Lindenhotel

Das »Große Holländische Haus« in der Potsdamer Lindenstraße blickt auf eine wechsel- und unheilvolle Geschichte zurück: 1809 bis 1817 tagte hier das erste Potsdamer Stadtparlament. Nach dessen Umzug wurde das Haus zum Gericht und Gefängnis umgebaut. Von 1933 bis 1945 waren hier Verfolgte des Nazi-Regimes inhaftiert. Das Potsdamer Erbgesundheitsgericht nutzte das Gebäude von 1934 bis 1944 und ordnete die Zwangssterilisation von mehr als 3.300 Männern und Frauen an. 1945 beschlagnahmte der sowjetische Geheimdienst den Gebäudekomplex und nutzte ihn als Untersuchungsgefängnis. Militärtribunale verhängten hier langjährige Haftstrafen und auch Todesurteile. 1952 wurde das Gefängnis an das MfS übergeben, das hier eine Untersuchungshaftanstalt betrieb, im Volksmund »Lindenhotel« genannt. Erst am 27. Oktober 1989 wurden die letzten politischen Häftlinge entlassen. Heute ist die Lindenstraße 54/55 eine Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung, Sonderausstellungen und Bildungsangeboten.
Als bei einem »Tag der offenen Tür« im Januar 1990 hunderte Menschen die Gelegenheit wahrnahmen, das Gefängnis von innen zu besichtigen, nutzten Fayd Jungnickel und Andreas Fischer die Chance, ehemalige Häftlinge, aber auch Stasi-Mitarbeiter*innen, nach ihren Erlebnissen und Ansichten zu befragen. Der sensationsheischenden Berichterstattung der Fernsehanstalten hielten die jungen Filmemacher einen zurückhaltenden Kinodokumentarfilm in Schwarzweiß entgegen.
In Anwesenheit der Filmemacher Fayd Jungnickel und Andreas Fischer
Moderation: Uta Gerlant (Leitung Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße)

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße

Dates

17 November 2019 | 11:00

Reprise: Lindenhotel