"Zwischen allen Stühlen" - Die Tagebücher Victor Klemperers

Um den Spuren und Zäsuren der Nachkriegszeit und der Entstehungsgeschichte beider deutschen Staaten nachzugehen, stellen die Tagebücher des Romanisten und Universitätsprofessors Victor Klemperer ganz besondere Zeitzeugnisse dar. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wollte sich der unter den Nationalsozialisten verfolgte und von seinem Katheder verdrängte Klemperer aktiv am Aufbau eines neuen Deutschlands beteiligen. Angesichts der konsequenteren Politik der Kommunisten gegenüber den ehemaligen Nazis, hielt er dafür die sowjetische Besatzungszone und später die DDR für geeigneter. Er zog mit seiner Frau Eva zurück in sein Haus in Dresden, aus dem sie 1940 vertrieben worden waren. Doch kamen ihm bald angesichts stalinistischer Tendenzen in Ostdeutschland ernste Zweifel an der gewählten Alternative. Der Titel der Ausgabe seiner Tagebücher von 1945 bis 1959, "So sitze ich denn zwischen allen Stühlen", gibt diesem tiefen Konflikt Ausdruck.
In einer multimedialen Lesung wird der Theaterwissenschaftler Olaf Jelinski besonders der Atmosphäre des Jahres 1949 nachspüren. Ausgewählte Passagen aus den Tagebüchern Victor Klemperers werden von korrespondierenden Wochenschauen aus Ost und West begleitet.

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