Annelie. Die Geschichte eines Lebens

Der Film ist die späte Summe von Harbous Qualitäten und auch ihrer vaterländischen Haltung. Sie erfindet ein neues Genre für das deutsche Kino: die fiktive, lebensumspannende Biografie. Annelie erlebt zwei Kriege als private Tragödien, kommt stets eine Viertelstunde zu spät - mal glücklicherweise, mal nicht, begegnet ihrem Traummann, verliert ihn wieder, sorgt für die eigene Familie und alle anderen, die sich in ihrem Umfeld befinden. Ähnlich wird die Harbou von ihren Zeitgenossen beschrieben. Ist Annelie ihr Alter Ego? Die dramaturgische Brillanz des Films, gelungene melodramatische Details, ein kurzer Ausflug in himmlische Gefilde, die Schilderung von weiblicher Stärke, Anbetung und ebenso Demontage des Patriachats ... Hier ist das ganze verzwickte Harbou'sche Universum versammelt.

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Autorin - Regisseurin Thea von Harbou

Neben ihrer Tätigkeit für den Film war Thea von Harbou eine produktive Romanautorin. Bis auf wenige Ausnahmen hat ihre Prosa den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft. Heute wirkt ihre Wortschöpfungswut eher lächerlich. Werden ihre literarischen Arbeiten allerdings als Skizzen für mögliche Filme gelesen, ist leicht zu verstehen, warum diese Filme dann überwiegend auch gedreht wurden. Ihre Bücher schrien förmlich nach einer Adaption. Allzu oft fiel das Filmbild dann nüchterner aus als Harbous wortgewaltige Visionen. Immerhin schrieb der berühmte sowjetische Regisseur Wsewolod Illarionowitsch Pudowkin 1928 anerkennend über ihr Talent, einem Werk zu maximalem Effekt zu verhelfen. Über Ökonomie der Mittel sagt er nichts, wohl aber über ihre Präzision und filmische Fantasie. Sie setzte sich für den Tierschutz ein wie gegen den Abtreibungsparaphen 218, war gleichzeitig deutsch-national und begeistert für alle Weltreligionen - eine widersprüchliche Biografie mit Folgen für unsere Kultur- und Filmgeschichte.