Anders als Du und ich (§ 175)

Veit Harlan, Regisseur des antisemitischen Propagandafilms »Jud Süß « und zahlreicher weiterer Propagandafilme, 1950 von jeglicher Mitschuld am NS-Völkermord freigesprochen, nahm die Regie-Tätigkeit noch 1950 wieder auf. 1957 drehte er Anders als Du und ich über den 18-jährigen Gymnasiasten Klaus und seine vermeintliche »Fehlentwicklung« aufgrund homosexueller Neigungen. Der Film, geprägt von problematischen Auffassungen zu Homosexualität, spiegelt die Verflechtungen von Filmproduktion und öffentlicher Moral in den 1950er Jahren der BRD wider, stets im Schatten des Paragraphen 175. Trotz seiner negativen Perspektive auf schwule Männer wurde der Film von der FSK nur ab 18 Jahren unter Schnittauflagen freigegeben, die die queerfeindlichen Aspekte noch verstärkten. Aufführungen wurden von öffentlichen Protesten begleitet.
Einführung: Johanne Hoppe (Filmwissenschaftlerin)

Dates

29 November 2026 | 17:00

Filmerbe-Festival Als Queer schwarz-weiß war

Filmerbe-Festival26. bis 29. November 2026Nicht erst in jüngerer Zeit wurde das Kino ein Ort für progressive und queere Themen. Crossdressing und ein anarchisches Spiel mit Genderrollen und sexuellen Identitäten begleiten die Filmgeschichte von Anbeginn. Die Stummfilme der 1910er und frühen 1920er Jahre mit tabubrechenden Auftritten von Stars wie Asta Nielsen sind reich an auf- und erregenden Filmstoffen und -bildern. Ihre Präsenz auf der Leinwand schuf Sichtbarkeit für andere Formen des Begehrens und bleibt auch für spätere Generationen queerer Filmemacher*innen einflussreich.Mit der dritten Auflage des Filmerbe-Festivals gehen wir weiter in der Geschichte und betrachten die Zeit des Nationalsozialismus und der 1950er Jahre. Filme aus dieser Zeit waren oft selbst Mittel zur Delegitimation queerer Menschen. Spätere Spiel- und Dokumentarfilme erzählen wiederum die Geschichten queerer Menschen und gehören zur heutigen Erinnerungskultur. Geprägt wird das Festival durch Einführungsvorträge und musikalisch-performative Begleitprogramme, die die Filmauswahl mit historischen Kontexten versorgen und die Brücke in die Gegenwart schlagen.In Zusammenarbeit mit Katte e.V. und mit freundlicher Unterstützung durch QueerScope e.V. - gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Gefördert durch die Landeshauptstadt Potsdam.Medienpartner:Stummfilm Magazin, taz