Elisabeth und der Narr

Das Regiedebüt Thea von Harbous Ein finanzielles und künstlerisches Desaster. Der eindimensionale Kontrast zwischen religiöser Reinheit und dumpfer Triebhaftigkeit rief die Zensur auf den Plan. Wie wurde der Film damals gesehen? Harbous die Sympathie jedenfalls galt dem Missgestalteten, Ausgestossenen. War es ein entsetzter, filmischer Kommentar zur gerade angebrochenen, »neuen Zeit«? Spekulation. Die Harbou nutzte die Lücke, die durch den von den Nazis erzwungenen Weggang vieler jüdischer Filmkünstler*innen entstanden war. Sie legte 1933/34 zwei eigene Regiearbeiten vor ... und ließ danach wieder die Finger von dieser Profession, schrieb stattdessen Komödien und schwergewichtige Propagandastücke, trat 1940 der NSDAP bei, half jüdischen Kolleg*innen und arbeitete nach dem Krieg freiwillig ihre Schuld als Trümmerfrau ab.

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Autorin - Regisseurin Thea von Harbou

Neben ihrer Tätigkeit für den Film war Thea von Harbou eine produktive Romanautorin. Bis auf wenige Ausnahmen hat ihre Prosa den Sprung in die Gegenwart nicht geschafft. Heute wirkt ihre Wortschöpfungswut eher lächerlich. Werden ihre literarischen Arbeiten allerdings als Skizzen für mögliche Filme gelesen, ist leicht zu verstehen, warum diese Filme dann überwiegend auch gedreht wurden. Ihre Bücher schrien förmlich nach einer Adaption. Allzu oft fiel das Filmbild dann nüchterner aus als Harbous wortgewaltige Visionen. Immerhin schrieb der berühmte sowjetische Regisseur Wsewolod Illarionowitsch Pudowkin 1928 anerkennend über ihr Talent, einem Werk zu maximalem Effekt zu verhelfen. Über Ökonomie der Mittel sagt er nichts, wohl aber über ihre Präzision und filmische Fantasie. Sie setzte sich für den Tierschutz ein wie gegen den Abtreibungsparaphen 218, war gleichzeitig deutsch-national und begeistert für alle Weltreligionen - eine widersprüchliche Biografie mit Folgen für unsere Kultur- und Filmgeschichte.