Livemusik an der Welte-Kinoorgel: Stephan v. Bothmer
Bothmers Interpretationen, die auf einer klassischen Ausbildung an der Universität der Künste Berlin gründen, zeichnen sich durch pianistisches Können und Einfühlung, kompositorischen und improvisatorischen Wagemut sowie die souveräne Zusammenführung klassischer und moderner Traditionen aus. Egal, ob er als Solist am Flügel oder an der Kinoorgel auftritt oder als Leiter eines Ensembles: Film und Musik verschmelzen in seinen StummfilmKonzerten zu einer neuen, expressiven Einheit.
Weitere Informationen: www.stummfilmkonzerte.de.
Veranstaltungsreihe des Filmmuseum Potsdam in Zusammenarbeit mit StummfilmKonzerte.
Walter Mittelholzers Afrika-Flug 1930
R: Walter Mittelholzer, CH 1930, Dok., 65’
Vorfilm: Lichtspiel schwarz-weiss-grau
R: László Moholy-Nagy, D 1929, 7’
Walter Mittelholzer gelang bereits 1926 die erste Überquerung des afrikanischen Kontinents mit einem Wasserflugzeug. Der Film dokumentiert seinen Flug von 1930 und liefert atemberaubende Bilder von der Steppe, den fliehenden Tierherden, vom Tanz und den Riten der Einheimischen und die ersten Aufnahmen vom Gipfel des Kilimandscharo. Mittelholzers Stationen waren Nairobi, die Serengeti, die Krals der Massai und der Kilimandscharo. Der Rückflug führte ihn über den Sudan, Ägypten und Italien zurück in die Schweiz.
Die Austernprinzessin
R: Ernst Lubitsch, D: Victor Janson, Ossi Oswalda, Harry Liedtke, D 1919, 55’
Vorfilm: Mysterien eines Frisiersalons
R: Erich Engel, Bertolt Brecht, D 1923, 32’
„Die Austernprinzessin” von Ernst Lubitsch und „Mysterien eines Frisiersalons“ von und mit Karl Valentin stehen für zwei ganz unterschiedliche Spielarten der deutschen Stummfilmkomödie: Im ersten Fall handelt es sich um ein aufwendig choreographiertes, mit Bildwitz und Tempo inszeniertes Lustspiel, eine „sophisticated comedy“. Alles dreht sich um Sex und Reichtum, um Lug und Trug. Der Valentin-Film, bei dem Bertolt Brecht Regie führte, ist dagegen eine schnell und billig gedrehte Groteske, deren derber und ungehobelter Humor sich am Slapstick und am Volkstheater orientiert. Gemeinsam ist beiden Komödien der Anarchismus als komisches Prinzip, das Vergnügen am Regelverstoß, das Lächerlichmachen der Autoritäten.
Der Himmel auf Erden
R: Alfred Schirokauer, Reinhold Schünzel
D: Reinhold Schünzel, Charlotte Ander, Adele Sandrock
D 1927, 104’
Der Moralapostel Traugott Bellmann erbt das verrufene Nachtlokal „Himmel auf Erden”. Eine Klausel im Testament stellt ihm zusätzlich 500.000 Mark in Aussicht, wenn er jeden Abend dort ist. Ein verlockendes Angebot für den schwachen Helden, der ein Doppelleben beginnt. „Der Himmel auf Erden” ist eine umwerfende Komödie, witzig und frivol.
Der Dieb von Bagdad
R: Raoul Walsh
D: Douglas Fairbanks, Julanne Johnson, Snitz Edwards
USA 1924, 115’
Für die schöne Tochter des Kalifen stürzt sich der freche, aber edle Dieb von Bagdad in die phantastischsten Abenteuer: Er reitet auf einem mechanischen Pferd, kämpft mit einer Riesenkrake und schwebt am Ende auf einem fliegenden Teppich in die Arme der Geliebten. „Der Dieb von Bagdad” mit Douglas Fairbanks in der Hauptrolle ist ein Beispiel für jene Kombination aus Schauwerten, Sensationen und Spezialeffekten, mit der das Hollywoodkino die Leinwände der Welt eroberte.
April 2009
Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki
R: Lew Kuleschow, D: Boris Barnet, Porfiri Podobed, Wsewolod Pudowkin, UdSSR 1923, 68’
Kurioser kann eine Parodie kaum sein. Ein sowjetischer Film über einen Amerikaner, der im verschneiten Moskau alle amerikanischen Vorurteile über Russen bestätigt findet. Gedreht wiederum im „amerikanischen Stil“ mit Entführungsgeschichte und Verfolgungsjagd.
Lew Kuleschow, der Urvater der sowjetischen Avantgarde, erklärt programmatisch die Montage zum bestimmenden Konstruktionsprinzip des Films. Sein Material holt sich Kuleschow dabei aus der Trickkiste des Kinos. Am Ende bleibt ein veränderter Blick auf die russische Revolution - und das Kino selbst.
Die Büchse der Pandora
R: G.W. Pabst, D: Louise Brooks, Fritz Kortner, Franz Lederer, D 1929, 126’
G.W. Pabst hatte Louise Brooks kurz vorher von Hollywood nach Berlin geholt. Sie spielt die verführerischste aller femmes fatales und wurde damit zur Ikone der Filmgeschichte: „Sie steht da, lächelnd, in kindlicher Freude am Sinnengenuss. Pabst macht aus der Lulu keinen Vamp, den man hassen soll, sondern eine Frau, die nichts für ihre Wirkung auf die Männer kann.“ (Film-Kurier, 11.2.1929).
März 2009
Faust – Eine deutsche Volkssage
R: Friedrich Wilhelm Murnau, D: Gösta Ekman, Emil Jannings, Camilla Horn, D 1926, 106’
„In diesen Jahren (als Student in Paris und Übersetzer in der Cinémathèque Francaise) sah ich im Schnitt drei Filme pro Tag. Traumatische Erfahrungen waren das, vor allem, wenn ich einen Film zum ersten Mal sah. ‚Am Donnerstag, den 21. Mai 1959, abends um 22 Uhr 30 zum ersten Mal FAUST gesehen. Bestechend die Eleganz der Auflösung, die eine ebenso fließende Montage erlaubte?, notierte ich altklug, ‚erstaunlich große Großaufnahmen im Wechsel mit magischen Fahr-, Kran- und sogar Flugbewegungen.? Kein Wort über die Schauspieler, die ich erst viel später entdeckte, nämlich am 20. März 1960 (...). Nun bemerkte ich das sanfte, aber stolze Gesicht des Gretchens Camilla Horn, die wunderbare Affektiertheit des Mephisto Emil Jannings, das Bodenständige an Gösta Eckmanns Faust.” (Volker Schlöndorff, Licht, Schatten und Bewegung, S. 85f.)
Auch F. W. Murnaus bildgewaltigen Klassiker präsentieren wir als StummfilmKonzert mit dem Musiker Stephan von Bothmer. Weitere Informationen unter: www.stummfilmkonzerte.de
Nachtgestalten
R: Hans Steinhoff, D: Mabel Poulton, Margit Manstad, Jack Trevor, D/GB 1929, 100’
Eine dramatische Kriminal- und Liebesgeschichte aus der halbseidenen Welt der Revue-Theater und verrufenen Clubs von London: Ein Millionär wird ermordet, ein Pärchen überfallen. Ein verschollener Schlagerkomponist taucht wieder auf und gerät unter Mordverdacht und eine lang unterbrochene Liebe findet für kurze Zeit ihre Fortsetzung.
Steinhoffs Film wurde seinerzeit von der Fachpresse gelobt und auch das Publikum liebte ihn. Lange galt er als verschollen.
Januar 2009
Unheimliche Geschichten (Presseartikel)
R: Richard Oswald, D: Conrad Veidt , Anita Berber, Reinhold Schünzel, D 1919
Wenn die Nacht sich senkt, werden in einem Antiquariat drei auf Wandbilder gemalte finstere Figuren lebendig und entsteigen ihren Bilderrahmen. Der Tod, der Teufel und die Dirne beginnen sich gegenseitig albtraumhaft-poetische wie zutiefst schaurige Geschichten vorzulesen, in denen sie selbst immer andere Rollen innehaben.
„Unheimliche Geschichten” sind fünf glänzend gespielte Einakter, phantastische Geschichten, die auf Vorlagen verschiedener Autoren basieren, darunter zwei Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe, der am 19. Januar 200 Jahre alt geworden wäre.
Richard Oswald war ein ungemein produktiver und provokanter Einzelgänger des deutschen Films: Ein Verkaufsgenie, dessen Filme eine breite Genrevielfalt bedienten, der seine Filme selbst produzierte und seine Drehbücher selbst schrieb. Zwischen 1914 und 1936 wirkte er an 120 Filmen mit, von denen heute leider nur noch wenige erhalten sind. Dieser Umstand und die Abkehr der Filmwissenschaft vom Kanon mögen die Gründe dafür sein, dass Richard Oswald erst in den letzten Jahren einen würdigen Platz in der deutschen Filmgeschichtsschreibung zuerkannt bekam.
Stan & Olli-Filme
We faw down R: Leo McCarey, USA 1928
Two Tars R: James Parrott, USA 1928
Liberty R: Leo McCarey, USA 1929
Big Business R: James Wesley Horn, USA 1929
Das erfolgreichste Komiker-Duo aller Zeiten, Stan Laurel und Oliver Hardy, gibt sich die Ehre. Hierzulande bekannt als Dick und Doof, garantieren die beiden lautes Gelächter und den größtmöglichen Radau. Ohne jede böse Absicht geraten sie immer wieder in halsbrecherische Situationen und säen Chaos und Zerstörung. Automobile und Häuser, die Symbole des American Dream, verwandeln sich in ihrer Gegenwart in Schrotthaufen. Angst haben Stan und Olli nur vor ihrer eigenen Courage und dem weiblichen Charme. Wir zeigen ihre besten vier Kurzfilme: Sie versprechen ein grandioses Spektakel, Witz und gute Laune.
Dezember 2008
Metropolis
R: Fritz Lang, D: Brigitte Helm, Alfred Abel, Gustav Fröhlich, D 1925/26, 140’
Der Film aller Filme. Kaum ein Film hat wie er die Filmgeschichte geprägt. Jeder „kennt” Metropolis, auch diejenigen, die noch nie einen Stummfilm gesehen haben, denn Filme wie „Bladerunner”, „Matrix” oder „Das fünfe Element” sind von ihm inspiriert.
Mit einem Riesenaufwand inszeniert, erzählt dieses moderne Märchen die Geschichte einer Stadt der Zukunft, in der die Arbeiter tief unten im dunklen Innern der Erde Maschinen versorgen. Dagegen führen die Reichen oben ein Leben voller Luxus und Helligkeit, bis es zur Katastrophe kommt .
Fritz Langs größtes Werk gehört der Populärkultur ebenso wie der Avantgarde an. Als erster und bislang einziger Film ist „Metropolis” in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden.
Zigano
R: Gérard Bourgeois, Harry Piel, D: Harry Piel, Raimondo van Riel, Fritz Greiner, D/F 1925, frz./dt. ZT, 112’
Der Bücherwurm Benito führt ein folgenschweres Doppelleben. Eigentlich wollte er an einem italienischen Fürstenhof zum großen Gelehrten reifen, stattdessen wird er aber durch einen dummen Zufall zum Räuberhauptmann. Als er dann zu allem Überfluss auch noch zum Polizeipräfekten ernannt wird und eine schöne Frau in sein Leben tritt, nehmen die komplizierten Verwicklungen ihren Lauf.
Harry Piel war der Star des Weimarer Kinos. In Personalunion als Produzent, Autor, Regisseur und Darsteller arbeitete er an seinem eigenen Mythos und drehte unverwechselbare Detektivgeschichten und Sensationsfilme.
Er orientiert sich in der Anlage der Geschichte unverkennbar an seinem großen Vorbild Douglas Fairbanks und dessen romantischem Heldentypus in „The Mark of Zorro”. Definitiv familientauglich!
In Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv.
Restaurierte Kopie: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin

Bildunterschrift: Metropolis




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