Zum Gedenken an Doris Borkmann (1935-2017) und Roland Gräf (1934-2017)

28.05.2017

Veranstaltungsdatum
28.05.2017 - 14:30

Zum Gedenken an Doris Borkmann (1935-2017) und Roland Gräf (1934-2017)
Filmveranstaltung in Zusammenarbeit mit der DEFA-Stiftung


Sonntag, 28.05.2017 um 14.30 Uhr
Sommer vorm Balkon
Einführende Worte: Peter Hartwig (Produzent, Fotograf)


Sonntag, 28.05.2017 um 17:00 Uhr
Bankett für Achilles
Einführende Worte: Ralf Schenk (DEFA-Stiftung)
Kleiner Empfang zwischen den Filmen
Eintritt frei

Es lässt sich nicht fassen und wir müssen es dennoch hinnehmen, dass zwei so große, wunderbare Menschen und Filmschaffende uns verlassen haben.

Doris Borkmann - Im Gemeinschaftswerk ist Fachwissen in allen Bereichen gefragt - auch und gerade hinter den großen Namen. Doris Borkmann war eine bescheidene, dabei hoch professionelle und äußerst produktive Frau, die dem Namen Regieassistentin alle Ehre machte. Doris Borkmann ist am 12. Mai 2017 zu plötzlich für uns verstorben. Wir trauern um sie.

In einer über 65-jährigen beruflichen Laufbahn hat sie das organisatorische und künstlerische Filmhandwerk von der Pike auf gelernt und angewendet: Filmfotografin, Cutterin, Regieassistentin. 1951 fing sie bei der DEFA an, arbeitete mit Kurt Maetzig ("Der schweigende Stern", "Schlösser und Katen") genauso zusammen wie mit Frank Beyer ("Der Bruch"), Lothar Warneke ("Blonder Tango"), Roland Gräf, Rainer Simon usw. 18 Jahre währte die Zusammenarbeit mit Konrad Wolf mit Filmen wie "Ich war 19" und "Solo Sunny". Nach 1990 bildete sie oft mit Andreas Dresen ein Team: "Halbe Treppe", "Nachtgestalten", "Sommer vorm Balkon" - um nur einige Erfolgsfilme zu nennen. Assistenzregisseurin war die genauere Bezeichnung für ihre anerkannte Tätigkeit.
Ein gutes "Händchen" bewies sie beim Casting, bei der Rollenbesetzung. Der Schauspielernachwuchs interessierte sie ganz besonders, für nicht wenige Neuentdeckungen war sie verantwortlich.
In den Sammlungen des Filmmuseums werden persönliche Dokumente, Produktionsunterlagen, Fotos und Filmtagebücher von Doris Borkmann bewahrt. Die Hinterlassenschaften ihres Wirkens bleiben also erhalten - und sicher auch lebendig.

28.05.2017 um 14.30 Uhr
Sommer vorm Balkon, R: Andreas Dresen, D: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, D 2005, 110 Min.
Ein heißer Sommer in Berlin: Nike und Katrin wohnen im gleichen alten Mietshaus im Osten Berlins und sind die besten Freundinnen. Nike trägt ihr Herz auf der Zunge und hat immer einen flotten Spruch parat - auch bei ihrer Arbeit als Altenpflegerin. Katrin ist geschieden, sucht seit Jahren einen Job und kümmert sich um den pubertierenden Sohn Max. Die lauen Nächte verbringen die Freundinnen auf Nikes Balkon - sie trinken, lachen, lästern und sind füreinander da. Bis der Trucker Ronald in ihr Leben kommt.
Einführende Worte: Peter Hartwig (Produzent, Fotograf)

Roland Gräf - einer der erfolgreichsten und individuellsten Regisseure der DEFA - ist am 11. Mai 2017 von uns gegangen. Das Filmmuseum Potsdam trauert um ihn. Er war dem Haus seit Jahrzehnten verbunden, 2004 wurde er zum 70. Geburtstag mit einer Ausstellung geehrt, 2009 zeigten wir seine Fläming-Bilder, poetische Fotografien dieses Landstrichs und seiner Menschen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit dem Band "Meine Last Picture Show" ein bildkünstlerisches Vermächtnis.
Roland Gräf hatte nach 1992 leider keine Förderer für seine Filmprojekte gefunden, so verschrieb er sich (glücklicherweise) der Fotografie. Zuvor stach er mit Filmen wie "Fallada - letztes Kapitel" (1987), "Das Haus am Fluss" (1985), "Märkische Forschungen" (1981), "Die Flucht" (1977) oder "Bankett für Achilles" (1975) aus dem DEFA-Schaffen hervor. Er arbeitete mit Schauspieler/innen wie Katrin Saß, Erwin Geschonneck oder Armin Müller-Stahl zusammen. Als Autorenfilmer mit besonderem Blick für soziale Realitäten gelang es Roland Gräf, der auch ein äußerst sensibler Kameramann gewesen ist, wahres Leben einzufangen - und das unter den schwierigen Bedingungen einer staatlich gelenkten Filmproduktion. Nicht zu vergessen sein Engagement im "Künstlerischen Rat" der DEFA, der unter seinem Vorsitz in den 1980er Jahren mehrfach kulturpolitische Öffnungen angemahnt hat. Roland Gräf bleibt für uns als ein Mensch mit Herz und Ehrlichkeit in unserer Erinnerung.

28.05.2017 um 17 Uhr
Bankett für Achilles, R: Roland Gräf, D: Erwin Geschonneck, Elsa Grube-Deister, Jutta Wachowiak, DDR, 1975 , 89 Min.
Karl Achilles, 65 Jahre alt und dreißig Jahre Arbeiter und Meister im Chemie-Kombinat Bitterfeld, geht in Rente. Nach Empfang von Prämie und Urkunde und vor der von seiner neuen Lebensgefährtin organisierten Abschiedsfeier geht Achilles, dessen Häuschen direkt neben dem Werk liegt, noch einmal durch den Betrieb, den er seit 1945 mit aufgebaut hat. Er spricht im Park mit zwei Rentnern, zerstört sein Blumenbeet neben der Industriehalde und flüchtet von der Familienfeier. Am nächsten Morgen richtet er das Blumenbett wieder her.
Einführende Worte: Ralf Schenk (DEFA-Stiftung)

Prof. Dr. Ursula von Keitz und Team
Filmmuseum Potsdam

Kleiner Empfang zwischen den Filmen