kulisse für die russische Millionenstadt musste neben Schauplätzen in Berlin auch die Gregor-Mendel-Straße in Potsdam herhalten.

Potsdamer Drehort:
Konrad-Wolf-Allee
27. November, 16 Uhr
Zirri – das Wolkenschaf
R: Rolf Losansky, D: Babett Ikker, Walfriede Schmitt, Dietmar Richter-Reinick, D 1993, 60’
Die elfjährige Christine verbringt ihre Ferien auf dem Bauernhof der Großeltern und entdeckt in der Schafherde ihres Opas das strahlend weiße Wolkenschaf Zirri. Es gehört eigentlich in die Milchstraße, wurde aber von schwarzen Fabrikrauchwolken auf die Erde gedrängt. Mit der Unterstützung einer Schornsteinfegerin, einer Trapezkünstlerin und eines Zauberers versucht Christine, das heruntergefallene Schäfchen wieder in den Himmel zu hieven. In seinem auf einem Kinderbuch von Fred Rodrian basierenden Film erzählt Rolf Losansky phantasievoll und spannend die Geschichte einer vom Himmel gefallenen Wolke. Viele Szenen aus Rolf Losanskys letztem unter dem DEFA-Signet entstandenem Kinderfilm wurden in der Potsdamer Konrad-Wolf-Allee gedreht.

Potsdamer Drehort:
Sternwarte Babelsberg
25. Dezember, 18 Uhr
Stürme über dem Montblanc
R: Arnold Fanck, D: Sepp Rist, Leni Riefenstahl, Ernst Udet, D 1930, 99’
Hella Armstrong leitet mit ihrem Vater die Sternwarte in den Bergen. Als sich der Wetterwart Hannes in die schöne junge Frau verliebt, kommt es wegen seiner Eifersucht zu Komplikationen. Bei einem Gang durch die Berge gerät er in einen Eissturm. Fast erfroren versucht er den Abstieg, der Sturm jedoch zwingt ihn zur Umkehr. Über Funk sendet er Hilferufe, die von Hella empfangen werden. Während sie mit einer Rettungsmannschaft aufsteigt, kommt ihnen der Flieger Udet zuvor und rettet Hannes, der Hella zum Happy-End in der Hütte begrüßt. Gekonnt inszeniert Arnold Fanck Berge und Wolken, Eis und Schnee als handlungstragende Elemente. Dreharbeiten fanden unter anderem in der Sternwarte Babelsberg statt.
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