Berlinale Spotlight - Perspektive Deutsches Kino

Berlinale Spotlight - Perspektive Deutsches Kino
1.-5. März 2023

Es brennt an allen Ecken und Enden: Komplexe gesellschaftliche und politische Konflikte, der Klimawandel und die Notwendigkeit für Naturschutz, dazu die üblichen privaten Spannungen, die Fragen nach Engagement, Nähe und Distanz. Mitten drin: Junge Talente aus Deutschland, die kein Thema scheuen. Ihre versatile und leidenschaftliche filmische Umsetzung schafft Hoffnung. Denn das Problem zu erkennen und zu benennen, ist ein wichtiger erster Schritt.
Das diesjährige Programm der Perspektive Deutsches Kino ist hochaktuell, brisant und emotional. Vier lange Spielfilme, drei Dokumentarfilme sowie drei mittellange Spielfilme erzählen von den mitunter schmerzhaften Versuchen, die Welt zu verstehen - und davon, sie zu verbessern.
Auch in diesem Jahr dürfen wir uns in Potsdam auf die Filme der Berlinale-Sektion und auf Gespräche mit deren Macher*innen freuen.
Wir danken der Sektionsleiterin Jenni Zylka und ihrem Team.

Mi., 1. März 2023, 18:00 Uhr
Die Brautentführung El Secuestro de la Novia
R: Sophia Mocorrea, D: Rai Todoroff, David Bruning, Anne Kulbatzki, D 2023, 30'
Der Deutsche Fred und die Argentinierin Luisa führen eine gleichberechtigte Beziehung außerhalb von Konventionen. Auf ihrer Hochzeit werden sie von den Erwartungen anderer eingeholt: Die merkwürdige Tradition der Brautentführung stellt den Lebensentwurf des Paares infrage.
Ihre Weltpremiere durfte die Produktion der Filmuniversität Babelsberg bereits kurz vor der Berlinale auf dem wichtigen Independent-Filmfestival in Sundance feiern.

Langer Langer Kuss

R: Lukas Röder, D: Nils Thalmann, Luisa Bocksnick, Michael Zittel, D 2023, 40'
Um die Erinnerung an die Küsse seines Ex-Freunds zu bewahren, putzt sich Aaron nicht mehr die Zähne. Die Appelle seiner Schwester an Aarons Vernunft scheitern, und beim Besuch des autoritären Vaters eskaliert alles. Das Drama thematisiert auf berührende Weise mentale Gesundheit.

Ash Wednesday
Quarta-Feira
R: João Pedro Prado, Bárbara Santos, D: Uriara Maciel, Ronni Maciel, Jefferson Preto, D 2023, OmU, 29'
In einer Favela in Rio de Janeiro wartet Demétria am letzten Karnevalstag auf ihre Tochter. Doch eine brutale Polizeirazzia besiegelt das Schicksal der beiden Frauen. Zu brasilianischen Rhythmen verhandelt das Kurzmusical Rassismus und soziale Konflikte. Ash Wednesday ist eine
Produktion der Filmuniversität Babelsberg.

Do., 2. März 2023, 19:00 Uhr
Sieben Winter in Teheran
R: Steffi Niederzoll, F/D 2023, Dok., 97'
Nach sieben Jahren Gefängnis wird die Studentin Reyhaneh Jabbari in Teheran wegen Mordes gehängt. Sie hatte in Notwehr gegen einen Vergewaltiger gehandelt und wurde wegen Mordes verurteilt. Für eine Begnadigung hätte sie ihre Aussage zurücknehmen müssen. Der bewegende Film rollt den Fall neu auf.

Fr., 3. März 2023, 18:00 Uhr
Vergiss Meyn Nicht
R: Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl, Jens Mühlhoff, D 2023, Dok., 100'
Herbst 2018. Seit sechs Jahren ist ein Stück Wald auf der geplanten Abbaufläche des Braunkohletagebaus Hambach von Klimaaktivist*innen besetzt. Nun versucht das Land NRW den Wald zu räumen, mit einem Polizeieinsatz, den Gerichte später für illegal erklären. Der Filmstudent Steffen Meyn stirbt beim Sturz aus einem Baumhaus. Der Filmkombiniert das von ihm mit einer 360°-Helmkamera gedrehte Material und retrospektive Interviews mit Umweltschützer*innen und fragt, wie weit Aktivismus gehen sollte.

Fr., 3. März 2023, 20:30 Uhr
Elaha
R: Milena Aboyan, D: Bayan Leyla, Derya Durmaz, Nazmi Kirik, D 2023, 110'
Die 22-jährige Elaha versucht vor ihrer Hochzeit ihre vermeintliche Unschuld wiederherzustellen. Ein Chirurg soll ihr Hymen rekonstruieren. Doch für den Eingriff fehlt ihr das Geld. Zudem fragt sie sich, für wen sie eigentlich Jungfrau sein soll. Ein Film über eine junge Frau, die auf dem Schlachtfeld des Patriarchats täglich um ein Stück Autonomie kämpft.

Sa., 4. März 2023, 18:00 Uhr
Ararat
R: Engin Kundağ, D: Rasim Jafarov, Merve Aksoy, Funda Rosenland, D 2023, 95'
Zeynep soll in Berlin absichtlich einen Verkehrsunfall verursacht haben. Sie flieht in die Türkei, wo ihr selbstdestruktives, aggressives Verhalten nicht nur ihre Familie irritiert. Der ruhende Vulkan Ararat thront über der angespannten Situation.

Sa., 4. März 2023, 20:30 Uhr
Knochen und Namen
R: Fabian Stumm, D: Fabian Stumm, Knut Berger, Marie-Lou Sellem, D 2023, 102'
Boris' und Jonathans Beziehung steht an einem Wendepunkt. Schauspieler Boris beginnt, Arbeit und Realität zu vermischen und Schriftsteller Jonathan muss sich seinen Ängsten stellen. Mit messerscharfem Witz erkundet der sehr persönliche Spielfilm Fragen um Distanz und Nähe.


So., 5. März 2023, 18:00 Uhr
Atomnomaden Nomades du nucléaire
R: Kilian Armando Friedrich, Tizian Stromp Zargari, D/F 2023, Dok., OmU, 74'
Marie-Lou, Florian, Vincent und Jérôme arbeiten für Subunternehmen in der französischen Atomindustrie. Ihre Aufgabe: das Säubern von Atomreaktoren , wo immer es benötigt wird. In Wohnmobilen reisen sie von AKW zu AKW und campieren auf den Parkplätzen der Atomkraftwerke. Bei der Arbeit, mit der sie Geld für das Leben danach sparen, sind sie starker Strahlung ausgesetzt. Im Namen der Zukunft setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel.

So., 5. März 2023, 20:00 Uhr
Geranien
R: Tanja Egen, D: Friederike Becht, Marion Ottschick, Peer Martiny, D 2023, 84'
Die junge Schauspielerin Nina kehrt zur Beerdigung der Oma ins Ruhrgebiet zurück. Dort wird die selbstbestimmte Nina mit einem ganz anderen Lebensstil konfrontiert. Sie und ihre Mutter haben sich wenig zu sagen, es kommt zu Spannungen, und doch gibt der Tod Anlass, sich anzunähern. Untermalt von Kleinstadtgeräuschen füllt das beredte Schweigen komplexer Mutter-Tochter-Beziehungen den liebevoll erzählten "Heimatfilm".

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