Lotte in Weimar

DEFA-Stiftung/K. Blasig

Die verwitwete Hofrätin Charlotte Kestner reist 1816 nach Weimar, um nach 44 Jahren ihrer Jugendliebe Goethe zu begegnen. Das Wiedersehen mit ihm gerät jedoch zur Enttäuschung. Anlass für die Auftragsproduktion gaben der 100. Geburtstag Thomas Manns und die 1000-Jahr-Feier Weimars. Mit seiner Romanverfilmung übte Egon Günther Kritik am Personenkult der DDR und schaffte es in den Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Aufsehen erregten nicht nur die Besetzung der Hauptrolle mit dem Weltstar Lilli Palmer, sondern auch die kostspieligen Dreharbeiten in Weimar, u.a. in Goethes Wohnhaus, von dem einige Wohnräume auch in den Babelsberger Studios nachgebaut werden mussten.
Einführung: Anett Werner-Burgmann (HU Berlin)

Termine

Junger Werther, neuer Werther... Weimarer Klassik im Film

Das Kulturkonzept der DDR zielte u.a. auf die Ausbildung eines sozialistischen Nationalbewusstseins. Seit ihrer Gründung wurde die Weimarer Klassik instrumentalisiert, um nationale Identität zu stiften. Bürgerlichen Humanismus und antifaschistischen Impetus galt es zu verknüpfen. Später weitete sich der Erbe-Begriff. Ein individualisierter, auf die Gegenwart bezogener Umgang mit den literarischen Überlieferungen der Weimarer Klassik wurde möglich.Die Reihe versammelt schwerpunktmäßig Dokumentar- und Spielfilme aus den 1970er und 1980er Jahren, die neue Sichten vornehmen. Sie mäandern zwischen dem kanonisierten Klassikbild und der Begeisterung für Gegenklassiker, zwischen affirmativer Auftragsproduktion und Erwartungsentzug durch widerständige Sujetwahl.Gewidmet ist die Reihe dem am 31. August 2017 in Potsdam verstorbenen 90-jährigen Regisseur und Schriftsteller Egon Günther, der mit seiner Innovationskraft nicht nur das Genre der Literaturverfilmungen erneuert hat. Die Filmauswahl würdigt zudem die künstlerischen Leistungen der Drehbuchautorin Helga Schütz und des Kameramanns Peter Brand, die 2017 runde Geburtstage feiern.
Mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung