Boulevard des Films

Sommerfilmreihe im Filmmuseum Potsdam

Mit freundlicher Unterstützung durch die Landeshauptstadt Potsdam

Eintritt frei

Am 4. Juli beginnt die Realisierung des »Boulevards des Films« in der Brandenburger Straße im Herzen der UNESCO CREATIVE CITY OF FILM Potsdam. Die erste der Platten, die nicht Stars ehren, sondern an große Filme erinnern, wird in das neue Pflaster der Fußgängerzone eingelassen.
Gleich am Folgetag startet die gleichnamige Filmreihe. Von den 55 für den Boulevard ausgewählten Filmen, die in Potsdam gedreht wurden oder die mit Potsdam als Filmstandort eng verbunden sind, werden im Filmmuseum Potsdam zehn Produktionen zu sehen sein. Die ausgesuchten Filme decken unterschiedliche Genres und die Dekaden ab den 1920ern ab. Der Eintritt zu den Vorstellungen ist frei.


Freitag, 5. Juli 2024, 19 Uhr
Spur der Steine R: Frank Beyer, DDR 1966, 139'
Der populärste und nach 1989 erfolgreichste Verbotsfilm erzürnte die SED-Hardliner, begeisterte aber die wenigen Zuschauer*innen, die ihn 1966 bis zur Absetzung nach kurzer Laufzeit und inszenierten Störaktionen sehen durften. DEFA-Star Manfred Krug spielt in Beyers Baustellen-Western die Paraderolle des anarchischen Brigadiers Balla, der sich mit dem Parteisekretär Horrath und der Bauingenieurin Kati anlegt.
Manfred Krugs ikonischer, durch Spur der Steine verewigter Rollentypus wird auch im Themenraum »Mimen und Masken« der Dauerausstellung des Filmmuseums behandelt.


Samstag, 13. Juli 2024, 17 Uhr
Sonnenallee R: Leander Haußmann, D 1999, 94'
Ost-Berlin in den 1970ern: Micha Ehrenreich wohnt am kürzeren Ende der Sonnenallee, das längere liegt im Westen, mittendurch geht die Mauer. Die Wohnung ist eng, der Nachbar bei der Stasi. Wichtiger ist aber Miriam. Der Unerreichbaren legt Micha sein Leben zu Füßen.
Eine Komödie als Auseinandersetzung mit dem Leben in einer Diktatur und ein großer Publikumshit. Auf dem Außengelände des Studios Babelsberg wurden hierfür ein kompletter Grenzposten und ein Ensemble von Altbauten nachgebaut- die sogenannte Berliner Straße. Ein Modell davon befindet sich in unserer Dauerausstellung.


Samstag, 20. Juli 2024, 17 Uhr
Unter den Brücken R: Helmut Käutner, D 1945, 99'
Ein Film aus der Schlussphase des Krieges, ein sogenannter Überläufer. Poetisch und doch realistisch wird vom ungezwungenen Leben auf den Flüssen, über Liebe und Freundschaft erzählt. Eines Abends beobachten die Binnenschiffer Hendrik und Willi eine junge Frau, die sich offenbar in den Fluss stürzen will. Beherzt greifen sie ein, bieten Hilfe an. Bei einer gemeinsamen Schifffahrt nach Berlin verlieben sich beide in sie und schließen ein Abkommen: Wer ihre Liebe gewinnt, verliert seinen Anteil am Kahn.
Käutners Filmballade gelangte erst 1950 in die deutschen Kinos, nachdem er 1946 in Locarno einen Preis erhielt. Gedreht wurde unter anderem an der Glienicker Brücke und in Potsdam.


Samstag, 27. Juli 2024, 19 Uhr
V wie Vendetta R: James McTeigue, D/USA 2005, 132'
Die düstere Verfilmung des gleichnamigen Kult-Comics nach einem Drehbuch der Wachowski-Geschwister führt in ein London der nahen Zukunft. Dort herrscht ein totalitäres System, dem sich der maskierte V mit Gewalt widersetzt. Die junge Evey wird dabei zu seiner Verbündeten. Zu den Drehorten des mit Natalie Portman und Hugo Weaving starbesetzten Films gehört der prunkvolle Tanzsaal von Schloss Babelsberg.
In der Dauerausstellung des Filmmuseums kann als Originalrequisit die Guy-Fawkes-Maske aus dem Film bestaunt werden.


Samstag, 3. August 2024, 17 Uhr
Die Abenteuer des Prinzen Achmed R: Lotte Reiniger, Animation, D 1926, 65'
Der mit Musik unterlegte, farbige Stummfilm erzählt seine Geschichte nach Motiven des Märchens »Tausendundeine Nacht«. Von den vielen bekannten Figuren tauchen »Aladin mit der Wunderlampe« und »Dinarsade« auf.
Im Stil an chinesischen Schattenspielen orientiert, schuf Lotte Reiniger, damals in Potsdam lebend, einen künstlerisch perfekten Silhouettenfilm und den ersten (noch erhaltenen) abendfüllenden Animationsfilm der Filmgeschichte.
Für den »Boulevard des Films« wurde der Film aufgrund seiner künstlerisch-technischen Bedeutung ausgewählt.


Freitag, 9. August 2024, 19 Uhr
Coming Out R: Heiner Carow, DDR 1989, 112'
Der erste und einzige DEFA-Film zum Thema Homosexualität: Philipp ist Lehrer, seine Kollegin Tanja verliebt sich in ihn, und er zieht zu ihr. Als er einen schwulen Freund wieder trifft, den er einst auf Drängen seiner Eltern verlassen hatte, wird ihm bewusst, dass er seine sexuelle Neigung jahrelang unterdrückt hat. Bei einem heimlichen Besuch einer Schwulenkneipe verliebt er sich in Matthias, hält es aber vor Tanja geheim. Genauso verschweigt er Matthias, dass er mit einer Frau zusammenlebt.
Heiner Carows sensible und mutige Studie über Schwule in den letzten Tagen der DDR hatte am 9.11.1989 mit dem Fall der Mauer im Berliner Kino »International« Premiere.


Freitag, 16. August 2024, 19 Uhr
Solo Sunny R: Konrad Wolf, DDR 1980, 104'
Sunny, eine ehemalige Arbeiterin, will gegen alle Widerstände Sängerin sein. Sie lebt am Prenzlauer Berg und tingelt mit ihrer Band über die Dörfer. Taxifahrer Harry himmelt sie an, doch sie verliebt sich in den Saxofon spielenden Philosophen Ralph. Der schreibt ihr einen wunderschön einfachen und berührenden Text für ihren Soloauftritt, den sie sich so herbeiträumt.
Konrad Wolfs Film verhandelt die Frage, wie frei das Individuum in einer sozialistischen Gesellschaft sein darf und liefert eine wunderbar lakonische und melancholische Antwort. Die ungeschönte Darstellung der wenig attraktiven Rückseite der DDR-Hauptstadt überzeugte auch Zuschauer*innen und Kritiker*innen.
In der Dauerausstellung des Filmmuseums ist Solo Sunny an mehreren Stellen zu finden. Thematisiert werden die Genese des Drehbuchs, Hintergründe zur Produktion, vor allem aber die überragende Hauptdarstellerin Renate Krößner.


Samstag, 24. August 2024, 17 Uhr
Der Kongreß tanzt R: Erik Charell, D 1931, 101'
Während die europäischen Regenten 1814 beim Wiener Kongress die Neuordnung des Kontinents aushandeln, erlebt die Handschuhmacherin Christel ihre ganz privaten Abenteuer. Sie wird als Attentäterin verdächtigt und verhaftet und verdreht dann dem russischen Zaren Alexander den Kopf. Doch als die Nachricht von Napoleons Landung in Frankreich eintrifft, müssen die Herrscher wieder ans Herrschen denken.
Der frühe deutsche Tonfilm mit dem Traumpaar Lilian Harvey und Willy Fritsch war ein großer Publikumserfolg. Bei der Ufa in Babelsberg wurden gleichzeitig auch eine englische und eine französische Version dieser bedeutenden Tonfilmoperette gedreht. Die Technik der Synchronisation war noch üblich.


Samstag 31. August und Sonntag 1. September 2024, jeweils 15 Uhr
Moritz in der Litfaßsäule R: Rolf Losansky, DDR 1983, 86'
»Langsam und gründlich« ist die Devise des neunjährigen Moritz, mit der er Eltern, Geschwister und Lehrer*innen zum Verzweifeln bringt. Von allen ständig gerügt, rückt der kleine Träumer von Zuhause aus und verkriecht sich in einer Litfaßsäule mitten auf dem Marktplatz. In seinem »Land der Phantasie« trifft er auf eine sprechende Katze, ein Mädchen vom Zirkus und einen klugen Straßenkehrer - und er lernt, dass man vor seinen Problemen nicht davonlaufen kann. Der Kinderfilm ist ein Plädoyer für das Recht eines jeden Kindes auf Fantasie und eigenes Tempo. In der Dauerausstellung finden sich Kostümentwürfe und ein Modell der Katze-mit Bierflasche auf einer Kiste. (empfohlen ab 6 Jahre)


Samstag, 31. August 2024, 17 Uhr
Halt auf freier Strecke R: Andreas Dresen, D 2011, 110'
Frank und Simone haben sich einen Traum erfüllt und leben mit ihren beiden Kindern in einem Reihenhäuschen am Stadtrand. Sie sind ein glückliches Paar - bis zu dem Tag, an dem bei Frank ein inoperabler Hirntumor diagnostiziert wird. Die Familie ist plötzlich mit dem Sterben konfrontiert. Der Film des Potsdamer Regisseurs Andreas Dresen stellt die Frage nach dem Wissen und Begreifen der eigenen Endlichkeit. Ein eindringlicher Film, der weder Sentimentalität noch Überwältigung benötigt.
Auch aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz der Auseinandersetzung mit dem Tabuthema Sterben wurde der Film in den »Boulevard des Films« aufgenommen.