Ludwig II.

Foto: DFF - Deutschen Filminstitut  Filmmuseum

Von der Krönung bis zum Tod Ludwig II. - Luchino Visconti »inszeniert, ja zelebriert die hinlänglich bekannten Lebensstationen seines Helden mit unverhohlener Sympathie in schwelgerischen und dekadent schönen Szenenfolgen, deren Rhythmus mehr von musikalischen als erzählerisch-dramaturgischen Erwägungen diktiert scheint.« (Filmdienst)
Diesen Sog brechen quasi-dokumentarische Kommentarsequenzen, in denen die Schauspieler*innen vor einem schwarzen Hintergrund direkt in die Kamera sprechen, und erzeugen eine kritsch-kühle Gegenposition zur einfühlsamen Erzählebene.
Wenn auch penibel recherchiert und weitestgehend auf historischen Fakten beruhend, richtet Visconti seinen Fokus nicht auf die großen historischen Momente, sondern auf die Privatperson Ludwig. Dessen Homosexualität spart der homosexuelle Künstler Visconti im Unterschied zu Helmut Käutner in »Ludwig II. - Glanz und Ende eines Königs« nicht aus. In der BRD, wo eine gekürzte, dreistündige Fassung des ursprünglich vierstündigen Films im Januar 1973 zur Uraufführung kam, wurde Viscontis Meisterwerk wegen der »perversen Stellen« um weitere 55 Minuten gekürzt. - Zu sehen ist bei uns die rekonstruierte, vierstündige Fassung.

Dates

26 Juli 2019 | 20:00

Filmgeschichte im Doppelpack

Von heute bis gestern, von den 2010ern zurück bis in die ersten Kino-Dekaden betrachtet die Reihe internationale Filmgeschichte im Doppelpack. Historische Referenzen werden aufgemacht - von inhaltlichen und formalen Analogien und Bezugnahmen über Hommagen, Kontinuitäten, Neuinterpretationen und Remakes zu mehr oder weniger eindeutigen Zitaten. Über Gattungs- und Genregrenzen hinweg wird die Filmgeschichte durchleuchtet, um deutlich zu machen, wie immens wichtig die Cinephilie und die Auseinandersetzung mit Filmgeschichte nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch und gerade für (angehende) Filmschaffende sind. Mit Jean-Luc-Godards »Die Verachtung« kommt die Rückschau in den 1960ern an. Zusammen mit Godards Hommage an Fritz Lang ist dessen ausgewiesenes Meisterwerk »M - Eine Stadt sucht einen Mörder« zu sehen. Von der französischen Filmzeitschrift »Cahiers du Cinéma«, zu deren Redaktionsteam Godard in den 1950ern gehörte, wurde »M« 2008 in die Liste der 100 besten Filme aller Zeiten aufgenommen.