Der strenge Jüngling

Maschas Gesten sind pure Musik - zumindest für Grischa. Der Komsomolzen-Jüngling begehrt die mondäne Gattin von Professor Stepanov. Und diese genießt das heimliche Liebesdreieck!
Der Film, der den Arbeitstitel »Der zauberhafte Komsomolze« trug, wurde mitten in der Stalinära vom Studio Ukrainfilm auf der sonnigen Halbinsel Krim gedreht- und dies sogar zweimal, denn der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehene Schauspieler Konsovskij war 1934 am Filmset verhaftet worden. (Er starb 1938 im Gulag.) Aufgrund von groben Verstößen gegen den sozialrealistischen Stil wurde Der strenge Jüngling dann 1936 verboten. Allzu »camp« war diese Hymne an die Schönheit antikisch-nackter Körper, zu surreal die Zeichnung des sexuellen Begehrens zwischen den vermeintlich abgeschafften Klassen. Zugleich ist »Der strenge Jüngling« der einzige surrealistische Film, der in der UdSSR produziert wurde.

Vor dem Film: Gespräch mit Natascha Drubek (Chefredakteurin »Apparatus«) und Irina Schulzki (Redakteurin »Apparatus«)
Moderation: Ursula von Keitz (Filmmuseum Potsdam)

Das Journal »Apparatus«, Nummer 5, »Mise en geste. Studien zur Geste im Film und in der Kunst« ist frei zugänglich unter der Adresse: www.apparatusjournal.net

Termine

Film lesen - Carl Raddatz

In Carl Raddatz' (1912-2004) darstellerischem Werk, das einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren umfasst, spiegelte sich die psychisch-geistige Krise einer Generation, die ihre durch Geschichte und Zeitgeschehen bedingten Erfahrungen nicht zu bewältigen wusste. Renata Helkers, in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam erstelltes Buch sucht nicht die Kontinuität einer Lebensgeschichte, sondern konzentriert sich auf einzelne Arbeiten und Werkperioden des Schauspielers. Vor dem Hintergrund politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens untersucht sie die Darstellungsästhetik Carl Raddatz' in Theater und Film und deren ambivalente Wirkung.