Der NS-Arzt und -Massenmörder Josef Mengele konnte nach dem Krieg untertauchen und nach Argentinien fliehen. Der Film setzt 1955 mit dem Sturz des Regimes Perón ein, als Argentinien für den weiterhin überzeugten Nationalsozialisten nicht mehr sicher ist. Mit Hilfe eines weit verzweigten Netzwerks von Kollaborateur*innen und durch Geldzuweisungen aus der Bundesrepublik kann Mengele sich weiter in Südamerika verstecken - und 1956 noch einmal zu seiner Familie ins bayerische Günzburg zurückkehren. Am Ende seines Lebens wohnt er in einer Hütte in São Paulo, wo ihn 1977 sein Sohn Rolf besucht und wissen will, was sein Vater in Auschwitz getan hat. Mengele bleibt stur. Nach dem 2017 erschienenen gleichnamigen Tatsachenroman des französischen Autors Olivier Guez zeichnet der russische Regisseur und nach langem Moskauer Hausarrest in Berlin lebende Putin-Gegner Kirill Serebrennikov die historischen Stationen Mengeles akribisch nach. Die in distanzierendem Schwarz-Weiß gezeichnete Inszenierung Mengeles lässt dabei keine Identifikation zu. Ein Film über das Fortleben faschistischer Ideologie und Strukturen in der Nachkriegszeit - mit August Diehl in der Rolle Mengeles, den er mit kalter Präzision verkörpert.
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