Vortrag: Erfahrungshorizont Ost - Was wir von Osteuropa lernen können

Vortrag von Stephan Wackwitz, Schriftsteller und Publizist, ehemaliger Leiter der Goethe-Institute Kraków, Bratislava und Tbilissi.

Das Thema des Abends geht aus dem Leben und der Arbeit Christiane Mückenbergers hervor, die sich als Filmhistorikerin, als Hochschullehrerin, als Übersetzerin wie vielleicht keine zweite Person in Deutschland für den osteuropäischen Film stark gemacht hat.

Der Film aus dem Osten (also der sowjetische, bzw. russische, ukrainische, georgische, armenische, lettische, moldauische, sowie der polnische, tschechische, slowakische, ungarische, rumänische, bulgarische usw. ist untrennbar mit der Geschichte des Weltfilms verbunden und hat stets den Austausch mit der Welt gesucht. Doch trotz des Enthusiasmus für den modernen Film aus Ost-, Mittelost- und Südosteuropa, das sich zum Beispiel in speziellen Filmfestivals (Cottbus, Wiesbaden) zeigt, läuft die Filmgeschichte des Ostens Gefahr, abgeschrieben zu werden.

Stephan Wackwitz mutige, nahezu trotzige Ansagen und Aussagen in Publikationen wie »Osterweiterung«, »Die vergessene Mitte der Welt«, regen dazu an Europa als Einheit in der Diversivität zu sehen und dabei auch die Besonderheiten des Ostens zu berücksichtigen. Vielleicht tun wir gut daran, wenn wir unseren Blick auf Europa - nicht nur bei der Filmgeschichte - ein wenig in Richtung Osten justieren.

Dates

Ein Abend für Christiane Mückenberger

Geboren 1929 in Gleiwitz kommt Christiane Mückenberger 1947 nach Berlin. Polnisch hat ihr das Leben beigebracht, Russisch liegt in der Zeit. Sie wendet sich der Slawistik zu, erst im Studium, dann an der Akademie der Wissenschaften. Doch was ist die russische Literatur des 19. Jahrhunderts gegen Eisenstein oder aufregende neue Filme aus Polen? Der Anbeginn eines neuen DEFA-Films, Festivals, Begegnungen zeigen eine Wende in Weltverständnis und Kunstauffassung an, die Mückenberger als Herausforderung und Verpflichtung annimmt. Der Eintritt ins gerade eröffnete Institut für Filmwissenschaft 1963 ist folgerichtig. Für Kurt Maetzigs »Kaninchen-Film« macht sie sich stark. Mit Folgen. Christiane Mückenberger verliert ihren Job. Nach Wiederzulassung zu Lehre und Forschung - ein Jahrzehnt später - konzentriert sie sich auf die Geschichte der DEFA und die Einbeziehung von Student*innen in die Forschung, woraus zwei Dokumentationen folgen. Als Intendantin des Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm ist sie in Leipzig 1990 bis 1993 federführend. Sie mischt in der IG Medien beim Thema Frauen und Film mit, gibt der Wiederbegegnung mit DEFA-Filmen im ORB Gesicht und Wort und, ist Gastdozentin an der Münchener HFF über sowjetischen Spielfilm.Was für ein Leben! Nun ist sie 90 geworden. Glückwunsch, Christiane Mückenberger, Mitbegründerin des Filmmuseums Potsdam und Dozentin der Hochschule für Film und Fernsehen.Wir feiern mit einem Vortrag von Schriftsteller und Publizist Stephan Wackwitz, weiteren Gästen und dem Dokumentarfilm »Die Mitte« (R: Stanislaw Mucha, D 2004).
In Zusammenarbeit mit der Rosa Luxemburg Stiftung Brandenburg