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Asta Nielsen und Urban Gad bei den Dreharbeiten zu „Wenn die Maske fällt" (1912)
Asta Nielsen und Urban Gad bei den Dreharbeiten zu „Wenn die Maske fällt" (1912) 

» Ständige Ausstellung

Daten zur Geschichte der Studios in Babelsberg

1911 - 1920 | 1920 - 1921 | 1921 - 1945 | 1946 - 1992 | 1992 - 1999 | 2000 - 2008
2009 - heute


1911 - 1920: Bioscop
1911
Die Feuerpolizei verlangt von der Berliner Bioscop-Filmgesellschaft die Räumung ihres Dachateliers. Guido Seeber, Kameramann und technischer Leiter, entdeckt in Babelsberg ein leer stehendes Fabrikgebäude, das von einer weitläufigen Brachfläche umgeben ist. Die Firma zieht in den Vorort um. Für die sehr erfolgreichen Produktionen mit der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen wird im Spätherbst ein lichtdurchflutetes Atelierhaus gebaut.
1912
Als erste Produktion im Glashaus entsteht im Februar Urban Gads Film „Der Totentanz” mit der Nielsen in der Hauptrolle – der Beginn einer Nielsen-Serie, die Erfolg in ganz Europa hat.
1913
Die Bioscop erweitert ihre Kapazitäten um ein zweites Glashaus und eine Zirkusarena für 1000 Zuschauer. Asta Nielsen verlässt das Studio. Regisseur Stellan Rye und Schauspieler Paul Wegener drehen den Film „Der Student von Prag”. Der „Kunstfilm” und seine sensationellen Filmtricks begeistern Fachleute und Publikum.
1914
Im Sommer steht die Bioscop vor der Pleite. Mit unterhaltendem und patriotischem Kitsch beginnt die langlebige Propaganda-Traditionslinie zugunsten der herrschenden Systeme. Die meisten männlichen Fachleute ziehen in den Ersten Weltkrieg, Frauen halten bis 1918 den Betrieb aufrecht. Künstlerische Achtungserfolge, so 1915 „Der Golem" (RE: Paul Wegener), sind Ausnahmen.
1916
Unter der Regie von Otto Rippert entsteht die Erfolgsserie „Homunculus” über einen künstlichen „Menschen”. In nur fünf Monaten werden sechs Filme produziert. Erstmals in Deutschland wird dieses aus den USA bekannte Format versucht. Mit der Serie und dem Dreiteiler „Ahasver” (1917, RE: Robert Reinert) beginnt in Babelsberg die Produktion von Monumental- und Ausstattungsfilmen in Deutschland.
1917
Die Bioscop-Geschäftsführung versucht vergeblich, ihr Studio an die in Gründung befindliche Ufa (Universum Film i.G.) zu verkaufen, Vermietungen werden zur Regel. Die Eigenproduktionen sinken bis 1919 auf drei Filme und eine Serie.

1920 - 1921: Decla-Bioscop
1920
Die Deutsche Bioscop fusioniert mit der Decla (Deutsche Eclaire-Gesellschaft) zu Deutschlands zweitgrößter Filmgesellschaft nach der Ufa. Nach dem Krieg erfüllen Sensationsfilme und exotische Abenteuer die Sehnsüchte des Publikums. Die Produktion
von „Kunstfilmen” wird beibehalten. Der bekannte Maler César Klein entwirft die expressionistisch-verzerrten Kulissen für die Schauergeschichte „Genuine” (RE: Robert Wiene).

1921 - 1945: Ufa
1921
Die Decla-Bioscop fusioniert mit der Ufa, die zur marktbeherrschenden Filmfirma heranwächst. Fritz Langs Film „Der müde Tod” wird einer der erfolgreichsten Babelsberger Produktionen des Jahres.
1922
Die Ufa übernimmt die Führung in Neubabelsberg und entwickelt das Studio zum lebendigsten und innovativsten in Deutschland. Der Decla-Produzent Erich Pommer arbeitet nun für die Ufa und wird ihr kreativer Meister. Glanzstücke des noch stummen Films entstehen, so „Die Nibelungen” (1922/24, RE: Fritz Lang) und „Der letzte Mann” (1924, RE: Friedrich Wilhelm Murnau) mit Emil Jannings. Hollywood schickt Hospitanten, die neuartige Trickerfindungen und erstaunliche Dekorationsbauten begutachten. 1924 arbeitet Alfred Hitchcock als Regieassistent an einem Film mit.
1925
Die Ufa muss in Folge von Inflation, Missmanagement und Größenwahn einen Knebelvertrag mit den amerikanischen Firmen Metro-Goldwyn-Mayer und Paramount eingehen. Bekannte Filmschauspieler wie Henny Porten sind zu Idolen der Massen geworden.
1926
Hollywood wirbt erfolgreich kreative Filmleute ab, unter ihnen Erich Pommer und Emil Jannings, der als erster deutscher Schauspieler mit dem erstmals verliehenen Oscar geehrt wird. Das größte Atelier Europas, die Große Halle, wird eröffnet.
1927
Ausgedehnte Filmproduktionszeiten und maßlose Ansprüche von Künstlern wie Fritz Lang, dessen Sciencefiction-Film „Metropolis” heute zum Weltkulturerbe zählt, tragen zur miserablen Finanzlage bei. Alfred Hugenbergs rechtskonservativer Scherl-Pressekonzern kauft die Ufa aus dem Vertrag mit den Amerikanern frei; so entsteht ein mächtiges Propaganda-Unternehmen. Neben massenwirksamer Unterhaltungsware produziert die Ufa immer mehr Reaktionäres. Die Einführung strengerer Arbeitszeit- und Kostenregelungen und ideologischer Druck verändern das Betriebsklima in Babelsberg.
1928
Die Ufa und Babelsberg expandieren. Der Mitarbeiterstab wächst, das Studiogelände wird durch Grundstückskäufe wesentlich vergrößert. Mitarbeiter, die Ufa-Vorstand Hugenberg oder seine Partei, die DNVP, kritisieren, werden nicht mehr beschäftigt. Eine Gruppe russischer Emigranten aus Paris dreht nun in Babelsberg, u.a. den Erfolgsfilm „Geheimnisse des Orients” (RE: Alexander Wolkoff). Die Ufa beschließt die Errichtung von Tonfilmateliers.
1929
Der Tonfilm kommt aus Babelsberg, einmal zu früh und dann beinahe zu spät. Die ersten Vorführungen der Tonfilmabteilung Mitte der 20er Jahre überzeugen die Ufa-Chefs nicht, sie muss sogar aus Babelsberg wegziehen, weil die lauten Dreharbeiten zu „Metropolis” ihre Experimente stören. Hollywood nutzt deutsche Patente und produziert schon 1927 den ersten Tonfilm. Die Große Halle wird geteilt. Neben dem Tonkreuz, einem kreuzförmigen, isolierten, fensterlosen Atelierbau aus roten Klinkern, entsteht die berühmte Mittelhalle, die seit 1995 Marlene Dietrichs Namen trägt. Schon am 16. Dezember hat der erste abendfüllende tönende Spielfilm der Ufa, „Melodie des Herzens” (RE: Hanns Schwarz), Premiere.
1930
Ufa-Schauspieler kennt längst jedes Kind, der Firmenname ist ein Markenzeichen für Qualität. Der Tonfilm „Der blaue Engel” (RE: Josef von Sternberg) wird zum Triumph für die Hauptdarstellerin Marlene Dietrich. Am Tag der Premiere reist sie nach Hollywood und wird in den folgenden Jahren ein Weltstar. Auf dem Freigelände entsteht die verkleinerte Fassade von Schloss Sanssouci für „Das Flötenkonzert von Sanssouci” (RE: Gustav von Ucicky). Der größte Teil des Ufa-Aufsichtsrats engagiert sich bereits in der NSDAP.
1931
Nur noch zwei stumme Filme entstehen. Die meisten Tonfilme haben mehrere Sprachfassungen, deutsche, englische und französische Darsteller spielen nacheinander in denselben Dekorationen. Das kleine Glashaus, in dem 1912 die Babelsberger Filmgeschichte begann, weicht einem modernen Atelier für Rückprojektionen.
1933
Mit den Filmen „Morgenrot” (1932, RE: Gustav von Ucicky) und „Hitlerjunge Quex” (RE: Hans Steinhoff), zu dessen Premiere Hitler erscheint, dokumentiert die Ufa sofort Nähe zu den neuen Machthabern. Juden und politisch Missliebige werden in vorauseilendem Gehorsam entlassen. Zu den ersten Emigranten zählen Schauspieler Peter Lorre, Regisseur Fritz Lang und Produzent Erich Pommer. Eine neue Garde von Funktionären, Regisseuren und Stars tritt an die Stelle der politisch und rassisch Vefolgten. Zu den prominentesten Vertretern des NS-Kinos gehören die Regisseure Veit Harlan und Karl Ritter.
1935
Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels besuchen die Ateliers, bejubelt von der Belegschaft. Der Rundgang führt auch zum Drehort der subversiven Komödie „Amphitryon” (RE: Reinhold Schünzel). Das Propaganda-Ministerium kontrolliert die Filmherstellung, alle Filmbetriebe werden bis 1937 verstaatlicht. Unterhaltungsfilme, zum Teil mit nationalsozialistischem Kolorit, dominieren die Produktion.
1937
Die Schwedin Zarah Leander wird von der Ufa zum Star aufgebaut und macht mit wachsenden Gagenforderungen bis 1942 sogar dem unangefochtenen Publikumsliebling
Hans Albers Konkurrenz. Der Farbfilm wird zur „Nationalen Aufgabe”.
1938
Die Deutsche Filmakademie nimmt ihren Betrieb in Babelsberg auf. Die Studios, die zwischen dem Villenviertel Neu-Babelsberg und dem ehemals dörflichen Nowawes liegen, werden durch eine Gebietsreform nach Potsdam eingemeindet. Im Studio berät man Maßnahmen für den Fall einer Mobilmachung und für den Luftschutz.
1939
Ein Luftschutzkeller für 418 Personen wird gebaut. Die letzte deutsch-französische Vorkriegskoproduktion mit dem französischen Komiker Fernandel wird gedreht. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 gilt gute Laune als kriegswichtig. Die NS-Führung und erfolgreiche Ufa-Schauspieler und Regisseure hofieren einander – bis zum bitteren Ende der Naziherrschaft 1945.
1940
Der antisemitische Film „Jud Süß” (RE: Veit Harlan) mit Ferdinand Marian in der Hauptrolle hat Premiere.
1942
Die Ufa wird Teil des Staatskonzerns „Ufa Film GmbH” (UFI). Hitler sorgt dafür, dass „Ufa” weiter für Filme aus deren Studios stehen darf. Der Krieg macht sich durch immer mehr Einschränkungen bei Material und Personal bemerkbar.
1943
Die Ufa feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit „Münchhausen” (RE: Josef von Baky) – der Film ist ein Feuerwerk an Ausstattung, Stars und Witz.
Der geächtete Autor Erich Kästner hat unter Pseudonym das Drehbuch geschrieben, Hans Albers spielt die Hauptrolle. Im Sommer bekommen alle Ufa-Mitarbeiter das Merkblatt „Was habe ich zu beachten, wenn mein Arbeitsplatz zerstört ist?”.
1944
„Die Feuerzangenbowle” (RE: Helmut Weiß) hat Premiere. Immer mehr Mitarbeiter müssen in Rüstungsbetrieben arbeiten oder werden eingezogen. Zwangsarbeiter, die in einem nahe gelegenen Lager gefangen sind, arbeiten für die Filmproduktion. Die Studios machen wegen Materialmangels, schleppender Zensurentscheidungen und schließender Kinos Verluste.
1945
Mit gigantischem Aufwand wird der Agitationsfilm „Kolberg” (1943/45, RE: Veit Harlan) mit Heinrich George in der Hauptrolle, der teuerste Film der Nazizeit, fertiggestellt. Bis ins Frühjahr hinein wird in Babelsberg produziert, auch um Mitarbeiter vor der Einberufung zu Wehrmacht und Volkssturm zu bewahren. Ende April erreicht die Sowjetarmee Potsdam und Babelsberg. Im Juli richten die Alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkriegs das Nachrichtenzentrum für die Potsdamer Konferenz im Studio ein.

1946 - 1992: DEFA
1946
Der erste deutsche Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns” (RE: Wolfgang Staudte) mit Hildegard Knef in der Hauptrolle wird in den Babelsberger Althoff-Ateliers gedreht. Am 17.5. wird dort die DEFA (Deutsche Film AG) gegründet. Antifaschistische Filme prägen das Profil der neuen Filmfirma von Anfang an. Im früheren Ufa-Studio arbeiten sowjetische Filmbetriebe, u.a. an der Synchronisation sowjetischer Filme für den deutschen Markt.
1947
Die sowjetische Besatzungsmacht gestattet DEFA-Mitarbeitern Aufräumarbeiten auf dem Studiogelände.
1948
Im Januar beginnt die DEFA den Zirkusfilm „1-2-3-Corona” (RE: Hans Müller) in Babelsberg und Berlin zu drehen. In den folgenden Jahrzehnten entstehen kontinuierlich Kinderfilme, 160 insgesamt – das ist einzigartig in Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter im Studio wächst im ersten Halbjahr von 14 auf über 100. In den nächsten Jahren vollbringen frühere Ufa-Mitarbeiter gemeinsam mit Antifaschisten und neu gewonnenen DEFA-Leuten eine unglaubliche Aufbauleistung.
1949
Die politische Führung der DDR kontrolliert die Filmproduktion, von der Gründung des Staates im Oktober bis zu seinem Ende 40 Jahre später. Das erste DEFA-Kino in Berlin wird eröffnet. Die DEFA-Betriebszeitung „DEFA-Blende” erscheint zum ersten Mal. Der Opernfilm „Figaros Hochzeit” (RE: Georg Wildhagen) wird zum Publikumserfolg des Jahres.
1950
Die SED, Staatspartei der DDR, verschärft die Filmzensur. In der Weihnachtszeit hat der erste DEFA-Farbfilm „Das kalte Herz” (RE: Paul Verhoeven) Premiere, er steht am Beginn der Hoch-Zeit der DEFA-Märchenfilme in den 50er und 60er Jahren.
1951
Als erster bereits aufgeführter DEFA-Film wird „Das Beil von Wandsbek” (RE: Falk Harnack) kurz nach der Premiere verboten. Harnack tritt als künstlerischer Direktor zurück. Im August hat „Der Untertan” (RE: Wolfgang Staudte) Premiere, dessen Aufführung im Westen wegen antideutscher Propaganda abgelehnt wird.
1953
Bald arbeiten weit über 1000 Künstler, Techniker, Erfinder, Handwerker und Verwaltungsangestellte in der Filmstadt, die sich auf 460.000 Quadratmetern ausdehnt. Ab dem 1.1. sind alle sowjetischen Beteiligungen an DEFA-Betrieben beendet, sie werden komplett verstaatlicht. Das Studio heißt nun „VEB DEFA-Spielfilm”. Die SED-Führung veranlasst die Entlassung von Beschäftigten, die in West-Berlin wohnen. 1953 bis 1955 dreht Regisseur Kurt Maetzig im Staatsauftrag einen aufwändigen zweiteiligen Farbfilm über den Arbeiterführer Ernst Thälmann mit Günther Simon in der Hauptrolle, der das Geschichtsbild von Millionen DDR-Zuschauern nachhaltig prägt.
1958
Trotz einzelner Erfolge tut sich die DEFA schwer, ihr Publikum zu erreichen. Um die Qualität der Filme zu verbessern, werden künstlerische Arbeitsgruppen gegründet, die eigenverantwortlicher als bisher an Projekten arbeiten. Der französische Star Jean Gabin steht in Babelsberg vor der Kamera, der Film „Die Elenden” (RE: Jean-Paul Le Chanois, „Les Misérables”) steht am Beginn einer Reihe deutsch-französischer Koproduktionen.
1959
Bei den Filmfestspielen in Cannes wird Konrad Wolfs Film „Sterne” ausgezeichnet. Der erste Fernsehspielfilm mit dem symbolträchtigen Titel „Brücke zwischen gestern und morgen” wird fertig gestellt. In den folgenden dreißig Jahren produziert das Studio im Auftrag des Fernsehens der DDR 540 Filme.
1960
Die erste deutsch-sowjetische Koproduktion heißt „5 Tage – 5 Nächte” (RE: Heinz Thiel). Der erste DEFA-Sciencefiction-Film „Der schweigende Stern” (RE: Kurt Maetzig) ist auch der erste DEFA-Film mit Mehrkanal-Magnetton. DEFA-Techniker beginnen mit der Entwicklung einer 70-mm-Großbildkamera.
1961
Die DEFA-Betriebskampfgruppe beteiligt sich im August an der Sicherung des Baus der Berliner Mauer. Mit 27 Premieren verzeichnet das Studio die höchste Jahresproduktion seiner Geschichte.
1965
Das 11. Plenum des ZK der SED verurteilt kritische, lebensnahe Kunst, deshalb verschwindet mehr als die Hälfte der DEFA-Jahresproduktion im Archiv. An diesen Filmen beteiligte Künstler und Kulturfunktionäre werden mit Berufsverboten bestraft. Filmemacher weichen in den folgenden Jahren in die Historie oder in Literaturverfilmungen aus.
1966
DEFA-Indianerfilme werden für mehr als ein Jahrzehnt zu Kassenmagneten.
1968
Der erste 70-mm-DEFA-Film „Hauptmann Florian von der Mühle” (RE: Werner W. Wallroth) mit Manfred Krug in der Hauptrolle läuft erfolgreich an. Nun produziert auch die DDR, wie die Sowjetunion, die USA, Großbritannien und Frankreich auf 70-mm-Material. Der antifaschistische Film „Ich war neunzehn” (RE: Konrad Wolf) ist ein künstlerischer Höhepunkt dieser Traditionslinie und wird auch vom Publikum angenommen.
1969
Weil sich die DDR um internationale Anerkennung als eigenständiger deutscher Staat bemüht, gibt es 19 DEFA-Filmwochen: in Asien, in Afrika, im Nahen Osten und in sozialistischen Ländern. Die erste DDR-Filmwoche in der BRD findet in Oberhausen statt. Zum 20. Jahrestag der DDR präsentiert die DEFA den Publikumserfolg „Zeit zu leben” (RE: Horst Seemann).
1972
Der Gegenwartsfilm „Der Dritte” (RE: Egon Günther) erhält beim Filmfestival in Karlovy Vary einen Hauptpreis, Hauptdarstellerin Jutta Hoffmann wird beim Internationalen Filmfestival in Venedig als beste Schauspielerin geehrt. In den kommenden Jahren werden Filme über selbstbewusste Frauen zu Publikumslieblingen, so 1973 „Die Legende von Paul und Paula” (RE: Heiner Carow).
1974
„Jakob der Lügner” (RE: Frank Beyer), eine Koproduktion zwischen DEFA und Fernsehen, wird im Dezember ausgestrahlt, kommt im Folgejahr ins Kino und wird als einziger DEFA-Film für den Oscar nominiert.
1976
An der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann entzündet sich der schwelende Konflikt zwischen kritischen Künstlern und der Staatsmacht. Auch prominente Filmleute, so Schauspieler Manfred Krug und Regisseur Frank Beyer, protestieren gegen staatliche Willkür. Diese Konfrontation wirkt nach: Immer mehr Künstler verlassen die DDR.
1978
Die Bilanz nach 25 Jahren DEFA-Außenhandel weist Verträge mit 1100 Filmverleihgesellschaften und Fernsehstationen aus, in 80 Länder wurden DEFA-Filme exportiert.
1980
Der angesehene Regisseur Konrad Wolf hat endlich wieder einen Gegenwartsfilm gemacht und das Publikum strömt in die Kinos. Hauptdarstellerin Renate Krößner erhält auf der Berlinale für ihre Rolle in Wolfs „Solo Sunny” den Silbernen Bären. Wie zu Anfang der 70er Jahre stehen in den nächsten Jahren wieder Frauenfiguren im Mittelpunkt erfolgreicher Filme.
1983
Im Studio arbeiten 2400 Mitarbeiter an 33 Kinospielfilmen und 26 Fernsehspielfilmen mit 52 Teilen. Dennoch machen sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR immer stärker bemerkbar, weil kaum investiert wird.
1985
Der erste „Goldenen Bär” der Berlinale für einen DEFA-Film geht an „Die Frau und der Fremde” (RE: Rainer Simon). Fernsehfilme machen in den 80er Jahren ca. 40 Prozent der Produktion aus, u.a. bindet der Fernseh-Zweiteiler „Ernst Thälmann” erhebliche Studiokapazitäten. Mit Peter Kahanes Debütfilm „Ete und Ali” kann die junge Regie-Generation endlich einen Kinoerfolg verbuchen.
1987
Ein modernes Fernsehmisch- und Synchronatelier wird nach 26 Monaten Bauzeit eingeweiht. 16 Kinospielfilme und 24 Fernsehfilme mit 23 Teilen werden produziert. Der Plan ist übererfüllt, auch weil das Studio die 750-Jahr-Feier Ost-Berlins ausstattet.
1988
Der Film „Einer trage des andern Last” (RE: Lothar Warneke) wird vom Publikum sehr gut angenommen und angeregt diskutiert, obgleich sein Thema – Toleranz zwischen Christen und Sozialisten und deren gemeinsame humanistische Ideale – ebenso überfällig ist wie Reformen in der DDR.
1989
Ab Oktober äußert sich unterdrückter Unmut auch im Studio öffentlich: Zu den Forderungen gehört die Zulassung der 1965 verbotenen Filme. DEFA-Filme laufen während der „Wende” in leeren Kinos. Der amtierende Generaldirektor verkündet zum Jahreswechsel, dass das Studio mittels staatlicher Filmförderung, internationaler Koproduktionen und Dienstleistungen konkurrenzfähig werden muss.
1990
Die Treuhandanstalt privatisiert die DDR-Staatsbetriebe, DEFA-Betriebe werden zu GmbHs. Von den 2400 Mitarbeitern werden hunderte entlassen – der Beginn eines fast vollständigen Aderlasses, der erst mehr als ein Jahrzehnt später endet. Filmleute und Politiker engagieren sich für den Erhalt des Babelsberger Traditionsstandortes, sogar der französische Kulturminister Jack Lang unterstützt ein europäisches Film- und Fernsehzentrum in Babelsberg. 14 DEFA-Produktionen haben Premiere, meist mit bescheidener Resonanz: Seit 3. Oktober sind aus DDR-Bürgern Bundesbürger geworden, der Wechsel fordert seinen Tribut.
1991
Der ORB (Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg), Regionalsender der ARD, siedelt sich auf dem Filmgelände an und geht auf Sendung. Babelsberg leidet unter Mangel an Fernsehaufträgen, aber noch werden DEFA-Filme produziert. „Der Tangospieler” (RE: Roland Gräf) gewinnt mehrere Bundesfilmpreise. Eine Arbeitsgruppe der Treuhand entwickelt eine touristische „DEFA-Tour”, die im August startet. Mit über einer Millionen Gegenständen ist der Babelsberger Requisitenfundus der größte seiner Art in Europa. Im Dezember werden die Europäischen Filmpreise im Studio verliehen.

1992 - 1999 Studio Babelsberg
1992
Der französische Großkonzern Compagnie Générale des Eaux (CGE, später: Vivendi) erhält von der Treuhand den Zuschlag für den Kauf des Studios, die neue Firma heißt Studio Babelsberg GmbH. Regisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff ist bis 1997 einer der Geschäftsführer der neuen Firma. Zur Bilanz der nach 45 Jahren abgewickelten DEFA gehören 700 Spielfilme und 540 Fernsehfilme und eine kontinuierliche Kinderfilmproduktion. Zunächst werden 780 DEFA-Mitarbeiter übernommen. In den nächsten Jahren will die CGE 470 Millionen DM investieren, davon 60 Millionen in die Filmproduktion. Von den 46 Hektar Betriebsgelände sind zwei Drittel für Medienbetriebe reserviert. Die Dreharbeiten zur ersten Kinoproduktion von Studio Babelsberg, „Der Kinoerzähler” (RE: Bernhard Sinkel) mit Armin Mueller-Stahl in der Hauptrolle, beginnen.
1993
Der letzte Spielfilm mit dem DEFA-Signet „Novalis – Die blaue Blume” (RE: Herwig Kipping) hat Premiere, ebenso der letzte DEFA-Kinderfilm „Zirri – Das Wolkenschaf” (RE: Rolf Losansky). Die DEFA-Filmtour, privatisiert und erweitert, heißt nun „Studiotour Babelsberg”. Aus dem Haus, das 1911 von Guido Seeber für die Bioscop entdeckt worden war, sendet das ORB-Jugendradio „Fritz“. Das gespenstisch wirkende Studio steht überwiegend leer, umfassende Modernisierungsarbeiten beginnen. Mit Billy Wilder besucht ein Regieweltstar den Ort seiner Anfänge. Die erste internationale Filmproduktion von Studio Babelsberg heißt „Mesmer” (RE: Roger Spottiswood).
1995
Die Grundy UFA mietet sich im neu errichteten Fernsehzentrum von Studio Babelsberg ein und produziert dort „Gute Zeiten, schlechte Zeiten” für RTL, die erfolgreichste Daily Soap der deutschen Fernsehgeschichte.
1996
Gegenüber von Studio Babelsberg siedelt sich die UFA Film- & Fernsehproduktion, Deutschlands größter Fernsehproduzent, an.
1998
Für den Erfolgsfilm „Sonnenallee” (RE: Leander Hausmann) entsteht auf dem Außengelände ein ganzer Straßenzug, der für später produzierte Filme immer wieder umgebaut wird. Geschäftsführer Carl-Friedrich Wachs, der Schlöndorff ablöst, setzt mit Babelsberg Independence auch auf Koproduktionen mit jungen und kleinen Produzenten – leider bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus, und er muss das Studio zwei Jahre später wieder verlassen.
1999
Auch Dank großzügiger öffentlicher Förderung entwickelt sich die Medienstadt Babelsberg: 60 Gebäude wurden abgerissen, die gesamte Infrastruktur modernisiert. Die neu errichteten Fernsehstudios sind ausgebucht. Mehr als 1500 feste und freie Mitarbeiter arbeiten in über 60 Film- und Medienfirmen, so bei der UFA Film- & Fernsehproduktion und beim Medienboard Berlin-Brandenburg. Der Filmpark Babelsberg erlebt mit 570.000 Gästen sein bis dahin erfolgreichstes Jahr. Das Studio Babelsberg etabliert sich als Dienstleister und wirbt im letzten Jahr des 20. Jahrhunderts mit dem Slogan „The studio where Fritz Lang shot ‘Metropolis’ and where Marlene Dietrich crossed her lovely legs”.


2000 - 2008: Studio Babelsberg

2000
Das Deutsche Rundfunkarchiv zieht mit seiner vor allem aus DDR-Fernsehproduktionen bestehenden Sammlung aus Berlin-Adlershof in einen Neubau auf dem Gelände des ORB-Fernsehens. Der bis dahin teuerste europäische Film „Duell – Enemy at the Gates” (RE: Jean-Jaques Annaud, „Enemy at the Gates”) entsteht. Die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf” bezieht einen Neubau auf dem Gelände der Medienstadt.
2001
Die Dreharbeiten zu Roman Polanskis „Der Pianist” („The Pianist”) finden statt. Der Film gewinnt bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2002 die Goldene Palme und mehrere Oscars.
2003
Die Dreharbeiten zur Hollywood-Produktion „In 80 Tagen um die Welt” (RE: Frank Coraci, „Around the World in 80 Days”) beginnen. ORB und SFB gründen den gemeinsamen RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) mit Sitz in Berlin und Potsdam, in Babelsberg arbeiten 650 RBB-Mitarbeiter.
2004
Matt Damon und Franka Potente spielen in „The Bourne Supremacy”, der weltweit erfolgreich läuft. Der französische Großkonzern Vivendi verkauft Studio Babelsberg an das Münchner Investorenduo Dr. Carl L. Woebcken und Christoph Fisser.
2005
Die Studio Babelsberg GmbH geht an die Börse und wird AG. Durch Anmietung von Hallen außerhalb des historischen Filmgeländes wird der Studiokomplex zum größten Europas. Drei Telenovelas entstehen vor Ort, darunter Marktführer „GZSZ”. Der erste Sender für Kinder „Radio Teddy” sendet aus dem Filmpark. Die Hollywood-Produktionen „V for Vendetta” und „Black Book” entstehen.
2006
Der Hollywood-Thriller, „The Constant Gardener”, produziert in Babelsberg, erhält einen Golden Globe, Hauptdarstellerin Rachel Weisz einen Oscar. „V for Vendetta” läuft auf der Berlinale. Die Bilanz am Jahresende ist jedoch ernüchternd: Die deutsch-österreichische Produktion „Die Fälscher” bleibt der einzige Kinofilm.
2007
2007 ist mit 11 Kinofilmen ein erfolgreiches Jahr. „The Bourne Ultimatum” mit Matt Damon wird gedreht. Tom Cruise dreht in „Valkyrie”, Tom Tykwer inszeniert „The International”, es gibt auch deutsche und europäische Produktionen. Mit „Hexe Lilly” wird nach 13 Jahren endlich wieder ein Kinderfilm gedreht. Das Filmorchester Babelsberg kehrt zurück auf das Studiogelände.
2008
Der Österreicher Stefan Ruzowitzky erhält für den 2007 entstandenen Film „Die Fälscher” den Oscar. Im Frühling wird die Gründung der Babelsberg Film School bekannt gegeben, im Herbst werden die Studenten auf andere Hochschulen verteilt. Wie im Vorjahr ist das Studio mit großen und mittleren Produktionen gut ausgelastet. Den größten öffentlichen Wirbel erzeugen Dreharbeiten des amerikanischen Kultregisseur Quentin Tarrantino. Zum Jahresende schließt das Studio einen Vertrag mit Hollywoodproduzent Joel Silver, der Babelsberger Beteiligungen für kommende Jahre sichern soll.


2009 - heute: Studio Babelsberg/ Europäisches Medienzentrum

2009

Studio Babelsberg vergibt auf der Berlinale erstmals den SHOOTING STAR Award, er geht an David Kross für seine Rolle in „The Reader. Kate Winslet gewinnt den Oscar als beste Schauspielerin für die weibliche Hauptrolle. Roman Polanski kehrt nach 8 Jahren ins Studio zurück und dreht „The Ghost Writer”. Aus Mangel an Aufträgen ordnet die Geschäftsführung Kurzarbeit an, schreibt 2009 rote Zahlen und zahlt keine Dividende.
2010

Roland Emmerich dreht „Anonymous”. Das ZDF verlegt seine Soap-Produktion nach Köln. Nach Jahresmitte sind die Studiokapazitäten ausgelastet, auch die angemieteten Hallen am Bahnhof Medienstadt. Erstmals wird in 3-D gedreht: „Die drei Musketiere”. Liam Neeson, Diane Kruger, Cate Blanchett, Isabella Rossellini, Vanessa Redgrave, Milla Jovovich und Orlando Bloom drehen in Babelsberg in sechs Großproduktionen. Das Unternehmen weist für das Jahr einen bescheidenen Gewinn aus.
2011

„Potsdam – Stadt des Films 2011” bereitet mit zahlreichen Veranstaltungen den 100. Geburtstag des Studios 2012 vor. Der zweitn Babelsberger 3-D-Film heißt „Hansel and Gretel: Witch Hunters”. Die X Filme-Produktion „Der Wolkenatlas” inszenieren die Matrix-Regisseure Lana & Andy Wachowski gemeinsam mit Tom Tykwer – die erste deutsche 100-Mio-Euro-Produktion: Tom Hanks. Die Stadt Potsdam stellt 5 ha. Fläche außerhalb des historischen Filmgeländes für die Erweiterung des Studios zur Verfügung.
2012

Am 12. Februar feiert Studio Babelsberg in der Marlene-Dietrich-Halle seinen 100. Geburtstag. Die Berlinale und Medien weltweit würdigen das Jubiläum.

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