Projektwerkstatt „Lindenstraße" + Filmmuseum bieten an: Führung durch die Gedenkstätte „Lindenstraße 54” Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert und Filme mit Zeitzeugengesprächen im Museumskino
Im ehemaligen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in der Potsdamer Lindenstraße 54 können Schüler während eines betreuten Rundgangs am authentischen Ort von den Repressionsmethoden der Staatssicherheit erfahren. Das Filmmuseum Potsdam zeigt Filme, die das Gesehene bestätigen, ergänzen oder auch kontrastieren. In einem anschließenden Gespräch, an dem auf Wunsch Zeitzeugen oder auch Filmautoren teilnehmen, können Fragen, Zweifel und Eindrücke zu Sprache kommen. Ziel dieses Angebotes ist eine lebendige und differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte. Erreicht ist es, wenn die Schüler im Anschluss mehr Fragen zu diesem Thema haben als vorher.
I. Misstrauen und Unterdrückung
Mit welchen Methoden arbeitete die Staatssicherheit? Wer wurde beobachtet, wer inhaftiert? Wie reflektieren die Opfer die Umstände ihrer Inhaftierung? Wie gehen Angehörige und Freunde damit um?
Mit dem Gesicht zur Wand
Dokumentarfilm von Stefan Weinert, 2009, 85 min
Fünf Menschen, die versucht haben, aus der DDR zu fliehen, erzählen von ihren Beweggründen, ihrem Fluchtversuch, der Inhaftierung, den Haftbedingungen und dem Leben danach. Der Film ist ein sehr persönliches Porträt von fünf durch die Stasi-Haft traumatisierten Menschen. Er „erzählt da weiter, wo der oscarprämierte Film Das Leben der Anderen abbricht.“ (Die Zeit). Nähere Informationen unter www.gesichtzurwand.de
Tod im Stasiknast – Warum starb Matthias Domaschk?
Dokumentarfilm von Andreas Richter und Tom Franke, hergestellt von der Stiftung Aufarbeitung, 2006.
Mit umfangreichem Begleitmaterial für den Unterricht
1981 verstarb Matthias Domaschk unter ungeklärten Umständen in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Gera. In der Dokumentation erzählen Freunde wie Weggefährten von der gemeinsamen Zeit mit Domaschk und schildern aus eigenem Erleben, unter welchen Umständen sie aufwuchsen und zunehmend in Opposition zur SED-Diktatur gerieten. Bislang unbekannte Archivmaterialien und private Super8-Filme gestatten einen exemplarischen Einblick in die Lebenswelt rebellierender Jugendlicher in der DDR der 1970er und 1980er Jahre.
Möglicher Gast: Tom Franke
Jeder schweigt von etwas anderem
Dokumentarfilm von Marc Bauder und Dörte Franke, 72 min. 2006.
Mit ausführlichem Begleitmaterial für Bildungsarbeit und Unterricht.
Drei Familien aus der geschätzten Zahl von 250.000 politischen Gefangenen der DDR kämpfen mit der Frage, wieviel Vergangenheit sie heute noch zulassen wollen. Über drei Generationen geprägt durch Trennung, Repression und Sippenhaft sitzen manche Wunden so tief, dass sie über Jahrzehnte niemand aufreißen wollte. Jetzt aber werden die Kinder erwachsen, und damit wächst der Druck, das alte Schweigeabkommen zu brechen. Doch wie stellt man seinen Eltern die richtigen Fragen nach ihren Gefängniserlebnissen? Will man seinen Kindern überhaupt alles erzählen? Und wer soll eigentlich den ersten Schritt machen?
Mit großer Behutsamkeit widmet sich der Film einem vernachlässigten Thema deutsch-deutscher Geschichte, indem er das schwierige Verhältnis ehemaliger politischer Häftlinge der DDR zu ihren im Westen aufgewachsenen Kindern anschaulich macht.
Wie Feuer und Flamme
Spielfilm, D, 2001, Regie: Connie Walter, 102 min
Berlin 1982: Die 17 jährige Nele lebt im Westen und nimmt die andere Seite des Eisernen Vorhangs nur als grauen Fleck auf der Landkarte wahr. Bei ihrem ersten Besuch im Osten der Stadt lernt sie zufällig den ruppigen Punkmusiker Captain kennen. Die beiden sind sofort Feuer und Flamme füreinander. Aber ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern, denn die Stasi hat Captains Clique bereits im Visier. Als die Staatsmacht zuschlägt, beginnt für die beiden Teenager ein dramatischer Kampf um ihre unmögliche Liebe.
Nähere Informationen unter www.wiefeuerundflamme.de
II. Repression und Eigensinn – Alltag in der Diktatur / Diktatur im Alltag
Der Besuch der Gedenkstätte wird ergänzt, aber auch kontrastiert durch einen DEFA-Gegenwartsfilm. Filme wie „Solo Sunny”, „Spur der Steine”, „Die Architekten“ oder „Die Flucht“ geben, wenn man sie als historische Dokumente liest, einen Eindruck vom Lebensgefühl, vom Alltag aber auch von Konfliktlagen in der DDR. Hergestellt im staatlichen Auftrag und unter staatlicher Kontrolle, aber auch von eigensinnigen Filmkünstlern, meiden sie die offene Konfrontation mit den offiziellen ideologischen Vorgaben und bringen Kritik stattdessen in subtiler, verschlüsselter Form an. Was verraten sie heute tatsächlich über das Leben in der DDR? Was verschweigen sie?
Wie der Film zu seiner Entstehungszeit gewirkt hat, und ob er Realitäten und Stimmungslagen tatsächlich wiedergibt, kann in einem Gespräch mit Zeitzeugen erarbeitet werden.
FILMAUSWAHL
Solo Sunny
Spur der Steine
Die Legende von Paul und Paula
Ete und Ali
Die Architekten
Erscheinen Pflicht
Die Flucht
Dauer: ca. 4-5 h (Projektwerkstatt „Lindenstr. 54”: ca. 90 min / 30 min Pause / Filmmuseum Potsdam: 120 – 150 min.)
Preis: pro Schüler 2,50 Euro + 1,50 Euro für Zeitzeugen/ Filmregisseur, Begleitpersonen erhalten freien Eintritt
Kontakt: Beate Rabe T (0049/331) 27181-12/-11
E-Mail: info@filmmuseum-potsdam.de
Catrin Eich (Gedenkstättenlehrerin, Projektwerkstatt „Lindenstraße 54“)
projektwerkstatt-lindenstrasse@web.de
/ Tel./Fax.: 0331-2015714

Bildunterschrift: Die Architekten




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