Frühjahrsparade

Géza von Bolvárys Frühjahrsparade ist ein heute weitgehend vergessener Film. Seine Handlung bettet die Entstehung des Deutschmeister-Marsches von Wilhelm Jurek in eine romantisch-musikalische Liebesgeschichte im alten Wien ein, Kaiser inklusive. Weitaus bekannter bis heute- dank seiner Hauptdarstellerin Romy Schneider - ist das 1955 unter dem Titel »Die Deutschmeister« entstandene Remake.
»Frühjahrsparade« ist zugleich der letzte Film mit der ungarisch-jüdischen Hauptdarstellerin Franziska Gaal, der nach Zensurauseinandersetzungen schließlich im Februar 1935 im Deutschen Reich uraufgeführt wurde. Produziert wurde er von Joe Pasternak, gedreht in Budapest ohne Rücksicht auf die seit 1933 geltenden antisemitischen Bestimmungen des deutschen Filmmarkts. Der Vergleich mit dem Remake offenbart Anknüpfungs- wie auch deutliche Wandlungsprozesse etwa in Bezug auf die Inszenierung von Weiblichkeit und Militär und deren Rezeption - trotz allenfalls geringfügiger Änderungen des Drehbuchs.
Vor dem Film: Gespräch mit Stefanie Mathilde Frank (»Wiedersehen im Wirtschaftswunder. Remakes von Filmen aus der NS-Zeit in der BRD 1949-1963«)
Moderation: Ursula von Keitz (Filmmuseum Potsdam)

Termine

Film lesen - Carl Raddatz

In Carl Raddatz' (1912-2004) darstellerischem Werk, das einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren umfasst, spiegelte sich die psychisch-geistige Krise einer Generation, die ihre durch Geschichte und Zeitgeschehen bedingten Erfahrungen nicht zu bewältigen wusste. Renata Helkers, in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum Potsdam erstelltes Buch sucht nicht die Kontinuität einer Lebensgeschichte, sondern konzentriert sich auf einzelne Arbeiten und Werkperioden des Schauspielers. Vor dem Hintergrund politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehens untersucht sie die Darstellungsästhetik Carl Raddatz' in Theater und Film und deren ambivalente Wirkung.