Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika |
„Sehnsucht nach der Ferne” |
Filmmatinee zur HBPG-Ausstellung „SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR”
Johannesburg Spezial – Filme aus Südafrika
Filmreihe und Podiumsdiskussion
im Rahmen des Projektes SUBSAHARA Afrika im Film – 6 Perspektiven
27. Mai bis 2.Juni 2010
In Zusammenarbeit mit der Cinémathèque de Toulouse, der Südafrikanischen Botschaft Berlin, den South African National Film, Video and Sound Archives und dem Landesbüro Brandenburg der Friedrich-Ebert-Stiftung
Über eine Woche widmet sich das Filmmuseum vom 27. Mai bis 2. Juni 2010 südafrikanischen Filmen aus und über Johannesburg.
Südafrika steht dann kurz vor der Fußballweltmeisterschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs findet die Endrunde der Fußball-WM 2010 in einem afrikanischen Gastgeberland statt. Neben Kapstadt, Durban und Pretoria werden zahlreiche Spiele in Johannesburg ausgetragen – so z.B. Eröffnungs- und Endspiel im modernisierten und erweiterten Soccer-City-Stadion.
Als Fifa-Präsident Joseph Blatter Mitte September 2008 ins WM-Gastgeberland reiste, machte er klar, dass weniger Verzögerungen bei den Arena-Bauten als ein politisch instabiles Südafrika ein WM-Sicherheitsrisiko darstellen könnten.
Wie geht Johannesburg (und Südafrika) mit der WM und anderen Herausforderungen an die Zukunft um?
Knapp 20 Jahre nach der Freilassung Nelson Mandelas (11.2.1990) und der Aufhebung des Apartheidgesetzes (19.6.1990) ist Südafrika noch von großen sozialen Gegensätzen geprägt, die eine hohe Kriminalität mit sich gebracht haben. Noch bis vor wenigen Jahren galt Johannesburg als die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in der ganzen Welt.
Das Durchschnittsalter eines Kriminellen liegt in Südafrika bei unter 18 Jahren – ein Sachverhalt, dem sich das Drama
Tsotsi (R: Gavin Hood, 2005) annimmt, in dem sich ein sehr junger Gangster, der auch nicht vor Mord zurückschreckt, in Johannesburg durchs Leben schlägt.
So wie „Tsotsi”, der auch eine Milieustudie des Townshiplebens mitliefert, lassen sich viele weitere Titel aus und über Johannesburg als Zeit(geist)zeugnisse lesen.
Es lohnt sich also, anhand von südafrikanischen Filmen aus der Stummfilmära bis heute auf die Megacity im Wandel der Jahrzehnte zu schauen – zumal das Gründungsdatum von Johannesburg als kleine Goldgräbersiedlung (4.10.1886) knapp zehn Jahre vor der Erfindung des Kinos liegt. So konnten schon in den frühen Jahren des vergleichsweise jungen Johannesburg bewegte Bilder vom Stadtleben aufgenommen werden.
Die Johannesburg-Reihe spannt einen weiten (film-)geschichtlichen Bogen: Das Stummfilmepos und afrikaanisch nationalistische Propagandastück
De Vortrekkers (R: Harald Shaw, 1916), in dem Schwarze als unzivilisierte, grausame und wilde Zulu-Krieger dargestellt sind, macht den Anfang. Ebenso werden Filme aus der Zeit der Apartheid – Anti- und Pro-Apartheid-Filme – gezeigt, wie auch international beachtete Werke aus der Zeit danach – u.a. eben „Tsotsi”, der 2006 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann. Die Johannesburg-Reihe spannt einen weiten (film-)geschichtlichen Bogen: Unter den Filmen der Reihe befinden sich explizit politische Titel wie Come Back, Africa (R: Lionel Rogosin, 1959), der, im Geheimen gedreht und erst 1988 veröffentlicht, die Probleme der Rassentrennung offen anspricht. Aber auch
Jannie Totsiens (R: Jans Rautenbach, 1970), der erste Avantgarde-Film Südafrikas oder Komödien, wie das Musical
The Magic Garden (R: Donald Swanson, 1955/61) gehören dazu. Einige der Filme aus der Zeit der Apartheid werden im Filmmuseum Potsdam ihre deutsche Erstaufführung erleben. Gerade diese Filme sind es auch, die keinesfalls ohne Einführung und Einbettung in den entstehungsgeschichtlichen und -politischen Zusammenhang vorgeführt werden können. Denn die Geschichte des südafrikanischen Films ist eng mit der Geschichte der Apartheid und ihren Folgen verknüpft. Selbstredend setzen sich auch nach 1994 entstandene Titel wie
Zulu Love Letter (R: Ramadan Suleman, Spielfilm, 2004) mit diesen Themen auseinander. (Dokumentar-)Filme wie
Hillbrow Kids (R: Michael Hammon, Jacqueline Görgen, Dok., 1998/99) und
Conversations on a Sunday Afternoon (R: Khalo Matabane, 2005) widmen sich den Straßenkindern von Hillbrow und dem Schicksal von Migranten, die mehrheitlich auch in diesem seit den 1990er Jahren verarmten und kriminalisierten Innenstadtviertel von Johannesburg leben. Als schrille Komödie hingegen stellt sich in
Max und Mona (R: Teddy Mattera, 2004) die Großstadterfahrung eines Todesbegleiters vom Dorf dar, der zum Medizinstudium nach Johannesburg kommt.
Schließlich sollen mit der Reihe, die im gleichen Zug einen einmaligen Einblick in die südafrikanische Filmproduktion mitliefert, auch die Faszination, Anziehungskraft und positiven Entwicklungen der Megacity Johannesburg nicht aus dem Blickfeld geraten.
Eröffnet wird am 27. Mai voraussichtlich in Anwesenheit eines Vertreters der Südafrikanischen Botschaft Berlin und des Bürgermeisters von Johannesburg.
Am 1. Juni rundet eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Johannesburg – 20 Jahre nach der Apartheid, im Jahr der Fußball-WM” (AT) die Film- und Veranstaltungsreihe ab.
Trevor Moses, Mitarbeiter der South African National Film, Video and Sound Archives (SANFVSA) in Pretoria, wird einer der Disputanten sein und auch die Filme einführen, die aus den SANFVSA bezogen werden.
Ein Workshop in Kooperation mit Filmernst (Landesinstitut für Schule und Medien/LISUM)
zum Film
Goodbye Bafana (R: Bille August, Südafrika/D/F/GB), der auf den Memoiren des Gefängniswärters von Nelson Mandela auf Robben Island beruht, ist ein Angebot an das jüngere Publikum, sich mit der südafrikanischen Geschichte auseinanderzusetzen.
Außerdem wird voraussichtlich der vom Goethe-Institut initiierte „Panafrikanische Kurzfilmwettbewerb“ im Umfeld des „Johannesburg Spezial” gezeigt.
Rückschau SUBSAHARA I bis V
„Sehnsucht nach der Ferne”
Filmtag der Ferne
Zu den Musikfestspielen POTSDAM SANSSOUCI 2010
24. Juni 2010
Das schönste an Reiselust und Fernweh ist wohl, dass sie mühelos exotische Klänge, Gerüche, vor allem aber Bilder der Ferne vor dem inneren Auge entstehen lassen – ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. Als die Traumfabrik Hollywood die Arbeit aufnahm, standen von Anfang an auch exotische Motive und Geschichten im Mittelpunkt der Illusionsmaschinerie – ganz großes Kino eben! Auch im heimischen Babelsberg, als nach dem Krieg Träume das Kostbarste überhaupt waren, vermochte man mit einiger Anstrengung die Märchenwelt des Orients in Wolfgang Staudtes berühmtem "Kleinen Muck" zum Leben zu erwecken und für Millionen von kleinen Fans zum Greifen nah werden zu lassen. Zusammen mit dem Filmmuseum Potsdam präsentieren die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci einen Filmtag der Ferne, der nicht nur verschiedene Kontinente aufsucht, sondern auch zeitlich einen Bogen spannt, von den Pionierjahren des Kinos bis in unsere Tage.
10 Uhr
Die Geschichte vom kleinen Muck
R: Wolfgang Staudte, DDR 1953, 96’
In einer orientalischen Stadt wird ein buckliger alter Mann von Kindern gehänselt. Eines Tages erzählt er ihnen seine Geschichte: Nach dem Tod des Vaters ist Muck, das verwachsene Kind, sehr allein. Er verlässt den Ort seiner Kindheit, um das Glück zu suchen. In der Wüste gerät er in einen Katzenpalast, wo er Zauberpantoffeln und einen Zauberstab findet. Am Hofe des Sultans wird er Schnellläufer und erlangt großes Ansehen. Neidische Höflinge stehlen ihm seine Sachen und vertreiben ihn. Mit Hilfe magischer Früchte rächt er sich und hilft der schönen Prinzessin Amarza. Weil ihm seine Zaubersachen kein Glück gebracht haben, lässt er sie in der Einöde zurück. Der zauberhafte Farbfilm, nach einem Märchen von Wilhelm Hauff, gehört zu den aufwändigsten und erfolgreichsten DEFA-Produktionen.
18 Uhr
Die Abenteuer des Prinzen Achmed
R: Lotte Reiniger, D 1923-26, Scherenschnittfilm, 66’
An der Welte-Kinoorgel: Carsten-Stephan Graf von Bothmer
Ein böser Zauberer bietet dem Kalifen zum Geburtstag als Tausch für seine Tochter ein Zauberpferd an. Es gelingt dem Zauberer, Prinz Achmed auf das fliegende Pferd zu locken. Das ist der Beginn einer langen abenteuerlichen Reise für den Prinzen ...
Der Film erzählt die Geschichte des Prinzen Achmed, nach Motiven des Märchens „Tausendundeine Nacht“. Von den vielen bekannten Figuren übernahm Lotte Reiniger den “afrikanischen Zauberer“, „Aladin mit der Wunderlampe“, und „Dinarsade“, die Tochter des Kalifen von Bagdad. Im Stil an chinesischen Schattenspielen orientiert, schuf sie mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ einen künstlerisch perfekten Silhouettenfilm.
20 Uhr
Tiger & Dragon
R: Ang Lee, D: Chow Yun-Fat, Michelle Yeoh, Hongkong/Taiwan/USA 2000, 120’
Nach vielen Jahren des Kampfes will sich der Schwertkämpfer Li Mu Bai zurückziehen und übergibt sein Schwert "Grünes Schicksal" an seine geheime und unerfüllte Liebe Yu Shen Len. Doch das Schwert wird gestohlen von der jungen und schönen Jen, die aus unerfüllter Liebe zum Rebellen Lo ebenfalls Schwertkämpferin werden will. Sie alle haben einen gemeinsamen Feind: die berüchtigte Jade Fuchs. Der Kampf gegen sie ist schwer und nicht selten tödlich. Grundlage für Ang Lees Historienstück, mit dem er nach China und Taiwan zurückkehrte, ist ein vielbändiger Roman von Wang Du Lu vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Seine Themen sind zeitlos: die unerfüllte große Liebe, Rache und Verzeihen, die Ungeduld der Jugend und die Weisheit des Alters. Eine Mischung aus Märchen, Martial Arts, Abenteuer, Actionfilm und Meditation mit atemberaubenden Kampfszenen und beeindruckenden Bildern der Wüsten- und Bergwelt Chinas und Taiwans.
Filmmatinee zur HBPG-Ausstellung „SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR”
22. August 2010, 11 Uhr
Träume nicht Sibylle
R: Julie Schrader, D 2001, Dok., 58’
1994 machen sich vier Frauen auf, die letzte DDR-Modezeitschrift zu retten. Die „Sibylle“ war aber auch mehr als nur ein Modeheft. Das ungewöhnliche Journal machte Lust auf Individualität im oft tristen DDR-Alltag, gab Anregungen und Ratschläge und half bei der Improvisation, die ständiger Mangel notwendig machte. Mode wurde nicht auf Kleidung reduziert, sondern stand genauso selbstverständlich im Zusammenhang mit alltäglichen Lebensbereichen wie mit Kunst und Kultur.
Besuchern wird bei Vorlage der Kinokarte der ermäßigte Eintrittspreis in die Ausstellung „SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR“ im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte gewährt.
In der dortigen Ausstellung werden ausgewählte Fotoserien gezeigt, kombiniert mit Aussagen von Redakteurinnen, Mannequins und Fotografen. Es werden Einblicke in die Arbeitsweise und -bedingungen bei der Moderedaktion der SIBYLLE ermöglicht, von Zensur und künstlerischer Freiheit berichtet, von Mangelwirtschaft und Improvisationstalent, von Gleichberechtigung und SED-Frauenpolitik, von Berufstätigkeit und Familienleben. Bekleidungsstücke des Modeinstituts der DDR und des VHB Exquisit, Filmausschnitte von Modesendungen der DDR und ein Exkurs über die Bildsprache und ästhetischen Besonderheiten der Fotografien ergänzen die Themen.