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Asta Nielsen in: Der Totentanz; F: FMP
Asta Nielsen in: Der Totentanz; F: FMP 

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1912-Asta-Nielsen-in-Babelsberg

14. Februar – 12. August 2012

Für Publikumsliebling Asta Nielsen aus Dänemark sucht eine Filmfirma 1911 einen neuen Standort vor den Toren Berlins. Wenige Monate später, am 12.2.1912, beginnt bei der Bioscop in Nowawes nahe Neubabelsberg der Dreh des ersten Films zur neuen Nielsen-Serie.
„Der Totentanz” steht am Beginn der erfolgreichen Karriere einer Film-Stadt.
Zwei Kriege, zwei Republiken, zwei Diktaturen und etliche Jahrzehnte später feiert ein Studio seinen 100. Geburtstag, dessen erste Filme im „Glashaus“ entstanden, weil man Tageslicht zur Ausleuchtung brauchte.
Die Foyerausstellung zeigte aus einem bislang unveröffentlichten Album über 40 Standfotos, die für die Rekonstruktion des Filmfragments von „Der Totentanz” unter Leitung Stefan Drößlers verwendet wurden. Das Filmmuseum Potsdam dankt ihm und Gerhard Ullmann vom Filmmuseum München herzlich für die Filmrestaurierung, die unkomplizierte Zusammenarbeit und für die Bereitstellung der Fotos.
Die Premiere des durch diese Stills ergänzten Filmfragments fand anlässlich der Berlinale am 12.2.2012, dem 100. Jahrestag des Drehbeginns des ersten Babelsberg-Filmes statt und es lief am folgenden Tag zur Eröffnung der Foyerausstellung im Museumskino.

FILMPROGRAMM
Der Totentanz / Die Filmprimadonna
Am Klavier: Peter Gotthardt / Einführung: Stefan Drößler (Leiter des Filmmuseums München)
Der Totentanz
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Oskar Fuchs, Fritz Weidemann, D 1912, rekonstruierte Fassung, 36‘
In heimeliger Kaminatmosphäre spielt Bella auf ihrer Laute. Verliebt lauscht ihr Mann den Klängen, als das Telefon klingelt und der Ingenieur zur Lösung eines Problems in die Fabrik gerufen wird. Ein kurzer Knall – und Bellas Mann wird verletzt davongetragen. Damit nimmt das tragische Verhängnis seinen Lauf: Bella verdient nun den Lebensunterhalt der Familie mit Gesangsauftritten im Varieté. Sie verliebt sich in ihren Komponisten und der sich in sie. Doch ihr eheliches Gelübde führt zum Tod ihrer Liebe.
In der Zeitschrift „Bild und Film“ echauffierte sich 1913 eine Dame über die skandalöse Darstellung – ein „Kinderverbot“ sei zu wenig für diesen Film. Vor allem die aufreizende Tanznummer des „Totentanzes“ zum Zwecke der Triebanimierung des Komponisten hatten es der Tugendwächterin angetan: „Sie tanzt eine Art Schlangentanz, einen Bauchtanz. Bewegungen wie die eines Panthers, darauf berechnet, die Sinnlichkeit aufzupeitschen; so tanzen die verkäuflichen Frauen in den orientalischen Städten … eine Frau, die tugendhaft bleiben will, die siegen will, weckt nicht erst alle sinnlichen Triebe des Mannes, um ihn nachher zu ermorden…“. Das mag richtig sein und ist doch schön anzuschauen!

Die Filmprimadonna
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Paul Otto, Fritz Weidemann, D 1913, rekonstruierte Fassung, 17‘
In „Die Filmprimadonna“ spielt Asta Nielsen einen Filmstar, der sich sehr um künstlerischen Einfluss im gesamten Filmprozess bemüht und schwer erkrankt in ihrer letzten Rolle vor der Kamera stirbt.
Über die künstlerische Freiheit der Arbeit an ihren frühen Filmen, äußerte Asta Nielsen gegenüber der „BZ am Mittag“ 1928: „Komödianten sah zum Beispiel so aus: „Astas Kind stirbt – Astas Hauptszene. Alles andere war meine Sache.“
Wie sehr sie den gesamten Herstellungsprozess auch als ihre ureigene Sache ansah, wird in dem Streifen „Die Filmprimadonna“ aufs Schönste belegt: Die Nielsen spielt einen Filmstar, der die Qualität seines Spiels bis ins Kopierwerk hinein verfolgt, Licht, Bildlaufzeit, Drehbuch kritisch beäugt und beurteilt. Das ist anstrengend und kaum durchzuhalten – die Filmprimadonna, privat verstrickt in der fatalen Liebe zu einem untreuen Falschspieler, dabei begehrt von einem jungen Autor, erkrankt schwer. In einer letzten Kraftanstrengung übernimmt sie für den Filmschriftsteller eine von ihm erdachte Rolle und – der letzte Tanz des Pierrots ist auch der letzte der großen Diva: Schluss, Klappe, aus – Film im Film. Im realen Leben hatte sich Asta Nielsen schon vor Beginn der Dreharbeiten zu „Die Filmprimadonna“ von Babelsberg getrennt und drehte in Berlin in den neu errichteten Ateliers in Tempelhof.

Abgründe R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Poul Reumert, Emilie Sannom, DK 1910, engl. ZT, 37’
Das Mädchen ohne Vaterland. Eine Episode aus dem Balkankrieg R: Urban Gad, Asta Nielsen, Paul Meffert, Max Wogritsch, D 1912, 27’
Asta Nielsen R: Asta Nielsen, DK 1968, Dok., OmU, 30′
An der Welte-Kinoorgel: Helmut Schulte
Gleich in ihrem ersten Film lotet Asta Nielsen ihr immer wiederkehrendes dramatisches Rollenmotiv aus: sie liebt unglücklich, wird leider nicht wiedergeliebt, aber von einem Dritten begehrt – in Abgründe (R: Urban Gad, DK 1910), dem Debüt des Theatermalers und späteren Nielsen-Gatten Urban Gad, liebt sie den Artisten Rudolph, der untreu und verstrickt in Spielschulden, sie überdies für die Begleichung seiner Zeche verschachern will.
Das Mädchen ohne Vaterland. Eine Episode aus dem Balkankrieg (R: Urban Gad, D 1912) ist der vierte Film der Nielsen-Gad-Serie: Zidra, ein Zigeunermädchen, wird von einer ausländischen Macht angeworben, soll eine im Grenzgebiet des Balkans liegende Festung auskundschaften. Doch Zidra verliebt sich ausgerechnet in den Leutnant, der die Festung bewacht.
Den halbstündigen Film Asta Nielsen (R: Asta Nielsen, DK 1968) drehte Nielsen in eigener Regie über sich selbst (ihr letzter Film lag über 30 Jahre zurück) und damit über den Beginn des Films als Kunst. Ihr Gesprächspartner in diesem Film ist eben der oben genannte Darsteller des Artisten ihres Erstlings „Abgründe“.

Der fremde Vogel
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Hans Mierendorff, Carl Clewing, D 1911, 33’
An der Welte-Kinoorgel: Helmut Schulte
Von der Einmaligkeit Brandenburger Landschaften wissen auch Filmschaffende und finden hier seit über 100 Jahren malerische, manchmal archaische, immer besondere Kulissen für ihre Filme. Marcel Piethes Buch „Filmland Brandenburg. Drehorte und Geschichten“ (hendrik Bäßler verlag) lädt zu einer essayistischen Reise durch diese Landschaften ein, führt dabei an ausgewählte Drehorte, stellt Filme und Filmschaffende vor. Den Rahmen zur Buchvorstellung gestalten Filme, die einen zeitlichen und künstlerischen Horizont im Filmland Brandenburg abstecken. Im Stummfilm Der fremde Vogel (R: Urban Gad, D 1911) begibt sich Babelsbergs erster Filmstar Asta Nielsen in der Rolle einer jungen Engländerin auf einen Ausflug in den Spreewald – mit tragischem Ausgang. Mit rauschenden Bäumen und auf dem Wasser tanzenden Lichtreflexen zeigt der Film eine der ersten realen Kulissenlandschaften der deutschen Filmgeschichte.

Der schwarze Traum Den sorte Drøm
R: Urban Gad, D: Asta Nielsen, Valdemar Psilander, Gunnar Helsengren, DK 1911, engl. ZT, 56‘
Asta Nielsen als Kunstreiterin Stella zwischen zwei Verehrern: während sie den Juwelier Hirsch zurückweist, findet sie Gefallen an Graf von Waldberg. Die beiden werden ein Paar, doch Hirsch macht Stella weiterhin Avancen. Den Streit wollen die Rivalen mit einem Kartenspiel beilegen ... das Unheil nimmt seinen Lauf. Für die Herstellung des Films kehrte das Gespann Nielsen/Gad vorübergehend aus Berlin nach Dänemark zurück. Unter europäischen Filmfirmen war ein regelrechter Wettstreit um den Superstar Asta Nielsen und ihren Regisseur ausgebrochen.
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hff Institut der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf«
Potsdam-Babelsberg
 

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