Eine berührende Lebensgeschichte – erzählt in zwei Dokumentationen
Anlässlich des 200. Todestages der Königin Luise ist DER FILM VON DER KÖNIGIN LUISE (1913) wieder einem breiten Publikum zugänglich. Er wurde 2009/2010 vom Filmmuseum Potsdam in Kooperation mit dem Bundesarchiv, Abt. Filmarchiv und Looks Film rekonstruiert. Ausgangsmaterialien waren mehrere unvollständige Nitromaterialien aus dem Bestand des Bundesarchivs, sowie ein fragmentarisches Duplikatpositiv des NFTVA London. Grundlage für die Rekonstruktion waren zeitgenössische Programmhefte und die Zensurkarte von 1922, die für die Reihenfolge der Szenen und die Ergänzung von Zwischentiteln Orientierung boten. Die Farbgebung folgt den Viragen in den überlieferten originalen Filmmaterialien.
Auf der vorliegenden DVD sind der erste und der aktuellste Film „Luise – Königin der Herzen“ (2010) zum Leben der preußischen Königin vereint.
Der Film von der Königin Luise (1913)
Im deutschen Film dem Ersten Weltkrieg häufen sich Sujets, die auf die Ereignisse von 1870/71 Bezug nehmen und eine entsprechend nationalistische und antifranzösische Tendenz haben. „Der Film von der Königin Luise“ ist ein früher aggressiver Höhepunkt dieser Propaganda auf der Kinoleinwand. Der filmische Rückgriff auf „Preußens schwere Zeit“ soll historische Herleitung des Begriffs vom „Erbfeind“ Frankreich sein. In ausladenden Szenen aus den Befreiungskriegen wird zäh gekämpft. Episoden aus Luises Leben zeigen sie als untadelige Ehefrau und Mutter, stets besorgt um das Wohl des Landes. Ohne dass es betont werden muss, ist ihr Tod ein Opfer für Preußen und Deutschland. Das Denkmal der Königin im Berliner Tiergarten steht als Apotheose am Ende.
Die Legende „Luise“ ist im Kaiserreich Allgemeingut. Der Film folgt dem damals populären Buch von Carl Roechling, Richard Knötel und Woldemar Friedrich „Die Königin Luise in fünfzig Bildern für Jung und Alt“ (1896), das zu dieser Zeit in kaum einem deutschen Haushalt fehlt. Aber die Möglichkeiten des Films gehen weit über die eines Bilderbuches hinaus. Wie kalkuliert und bewusst diese genutzt werden, macht „Der Film von der Königin Luise“ zu einer filmhistorischen Entdeckung ersten Ranges.
Er ist ein frühes Beispiel für die Allianz von Spielfilm und Politik, ökonomischen Interessen und ideologischer Einflussnahme: Das Kaiserhaus stellt preußische Reliquien als Requisiten zur Verfügung. Wo mit Heiligstem hantiert werden darf, ist Ehrfurcht unerlässlich. Der fertige Film wird, gleichsam als Geschenk an den Herrscher, zum 54. Geburtstages Wilhelms II. uraufgeführt. Das wiederum wird für die Werbung genutzt und hat als Beweis für die Qualität des Werkes von allerhöchsten Gnaden zu gelten.
„Der Film von der Königin Luise“ ist weit mehr als ein Produkt kaiserlicher Huld und Huldigung kaiserlicher Ahnen. Er ist Propaganda: Der Handlung wird ein Anstrich historischer Korrektheit gegeben, in dem die Ereignisse wie eine Chronik, scheinbar sachlich, aneinander gereiht werden. Es genügt, bestimmte Zusammenhänge nicht zu erwähnen, um die preußische Haltung als die einzig gültige erscheinen zu lassen. Sensation und Rührung sind zurückhaltend dosiert und dadurch zu erstaunlicher Wirkung gebracht. Die Opferperspektive klagt zwangsläufig den ehemaligen Feind an, dient als Rechtfertigung aktueller und künftiger Aggressionen. Diesem Modell werden noch viele deutsche Filme folgen, die die Historie für aktuell-politische Zwecke instrumentalisieren.
1922 wird der Film neu zensiert und nach anfänglichen Beschränkungen wieder aufgeführt.
1924 finden einzelne Szenen Eingang in „Deutsche Helden in schwerer Zeit“ (Regie der Rahmenhandlung: Curt Blachnitzky).
1927 kommt eine bearbeitete Fassung in die Kinos, deren Zwischentitel die nationalistische Tendenz verstärken.
Guido Altendorf

Bildunterschrift: Filmmuseum Potsdam; F: J. Leopold (FMP)




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