Foyerausstellung

Diene Ehrlich Friedlichem Aufbau

bis 2.05.2027

Screenshot aus WURZELN, DDR 1986_1987

"Für eine bessere Welt! Nie wieder Krieg und Faschismus!"

Endlich ist Frieden, aber die Nachkriegszeit ist hart, in den Trümmern frieren und hungern die Menschen. Die Besatzungsmächte sind bestrebt, nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur den Antifaschismus und den Humanismus in den Köpfen der Deutschen zu verankern. Demokratische Parteien und Organisationen wollen die Teilhabe der Menschen befördern. Es soll ein anständiges und friedliches Deutschland werden. Die unfassbaren Zerstörungen erfordern Vertrauen in einen Neuanfang und harte Arbeit. Optimismus und Improvisationstalent sind mehr denn je gefragt.

Die Ausstellung beginnt im unteren Foyer mit der Vorstellung des Babelsberger Studios um 1949/1950. Genau in dieser Zeit beauftragte die Sowjetische Staatliche Aktiengesellschaft LINSA eine Geländedokumentation für den Wiederaufbau. Dafür wurden einzelne Gebäude-Mappen mit Foto, Funktion und technischen Zeichnungen angefertigt.

Auf der Galerie werden die schwierigen Anfänge der Filmproduktion mit dem AUGENZEUGEN, den Filmarbeiten in den Studios Johannisthal, Althoff und Babelsberg thematisiert. An acht ausgewählten Nachkriegsfilmen wird die künstlerisch mannigfaltige Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld, den deutschen Verbrechen und deren Ursachen sowie Gegenwartsthemen aufgezeigt.

Christiane Mückenberger beschreibt diese unmittelbare Nachkriegszeit wie folgt: "[Darin], die Wahrheit über den deutschen Faschismus zu vermitteln gab es vollen Konsens zwischen Politikern [ob sowj. Besatzungsoffiziere oder deutsche Politiker], Kulturpolitikern und Künstlern. Einen solchen Grad an Übereinstimmung zwischen Macht und Kunst hat es in der Folgezeit nie mehr gegeben."

Aufgezeigt wird auch, wie ab Mai 1948 mit der ersten zentralen SED-Kulturtagung der parteipolitische Einfluss durch immer straffere Kontroll- und Zensurverfahren auf die Stoffentwicklung und die Filme zu ernsthaften Verwerfungen der Filmproduktion führt. Der letzte vorgestellte Film DAS BEIL VON WANDSBEK ist 1951 der erste Verbotsfilm der DEFA.

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Screenshot aus WURZELN, DDR 1986_1987

In der Sowjetischen Besatzungszone übernimmt die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) am 9. Juni 1945 die Regierungsgeschäfte, zwei Monate später entstehen Deutsche Zentralverwaltungen. Viele Kultureinrichtungen werden durch Unterstützung der "Kulturoffiziere" der SMAD schnell aktiv. Der sowjetische Stadtkommandant von Berlin erteilt am 28. April 1945 die Spielerlaubnis für Theater und Kinos. Im Juni wird der "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung" gegründet. Es geht um einen geistig-kulturellen Neustart. Die liberale Kulturpolitik der unmittelbaren Nachkriegsjahre setzt auf eine demokratische und antifaschistische Erneuerung der Kultur, allen voran der Filmkunst.

Unter dem Dach der im August 1945 gegründeten Zentralverwaltung für Volksbildung versammeln sich Filmschaffende, einige davon gründen im Oktober das Filmaktiv, die Keimzelle der zukünftigen DEFA. Die SMAD beauftragt eine neue Filmproduktion, die als Teil der geistigen Umerziehung von Deutschen verantwortet werden soll. Als vordringlichste Aufgabe sieht sie die Realisierung einer neuen Wochenschau, die das große Informationsbedürfnis der Bevölkerung bedient und gleichzeitig zur Mitarbeit aufruft. Das Filmaktiv bemüht sich gemeinsam mit den sowjetischen "Kulturoffizieren", die Filmproduktion wieder zum Laufen zu bringen.

Zunächst müssen die durch Beschuss, Demontage bzw. Plünderung verwüsteten Ateliers und Werkstätten in Johannisthal (Berlin) und auf dem ehemaligen Ufa-Studiogelände (Potsdam Babelsberg) wieder instandgesetzt werden.

Die ersten Filme der frühen Nachkriegszeit - DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, EHE IM SCHATTEN, ROTATION oder DER RAT DER GÖTTER - spiegeln die unmittelbaren Bemühungen der Filmemacher*innen, Antworten auf die drängendste Frage zu finden: Wie konnte es geschehen, dass so viele Menschen der NS-Ideologie folgten? Es entstehen 'antifaschistische Filme' im eigenen Auftrag, die die nationalsozialistische Ideologie entlarven und das Publikum aufklären wollen.

Die Währungsreformen 1948 und die Gründung beider deutscher Staaten 1949 beenden den demokratischen Neubeginn im Osten Deutschlands, zementieren die deutsche Teilung und führen in den Kalten Krieg zwischen beiden Systemen. In der DDR wird mit der Entwicklung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zur "Partei neuen Typus" nach sowjetischem Vorbild der Zentralismus eingeführt, ebenso wird strikte Parteidisziplin innerhalb der SED eingefordert. 1951 beschließt das 5. Plenum des Zentralkomitees der SED das "Prinzip des sozialistischen Realismus" als oberstes Kunstprinzip. Von nun an geraten Filmprojekte immer wieder unter den Vorwurf des Formalismus und es kommt zu Maßregelungen. Viele Künstler*innen resignieren und verlassen das Land bzw. ihre Wirkungsstätten.

Die Ausstellung wirft ein Licht auf die historisch einmaligen filmkulturellen Leistungen der ersten Nachkriegsjahre und lädt ein, sich der Umbruchzeit und den Filmen erstmalig oder auch erneut zu widmen.

Dorett Molitor, Kuratorin