METAMORPHOSEN - Foyerausstellung Lutz Dammbeck

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METAMORPHOSEN - Foyerausstellung Lutz Dammbeck

"Die Realität ist durch den klassischen Bildbegriff nicht abbildbar." (Lutz Dammbeck)

Viele Künstler träumen davon, ihre Bilder in Bewegung zu setzen. Es geht um inhaltliche undformale Grenzüberschreitungen, die Weitung des klassischen Bildbegriffs, um Verwandlungstatischer Formen durch die Dimensionen der Zeit und der Bewegung.
Lutz Dammbecks künstlerische Arbeit begann Mitte der 1970er Jahre, als sich Kunst in der DDR internationalen Strömungen wie Pop-Art oder Surrealismus vorsichtig öffnen konnte. Bis dahin hatte die offizielle, verengte und vor allem verengende Realismus-Auffassung die DDR-Kunst isoliert. Junge Absolventen der Kunsthochschulen in Leipzig, Halle und Berlin erprobten nun Grenzüberschreitungen in den Genres, wandten sich vom konventionellen Bilderkanon ab. Der Film bot da ideale Möglichkeiten.
Dammbeck orientierte sich an Arbeiten von Man Ray, Oskar Fischinger, Viking Eggeling und Hans Richter, der postulierte: "Moderne Malerei und Film scheinen sich zu ergänzen."
Lutz Dammbeck studierte zunächst Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, später wechselte er zur Plakatgestaltung. Dort stieß er auf Jan Lenica, einem polnischen Grafiker, der auch Trickfilme realisierte. Das inspirierte ihn: "da kann man seine zeichnerischen Sachen bewegen, eine größere Emotionalität, eine größere Wirkung erzielen ... die Möglichkeit, vom Einzelblatt wegzugehen und eine Geschichte erzählen." Dammbeck sperrte sich schon an der Hochschule gegen die starre Trennung der Disziplinen, "cross-over" war dort noch unbekannt. Anregungen fand er im westdeutschen Fernsehen, auf der Internationalen Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen, in der Musik, in der Kunstliteratur. Im Leipziger Kino Casino und in den Filmsichtungen an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR in Potsdam Babelsberg fand seine "richtige Hochschule" statt. Er sah Filme von Kurosawa, der polnischen und ungarischen Avantgarde, auch alte Ufa-Filme. 1975 realisierte Dammbeck seinen ersten Animationsfilm DER MOND - und schon hier unterlief er den festgefahrenen Traditionalismus des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden. Parallel bereitete er in Leipzig mit anderen Künstlern eine erste multimediale, die Genregrenzen auflösende Ausstellung vor: "Tangente 1 - Malerei, Tanz, Film". Sie wurde von der Kulturbürokratie verhindert. Einziges Ausstellungsstück blieb der mit Mitteln des Realfilms, der Zeichnung, der Collage und der Einzelbildaufnahme entstandene Film METAMORPHOSEN 1, eine "übermalte Zugfahrt". Weitere Animationsfilme folgten (DERSCHNEIDER VON ULM, EINMART), in denen Dammbeck seine eigene Filmhandschrift entwickelte und sein Thema ausformulierte: die Einschränkungen und das Scheitern des Individuums. Die parallele, langjährige Arbeit am HERAKLES KONZEPT (ab 1977) wurde durch die staatlichen Behörden stark behindert, sie fand lange Zeit überwiegend im privaten Raum statt. Kreativ transformierte er den Stoff in seine assoziativen Medien-Collagen (Aufführungen in Leipzig, Dresden, Berlin, Karl-Marx-Stadt, Coswig), als der geplante Film HERAKLES bei der DEFA nicht zu realisieren war. Die Medien-Collagen wie LA SARRAZ, HERAKLES oder REALFilm waren Geheimtipps in der Szene und fanden darüber auch große öffentliche Resonanz, so im Bauhaus Dessau oder bei der Musikbiennale in Dresden. Seit Mitte der 1980er Jahre wurde Dammbeck im "OPK Herakles" durch die Staatssicherheit observiert. 1986 verließ er die DDR in Richtung Hamburg. Einer seiner ersten Filme dort war dann der schon in der DDR konzipierte HERAKLES HÖHLE.

Die Ausstellung präsentiert und erhellt den transformativen Arbeitsprozess von Lutz Dammbeck. Gezeigt werden Entwürfe, Zeichnungen und Figurinen zu seinen Animationsfilmen und Materialien zu den Medien-Collagen.