Queen Kelly

Schon zu Beginn seiner Karriere wurde Erich von Stroheim der Beiname »the man you love to hate« verpasst. Seine Filme zelebrieren Bosheit, Hochmut und geben detailreiche Einblicke in Lust und Perversion. Fast alle seiner Filme wurden gnadenlos verstümmelt und drastisch gekürzt. Mit den Worten »hier ist ein Verrückter am Drücker« stoppte Gloria Swanson, Filmstar und Produzentin, das Vermächtnis Stroheims. Zurecht befürchtete sie, dass Queen Kelly nicht die Zensur passieren würde, denn Stroheim ließ bei der Geschichte von einer puritanischen Klosterschülerin, die ein Bordell erbt, keine expliziten Details wie Nacktszenen oder Alkoholexzesse aus. Wir präsentieren eine restaurierte Version von 1985, die Stroheims Originalmanuskript folgt.
Einführung: Thembi Linn Hahn (Filmuniversität Babelsberg)

Termine

28 Oktober 2018 | 19:00

Meisterwerke non finito

Was wäre, wenn sich Romy Schneider durch ihre verführerisch-sinnliche Rolle in »Die Hölle« schlagartig vom Sissi-Image gelöst hätte? Oder wenn Henry-Georges Clouzot mit seinen flirrenden Bildern die Nouvelle Vague in den Schatten gestellt hätte? Ob George Lucas »Star Wars« überhaupt noch gedreht, wenn er Alejandro Jodorowskys »Dune« hätte sehen können?Einige große Wunden der Filmgeschichte würden heute nicht existieren, wenn man Erich von Stroheim künstlerische Freiheit, Sergej Eisenstein von Stalins Leine und Orson Welles das nötige Geld gelassen hätte.Flankierend zum UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes (27.10.) würdigen wir den geheimnisvollen, unsichtbaren Kanon der unvollendeten Meisterwerke. Mit Hilfe von Dokumentationen, die eine Rekonstruktion wagen, mit Neuaflagen und rekonstruierten Fragmenten sowie in Gesprächen und Einführungen werfen wir einen Blick auf eine andere Filmgeschichte und deren Autoren. Wir spüren Filmen nach, die es gar nicht gibt.In Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Filmkulturerbe der Filmuniversität Babelsberg. Mit Unterstützung des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften - ZeM