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Postkarte „Siegfried” zum Film „Die Nibelungen” (1924)
Postkarte „Siegfried” zum Film „Die Nibelungen” (1924) 

» Ausstellungsrundgang

1912 - 1945

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Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
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Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
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Blick in die Ständige Ausstellung – Ufa-Vitrine
 

Bioscop - Decla-Bioscop - Ufa

Babelsberg, ein ehemaliges Fabrikgelände, wird seit 1912 für die Filmproduktion genutzt. Die Bioscop, eine kleine Berliner Filmfirma, kauft 1911 das große Areal, baut an das alte Fabrikgebäude ein neues Glasatelier an und produziert dort 1912 den ersten Film: Der Totentanz (RE: Urban Gad). Hauptdarstellerin ist der erste große europäische Filmstar Asta Nielsen. Durch ihr zurückhaltendes Spiel vor der Kamera erhebt die Nielsen das junge Medium Film zur seriösen Kunst. In Erdgeist (1923; RE: Leopold Jessner) zeigt sich die Dänin in ein raffiniertes Fransentuch gehüllt, das als Tischdecke auch ihre Berliner Wohnung zierte und heute in der Ausstellung zu sehen ist.

Während des Ersten Weltkriegs kommt die Babelsberger Produktion fast zum Erliegen. Als an der Westfront die ersten verheerenden Gasangriffe geführt werden, kann Paul Wegeners Film Der Golem (1915) einen künstlerischen Achtungserfolg erzielen. Paul Wegeners Filme sind Pioniertaten, die dem jungen Studio zu Ansehen verhelfen; vor allem mit märchenhaften Stoffen erwirbt er sich große Reputation. In den 30er Jahren zieht sich Wegener als Filmregisseur zurück und arbeitet ausschließlich als Darsteller.

In den frühen 20ern fusioniert die Bioscop aufgrund finanzieller Probleme zunächst mit der Decla (Deutsche Eclair) zur Decla-Bioscop, kurz darauf mit der 1917 gegründeten Ufa (Universum Film AG). Die Fusion bereichert Babelsberg um Ressourcen und Künstler, die der Produktionsstätte bald Weltruhm eintragen. Technische und künstlerische Neuerungen bringen die Welt zum Staunen – die „entfesselte Kamera” ist eine Babelsberger Innovation ersten Ranges. Bei den Aufnahmen für F. W. Murnaus Film Der letzte Mann (1924) wird die bislang feste Verbindung von Kamera und Stativ gelöst und das Aufnahmengerät auf verschiedenste Weise in Bewegung versetzt: auf einem Fahrrad, in einem abwärts sausenden Korb oder dem genialen Kameramann Karl Freund vor die Brust geschnallt. Der Erfindungsreichtum verblüfft – selbst Hollywood schickt seine besten Kameramänner als Hospitanten nach Babelsberg.
Eines der ältesten erhaltenen Exponate stammt aus einem Murnau-Film: die ägyptische Perücke des Darstellers Martin Wolfgang aus dem nicht mehr erhaltenen Film Satanas (1920).

Missmanagement führt die Ufa an den Rand des Ruins. Produktionszeiten von bis zu zwei Jahren für einen einzelnen Film und ein immer größerer Hang zum Eskapismus gipfeln in Fritz Langs Sciencefiction Metropolis (1927). Infolgedessen muss die Ufa einen Knebelvertrag mit amerikanischen Firmen schließen. Alfred Hugenberg, Inhaber eines rechtsgerichteten Pressekonzerns, kauft die Ufa 1927 aus dem Kontrakt mit den Amerikanern frei. Von nun an wird, neben massenwirksamer Unterhaltungsware wie bisher, verstärkt Reaktionäres produziert.

Vor allem mit Unterhaltungsfilmen hat die Ufa in den 30er und 40er Jahren Erfolg. Stars wie Hans Albers, Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinrich George oder Marika Rökk prägen den Ufa-Film. Zum großen Erfolg wird die Komödie Die Feuerzangenbowle (1944; RE: Helmut Weiss) mit Ufa-Star Heinz Rühmann als Primaner „Pfeiffer mit drei ‚F′”. Aus dem bis heute sehr populären Film ist eine der Schulbänke erhalten geblieben. Das einzig erhaltene Kostüm des Vorzeigestars Zarah Leander aus der Ufa-Zeit ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Es stammt aus Das Herz der Königin (1940; RE: Carl Fröhlich).

Beliebt sind bereits in den 20ern patriotische Historienfilme über den Preußenkönig Friedrich der Große. Die Hauptrolle wird in 14 Streifen von dem Schauspieler Otto Gebühr verkörpert. Seine Filmperücke aus Fridericus Rex (1922/24; RE: Arzen von Czérepy) ist in der Ausstellung zu finden.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wird vermehrt Propaganda produziert: Bei der Ufa entstehen antisemitische Filme wie Jud Süß (1940; RE: Veit Harlan), Kriegspropagandafilme wie Stukas (1941; RE: Karl Ritter) oder, gegen Ende des Krieges, sogenannte „Durchhaltefilme” wie Kolberg (1945; RE: Veit Harlan), für dessen Heeresaufnahmen auf Geheiß von Reichspropagandaminister Goebbels Soldaten gegen den Protest ihrer Generäle von der Front abgezogen und als Statisten eingesetzt werden.
Aus einem der letzten Filme der Ufa, Unter den Brücken (1945/1950; RE: Helmut Käutner), ist in der Ausstellung das Akkordeon von Darsteller Carl Raddatz zu betrachten. Der Film wird auf der Havel in der Nähe von Potsdam gedreht, als die Rote Armee bereits kurz vor Berlin steht. Der unpolitische, wunderschöne Liebesfilm passiert noch 1945 die Zensur, kommt aber erst 1950 in die Kinos. In einer winzigen Rolle wirkte Hildegard Knef mit, die im ersten deutschen Nachkriegsfilm, Die Mörder sind unter uns (1946; RE: Wolfgang Staudte), in einer Hauptrolle zu sehen ist.
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