Metropolis

Zu seiner Zeit war Metropolis für die Produktionsfirma Ufa ein Desaster, heute ist er scheinbar der einzige deutsche Film der 1920er Jahre mit anhaltender Reputation und illustriert perfekt Harbous Fähigkeiten. Wird er in seine einzelnen Figuren und Situationen zerlegt und unter die Lupe genommen, wird klar: Es war alles schon einmal da, alles ist geborgt. Der Zuschauer ist aufgerufen, die eigene Bildung zu bemühen, um die Science-Fiction-Story mit (einem ganz privaten) Sinn zu füllen. Dieser ausgefuchste Umgang mit Stereotypen, der umständliches Erzählen und Psychologie überflüssig macht, weist Thea von Harbou als eine frühe postmoderne Autorin aus. Seit seiner Rekonstruktion, jetzt fast in kompletter Länge vorliegend, entfaltet der Film bislang unentdeckte Qualitäten: noch mehr Action und Sex, und sogar Humor.

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Autorin - Regisseurin Thea von Harbou

Neben ihrer Tätigkeit für den Film war Thea von Harbou eine produktive Romanautorin. Bis auf wenige Ausnahmen hat ihre Prosa den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft. Heute wirkt ihre Wortschöpfungswut eher lächerlich. Werden ihre literarischen Arbeiten allerdings als Skizzen für mögliche Filme gelesen, ist leicht zu verstehen, warum diese Filme dann überwiegend auch gedreht wurden. Ihre Bücher schrien förmlich nach einer Adaption. Allzu oft fiel das Filmbild dann nüchterner aus als Harbous wortgewaltige Visionen. Immerhin schrieb der berühmte sowjetische Regisseur Wsewolod Illarionowitsch Pudowkin 1928 anerkennend über ihr Talent, einem Werk zu maximalem Effekt zu verhelfen. Über Ökonomie der Mittel sagt er nichts, wohl aber über ihre Präzision und filmische Fantasie. Sie setzte sich für den Tierschutz ein wie gegen den Abtreibungsparaphen 218, war gleichzeitig deutsch-national und begeistert für alle Weltreligionen - eine widersprüchliche Biografie mit Folgen für unsere Kultur- und Filmgeschichte.