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Matrizentrick in „Das Schulgespenst” (1986); Foto: DEFA-Skoluda
Matrizentrick in „Das Schulgespenst” (1986); Foto: DEFA-Skoluda 

» Restaurierung

Die Abteilung Restaurierung ist sowohl für historische Filmtechnik, Modelle und Requisiten, Kostüme als auch für Plakate, Dokumente und Fotografien verantwortlich und muss bei ihrer Arbeit den vielfältigsten Materialanforderungen gerecht werden. Räumlich ist sie in zwei Bereiche gegliedert: einen Reinarbeitsraum und einen Raum mit technischer Ausstattung wie Drehbank, Bohrmaschine und Schleifböcken. Für Studienvorbereitende Praktika stehen zwei Plätze im Bereich Fotorestaurierung und Moderne Materialien/Technisches Kulturgut zur Verfügung.

Ansprechpartnerin: Maxie Tafelski, Nina Gehrmann
 

Lackschichten
Lackschichten eines Kamerakrans
Modell Bockshorn
Arbeiten an einem Modell für den Film "Bockshorn"
Kostüm Jenny Jugo
Arbeiten an einem Kostüm von Jenny Jugo
 

Von 2008 bis 2011 war das Filmmuseum Potsdam an dem von der Kulturstiftung des Bundes und der Länder geförderten Projekt „Antiaging für Kulturgut mit Elastomeranteilen“ beteiligt. Ziel dieses Vorhabens ist es, Methoden für die Erhaltung und für die Restaurierung stark gefährdeter Objekte mit elastomeren Anteilen (Gummi, synthetische Gummimaterialien, Latex) zu entwickeln und bestehende Methoden zu überprüfen. Diese kommen beispielsweise in Kameras als Schaumgummiisolierung vor. Auch viele Requisiten oder Modelle wie die Frösche aus dem Film Der Froschkönig (1988) bestehen aus ausgeschäumten Latex und werden durch dieses Projekt und die daraus hervorgehenden Methoden für die Zukunft besser erhalten werden können.

Informationen zum Projekt unter www.gummi-kur.de


Vom restauratorischen Umgang mit textilem Kulturgut
Maxie Tafelski, Restauratorin am Filmmuseum Potsdam

Wenn Sie als Besucher durch die Ausstellung gehen, so werden Sie sowohl mit einer Fülle von Stoffen als auch mit deren Geschichte vertraut gemacht. Diese Kleider sind zwar getragen, aber doch relativ gut erhalten. Sicher – man kann hie und da den einen oder anderen Fleck oder das eine oder andere Loch entdecken, aber dadurch wird einem gleichzeitig bewusst, dass diese Kleidungsstücke 50, manche sogar beinahe 80 Jahre alt sind.
Außerdem können diese Spuren der Vergangenheit viel über die Situation erzählen, in der die Kleidungsstücke getragen wurden. Dies fällt bei einem ersten kurzen Blick auf die Kleider zunächst nicht auf und in der Ausstellung interessiert Besucher sicher eher der filmische Hintergrund. Doch wenn man sich als Restaurator bei der Vorarbeit zur Ausstellung mit jedem einzelnen Zentimeter der Kleider während der Reinigung und Glättung beschäftigt, verraten diese Zeichen der Zeit einiges.

So wird deutlich, dass einige Szenen ziemlich anstrengend gewesen sein müssen, da sich auf manchen Kleidern erkennbare Schweißflecken an den dafür typischen Stellen – wie Achseln und Rücken – abzeichnen. Ein anderes Beispiel sind eindeutige Farbflecken auf der Rückseite eines rot-weißgestreiften Kleides aus „Land der Sehnsucht”, die darauf hindeuten, dass sich Jenny Jugo vermutlich damit auf eine frisch gestrichene Bank gesetzt haben muss.
Außerdem zeigt sich bei der Beschäftigung mit den Kleidern etwas von der Persönlichkeit der Schauspielerin und ihren Vorlieben. Beispielsweise lässt sich erahnen, dass Jenny Jugo großen Wert auf gute Stoffe legte und gerne Designerstücke trug.
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Label Schiaparelli
So sind bei den Kleidern häufig die Marken Schiaparelli, Kuhnen Berlin oder auch Balenciaga vertreten, bei den Hüten finden sich einige Exemplare von Bertke oder Legroux Soeurs und die Schuhe sind fast ausschließlich von der italienischen Firma Brunettini.
Gerade die Kleider von Schiaparelli muss Jenny Jugo sehr gemocht haben, denn davon finden sich im Nachlass gleich mehrere.


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Knopf aus: „Sag endlich ja”
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Knopf aus: „Die Gattin”
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Knopf aus: „Träum nicht Annette”

Sogar für modisch kaum bewanderte Betrachter sind die auffallend schön gearbeiteten Knöpfe nicht zu übersehen, die ein unbestreitbares Erkennungsmerkmal der Designerstücke sind.
Kleider, die kein Label aufweisen, scheinen überwiegend maßgefertigt worden zu sein. Darauf weisen die vielfach von Hand eingenähten Reißverschlüsse und die in Handarbeit umsäumten Kanten hin. Ein weiteres immer wiederkehrendes Detail ist ein eingesticktes Zeichen meist in der Vorderseite von Röcken.

Bei den (noch?) nicht zu Filmen zugeordneten Kleidern – die also nach bisherigem Kenntnisstand aus Jenny Jugos Privatkleiderschrank stammen – fällt auf, dass sie überwiegend uni-farbene Kleidung von relativ klarem Schnitt besaß und Wickelblusen gern mochte. Verarbeitet wurden hochwertige, unterschiedlichste Stoffe. Die Vielfalt reicht von den Seiden, wie Organzaseide, Chiffon, Atlasseide und Damast über Seidensamt, Baumwollsamt, Spitzentüll, Georgette ... Es gibt aber auch Stücke aus Wolle und verschieden gewebten Leinen- oder Baumwollstoffen und Kunstseiden- manchmal gekreppt, plissiert oder bedruckt.

Wie geht nun der Restaurator vor einer Ausstellung mit dieser Vielfalt an Stoffen um? Zunächst erfolgt eine Sichtung und Protokollierung des Zustandes jedes Einzelstückes als Grundlage für weiteres Vorgehen. Für die professionelle Beurteilung und Bearbeitung so einer Menge an textilem Kulturgut – es handelt sich bei der Sammlung Jugo immerhin um etwa 170 Stücke – ist eine Textilrestauratorin gefragt, die sich das Filmmuseum leider natürlich nicht ständig leisten kann. Eine Berliner Fachrestauratorin mit langjähriger Berufserfahrungen, Ines Zimmermann, wurde als Beraterin und für die Restaurierung einiger Kleider gewonnen.
Jeder Stoff muss unterschiedlich gereinigt werden, verschiedene Eigenschaften verlangen besonderes Augenmerk. Natürlich müssen hauchdünne Materialien vorsichtiger behandelt werden als dicke, da es sonst schnell Verschiebungen im Gewebe geben kann. Wie jedermann weiß, bindet Samt schnell Fasern und Fussel, die wiederum mittels einer anderen Methode entfernt werden als an anderen Geweben haftender Schmutz.

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Reinigung durch Absaugen
Jeder Stoff bindet Schmutz unterschiedlich stark. Auch wenn man es dem Stoff nicht ansieht, so kann beispielsweise in einer glänzenden Atlasseide viel Staub gebunden sein. Wird eine solche Verschmutzung nicht entfernt, schreitet der Zerfall schneller voran.
Bei allen Kleidern wurde eine Trockenreinigung mittels Staubsauger und einem Latexschwamm (sogenannter Wallmaster) vorgenommen.


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Latexschwämme (links: nach der Reinigung; rechts: neu)
Mit kleinen Schwammstückchen wird fadenparallel Quadratzentimeter für Quadratzentimeter der oberflächliche Staub und nur leicht an die Faser gebundener Schmutz entfernt – natürlich in sorgfältigster Handarbeit.
Um möglichst den gesamten Umfang der Faser zu erreichen, mussten auf diese Weise Vorder- und Rückseite separat gereinigt werden.



Sie mögen sich jetzt vielleicht fragen, warum man die Kleider nicht einfach in die Reinigung geben oder auswaschen kann? Die Gründe, weshalb keine Feuchtreinigung bzw. keine Reinigung durch Lösemittel angewendet wurde, sind verschieden. Die gewählte Trockenreinigung gewährleistet, dass sich die Farben nicht verändern oder gar ausbluten und verbleichen. Außerdem sind manche Abendkleider mit Metallfäden durchwirkt und mit Gelatine- bzw. Schellackpailletten oder Glasperlen bestickt. Durch Feuchtigkeit könnte es zu Korrosionserscheinungen und zu neuen Flecken oder gar zum Verklumpen der Pailletten kommen. Die im Privathaushalt übliche Behandlung schädigt empfindliche Gewebefasern. Die bejahrten Stoffe werden noch spröder und brüchiger, weil fasereigene Fette auswaschen werden und dann verlöre das Museum bald einzigartige Sammlungsstücke.

Wegen der aufwendigen Reinigung dauert es lange, bis die Kleider ausstellungsfähig sind. Anderseits lernt man dadurch jedes Kleidungsstück sehr gründlich kennen und damit auch seine Geschichte, die nirgendwo aufgeschrieben steht. Niemand kennt ein historisches Kleid so genau, wie eine Restauratorin, die es tagelang buchstäblich unter ihren behandschuhten Fingern hatte.

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Indirekte Befeuchtung mittels Goretex-System
Nach der Reinigung schließt sich die Glättung an. Niemand greift zum Bügeleisen wie Zuhause, sondern auch dafür ist ein längerer Arbeitsprozess notwendig: Indirekte Befeuchtung und anschließende Ausrichtung der Fäden unter Glasplatten.
So wird eine überaus schonende Glättung erreicht, die ohne Hitzeeinwirkung geschieht. Wärme beschleunigt chemische Reaktionen und damit Zerfallsprozesse.
Das „kalte Bügeln” ist sehr zeitaufwendig, aber sinnvoll.

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Glättung unter Glasplatten

Auch jahrelang im Schrankkoffer zerknüllte Kleider werden wieder ansehnlich und ausstellungsfähig, scharfe Knicke, die über kurz oder lang zu Faserbrüchen und schließlich zu Rissen geführt hätten, werden „ausgebügelt”.


Jetzt, könnte man meinen, sei die Restaurierung der Kleider endlich vollbracht, das Werk getan. Aber nein! Denn eine Ausstellung braucht vor allem die objektgerechte Präsentation. Ausstellungsmacher und Restauratorin suchen gemeinsam passende Puppen – und das ist im Falle der Jenny Jugo nicht so einfach, denn Jenny hatte eine überaus zierliche, kleine, beinahe kindliche Figur. Doch selbst wenn die perfekte Büste gefunden scheint, können Besonderheiten der Kleider dazu führen, dass doch noch etwas an der Figurine korrigiert werden muss. Die schmalsten Kleider ließen sich nämlich immer noch nicht auf die sehr dünnen Figurinen ziehen – Jugo war eben äußerst grazil.

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Figurine nach der Bearbeitung
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Bearbeitung des Styropors der Figurine




Zur Unterstützung der Röcke wird zum Teil an den Unterseiten der Büsten ein Vlies angenäht und Ärmel müssen gegebenenfalls mit Polsterwatte ausgefüllt werden.







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Grundform Pappkrone
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Pappkrone in entsprechender Form zusammengenäht.
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Hutpolsterung

 
Auch Hüte benötigen für die Ausstellung einen Unterbau, der nicht auffallen darf, jedoch das Material stützt. Für jede Hutform ist eine entsprechende Polsterung in mehreren Schritten anzufertigen:
Erst nach diesem langen, komplexen und individuellen Bearbeitungsprozess ist jedes einzelne der faszinierenden Kleidungsstücke in dem Zustand, indem Sie es nun in der Ausstellung bewundern können. Drei Restauratorinnen und vier Restaurierungspraktikanten waren zwölf Wochen lang mit den ungefähr 100 Ausstellungsexponaten befasst.
Die wertvollen Stücke mit ihren einzigartigen Details für die Zukunft zu sichern, war und bleibt eine reizvolle restauratorische Herausforderung.
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